Homosexualität in der Kirche Synode: Diskriminierung passt nicht zu Wertebild

Über ihn wurde in der Bezirkssynode gesprochen, aber er selber hat nicht gesprochen: Pfarrer Thomas Fuchsloch. Seine Äußerungen zum Thema Homosexualität hatten einen Eklat ausgelöst. Foto: Schneider/ZVW

Schorndorf. Eigentlich sollte der Besuch des Landrats bei der Synode des evangelischen Kirchenbezirks Schorndorf nur ein ganz normaler Kennenlern-Termin werden, aber dann ist Dr. Richard Sigel mitten hineingeraten in die Debatte um den Umgang der Kirche mit Homosexualität. Und hat, ebenso wie anschließend Dekanin Dr. Juliane Baur, klar Position bezogen: „Diskriminierung und Ausgrenzung passen aus meiner Sicht nicht zu einem christlichen Werteverständnis.

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Einem Werteverständnis mit den zentralen Eckpfeilern Nächstenliebe und Mitmenschlichkeit, das Staat und christliche Kirchen verbinde, sagte der Landrat, der sich einerseits nicht in innerkirchliche Diskussionen einmischen oder gar zusätzlich polarisieren wollte, andererseits aber doch zugeben musste, dass er die Diskussion mit größtem Interesse verfolgt. Allein schon deshalb, weil er, so Sigel, seine juristische Staatsprüfung mit dem Wahlfach Kirchen- und Staatskirchenrecht absolviert habe und weil ihn Diskussionen um kirchliche und christliche Werte und Wertvorstellungen sowie um gesellschaftliche Veränderungen und den richtigen Umgang damit schon immer fasziniert hätten.

Gesellschaftspolitischer Sprengstoff

Egal ob es damals um die Frage nach Verkaufsverboten am Sonntag gegangen sei oder jetzt um die Frage nach Homosexualität in der Kirche gehe, in der ganz offensichtlich immer noch gesellschaftspolitischer Sprengstoff stecke. Auch wenn staatlicherseits 2006 mit dem Allgemeinen Gleichstellungsgesetz unmissverständlich formuliert worden sei, dass es eine wie auch immer geartete Diskriminierung von Homosexuellen nicht geben dürfe. Und dass sich auch für die Kirche die Zeiten ändern (sollten), machte Richard Sigel an der Tageslosung aus dem Buch Mose deutlich, in dem die Rede davon ist, dass Noah „zu seinen Zeiten“ – und darauf wies der Landrat besonders hin „ein frommer Mann und ohne Tadel“ war, der mit Gott wandelte.

Ohne Diskriminierung und Verletzungen anderer

„Es ist der Geist, der lebendig macht, nicht der Buchstabe – und das sollten wir in unseren Gemeinden wieder lebendig werden lassen“, hatte der Vorsitzende der Synode, Matthias Eisenhardt in die Aufarbeitung der Geschehnisse vor allem der vergangenen Wochen eingeleitet, die zwar nicht auf der Tagesordnung standen, an denen an diesem Abend aber gleichwohl niemand vorbeikam. Schon gar nicht Dekanin Dr. Juliane Baur, die in ihren Anmerkungen deutlich machte, dass in dieser richtigerweise öffentlich gewordenen Diskussion Enttäuschungen und Verletzungen „nicht das letzte Wort sein“ könnten. Dass es zum Thema Homosexualität unterschiedliche Meinungen gebe, so die Dekanin, müsse ausgehalten werden, aber keinen Platz in den Auseinandersetzungen hätten Diskriminierung, Pauschalisierung und Verletzung anderer.

Unbedachte Äußerungen

„Ich bedaure sehr, dass genau dies aber leider doch passiert ist trotz des ehrlichen Bemühens, in guter Weise miteinander im Gespräch zu sein“, sagte die Dekanin und fügte hinzu, sie sei froh und erleichtert, dass Pfarrer Fuchsloch rasch gemerkt habe, welche Verletzung seine unbedachten Äußerungen ausgelöst hätten, und dass er seitdem betone, dass ihm, ebenso wie dem Kirchengemeinderat der Versöhnungsgemeinde, wichtig sei, dass ohne irgendwelche Vorbehalte alle Menschen in der Kirchengemeinde willkommen seien. „Ich erwarte, dass er das nun auch so umsetzt“, betonte die Dekanin und stellte fest: „Natürlich wollen wir uns als evangelische Gesamtkirchengemeinde über dieser Frage nicht trennen lassen.“.

Eisrich: Aufpassen, dass nicht Opfer und Täter verwechselt werden

Woraufhin sich die beiden Beutelsbacher Pfarrer Köpf und Rölle zu Wort meldeten, um einerseits zu beklagen, dass der „liebe Kollege und liebevolle Prediger“ Thomas Fuchsloch gerade demontiert werde, und andererseits der Dekanin vorzuwerfen, sich mit ihrer „sehr einseitigen Sichtweise“ zu wenig hinter Fuchsloch gestellt zu haben. Natürlich stehe sie hinter Fuchsloch, aber sie sage auch in aller Klarheit, dass Diskriminierung, „erst recht im Namen Gottes“, etwas sei, bei dem sie nicht mitgehe, sagte Juliane Baur.

Zuvor war Stadtkirchen-Pfarrerin Dorothee Eisrich im wörtlichen und übertragenen Sinne aufgestanden und hatte in ihrer Reaktion auf die Wortmeldungen der beiden Pfarrer deutlich gemacht, dass das, was am letzten Abend der Veranstaltungsreihe „Wenn Liebe anders ist“, passiert sei, „sehr wehgetan“ habe und dass man jetzt „aufpassen“ müsse, „dass nicht Opfer und Täter verwechselt werden“. „Unsere Solidarität muss jetzt zunächst einmal den Menschen gelten, die viele Jahre lang diffamiert und ausgegrenzt worden sind“, sagte Dorothee Eisrich.

Lesen Sie hier den Kommentar von Redaktionsleiter Hans Pöschko zu den jüngsten Entwicklungen

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