Homosexualität in der Kirche Landeskirche: Fuchslochs Verhalten nicht nachvollziehbar

An Thomas Fuchsloch, Pfarrer in der Versöhnungsgemeinde (Zweiter von rechts und eingerahmt von seinen Schorndorfer Pfarrerskollegen), scheiden sich in der Diskussion um den Umgang der Evangelischen Kirche mit Homosexualität weiterhin die Geister. Foto: Büttner / ZVW

Schorndorf. Mag die Evangelische Landeskirche auch bezüglich der Segnung beziehungsweise Trauung von gleichgeschlechtlichen Paaren noch uneins sein, so hat sie doch, wie auch die Alfdorfer Synodale Ruth Bauer betont, eine ganz klare Haltung, was den Umgang der Kirche mit Homosexuellen angeht. Weder bei Hauptamtlichen im Pfarrdienst noch bei Ehrenamtlichen darf die sexuelle Orientierung eine Rolle spielen.

Dass gleichwohl in Schorndorf eine junge Frau, die sich als lesbisch geoutet hat, von der Mitwirkung in einer christlichen Band und damit von der Verkündigung ausgeschlossen ist, ist für die der „Offenen Kirche“ angehörende Ruth Bauer unfassbar.

„Der CVJM ist da durchaus nicht immer auf der Linie der Landeskirche“

„Theologisch und menschlich sind für mich die Aussagen und das Verhalten von Pfarrer Fuchsloch nicht nachvollziehbar“, sagt die Synodale, die aus ihren Kontakten zur Kirchenleitung weiß, dass diese nicht erst seit dem jüngsten Vorfall mit dem Pfarrer der Versöhnungskirchengemeinde „sehr deutlich im Gespräch“ ist und dass dessen generelle Linie „sehr kritisch hinterfragt“ wird.

Und auch die Behauptung des CVJM, dass Homosexuelle auch als Mitarbeiter einen festen Platz in den Gruppen und Kreisen haben, ist aus Sicht der Alfdorfer Synodalen kritisch zu hinterfragen. „Der CVJM ist da durchaus nicht immer auf der Linie der Landeskirche“, sagt Ruth Bauer, die zu denen gehört hat, die seinerzeit in der Landessynode den Antrag eingebracht haben, dass Pfarrern nicht nur die Segnung, sondern die Trauung von gleichgeschlechtlichen Paaren ermöglicht wird.

Dass nicht nur dieser Antrag mit deutlicher Mehrheit abgelehnt worden ist, sondern dass anschließend auch der Kompromissvorschlag, mit Zustimmung der jeweiligen Kirchengemeinde zumindest die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare zuzulassen, in der Landessynode ganz knapp an der erforderlichen Zweidrittel-Mehrheit gescheitert ist, ist für die Synodale nicht zu verstehen.

Zumal es auch für ihre Gruppierung keine Frage gewesen wäre, dass es auch weiterhin eine Gewissensfreiheit für die Pfarrerinen und Pfarrer gegeben hätte. Sprich: Niemand hätte gezwungen werden können, ein gleichgeschlechtliches Paar zu trauen.

Keine theologische Grundlage für einen Ausschluss

Während es die dem Gesprächskreis „Lebendige Gemeinde“ zuzurechnende Synodale Petra Wolf aus Plüderhausen auf Anfrage nach ihrer Meinung zur Schorndorfer Diskussion bei der Feststellung belässt, dass es zum Thema der gleichgeschlechtlichen Liebe unterschiedliche Meinungen gebe und unsere Gesellschaft so demokratisch gesinnt sein sollte, „sich gegenseitig in der Unterschiedlichkeit anzunehmen und dem Mitmenschen mit christlicher Nächstenliebe zu begegnen“, bezieht auch Dr. Viola Schrenk, seinerzeit noch als Waldhäuser Pfarrerin im Kirchenbezirk Schwäbisch-Gmünd-Schorndorf für die „Offene Kirche“ in die Synode gewählt und jetzt Nachfolgerin der Schorndorfer Dekanin Dr. Juliane Baur am Evangelischen Stift in Tübingen, klar Position.

Auch aus ihrer Sicht gibt es keine theologische Grundlage für einen Ausschluss der jungen Frau aus einer Band, die für sich beansprucht, Verkündigungsdienst zu leisten. „Vielmehr“, so die Studieninspektorin am Evangelischen Stift, „müssen sich die dafür Verantwortlichen fragen lassen, wie sich ihr Verhalten zum Evangelium und zur Verkündigung verhält.“ Und weiter: „Es gibt immer wieder christliche Gruppen, die ihre eigenen Regeln für christlich ausgeben und ihre eigene Prägung mit dem Willen Gottes verwechseln.“

Fuchsloch als Religionslehrer: Diskussion am Burg-Gymnasium

Derweil hat die Diskussion um den Umgang der Evangelischen Kirche mit Homosexualität und um die Positionierung von Pfarrer Fuchsloch auch das Burg-Gymnasium erreicht. Und zwar insofern, als es, wie Schulleiter Jürgen Hohloch auf Nachfrage bestätigt, zumindest innerhalb der Fachschaft „Evangelische Religion“ eine Diskussion darüber gibt, ob es weiterhin gewünscht ist, dass Thomas Fuchsloch regelmäßig zwei Stunden Religionsunterricht in Klasse 9 gibt.

„Diese Geschichte stört den Schulfrieden durchaus“, sagt Hohloch, wohl wissend, dass es zunächst einmal Sache des Schuldekans ist, wie, wo und mit welcher Stundenzahl Pfarrer in den jeweiligen Schulen eingesetzt werden.


Die kommunalpolitische Dimension

Noch hat die Diskussion über „Kirche und Homosexualität“ die Kommunalpolitik nicht erreicht, aber das könnte sich bald ändern. Schließlich gibt es einen Beschluss des Gemeinderats, das geplante städtische Jugendcafé im Jugendhaus des CVJM einzurichten, unter dessen Dach der Ausschluss der jungen Frau aus der Band „Grace 1“ erfolgt ist. Kooperationspartner der Stadt wäre allerdings das Evangelische Jugendwerk, das in die Auseinandersetzungen nicht involviert ist.

  • Bewertung
    139

Heute in Ihrer Tageszeitung

  • Waiblinger Kreiszeitung
  • Schorndorfer Nachrichten
  • Winnender Zeitung
  • Welzheimer Zeitung
Lust auf mehr?

Lesen Sie Ihre Zeitung immer und überall digital: Hier ePAPER-Angebote entdecken!