Homosexualität und Kirche Kommentar: Zur Würde des Menschen gibt es keine zwei Meinungen

Ein Kommentar von Hans Pöschko. Foto: Schneider / Bernhard / ZVW

Es ist gerade mal eine Woche her, seit durch unsere Berichterstattung öffentlich geworden ist, wie in Teilen der evangelischen Gesamtkirchengemeinde – aber sicher nicht nur in ihr – mit Homosexuellen umgegangen wird. Und schon mehren sich, nachdem sich der erste Sturm der Empörung gelegt hat, die Wortmeldungen derer, die entweder der Meinung sind, dass man – teilweise unter Verweis darauf, dass sich Kirche doch eigentlich um wichtigere Dinge zu kümmern hat – zur Tagesordnung übergehen sollte, oder die uns, die wir die unsäglichen Vorfälle beschrieben und die handelnden Personen beim Namen genannt haben, unseriösen Journalismus und Unterdrückung der Meinungs- und Gewissensfreiheit vorwerfen.

Umkehrung von Ursache und Wirkung

Das ist nichts anderes als die unzulässige Umkehrung von Ursache und Wirkung. Nur für den Fall, dass es nach einer Woche schon wieder vergessen worden ist, noch einmal die beiden Ursachen: Zunächst ist eine junge Frau aufgrund ihrer homosexuellen Orientierung aus einer christlichen Musikgruppe ausgeschlossen worden. Und dann hat sich der Pfarrer der Versöhnungskirchengemeinde von Homosexualität nicht nur distanziert, sondern Homosexuelle und damit auch die ihm zuhörende junge Frau in zutiefst verletzender Weise diskriminiert. Wer uns von der Zeitung in diesem Zusammenhang vorwirft, wir ließen andere Meinungen nicht gelten, dem sagen wir ganz deutlich: Wenn es um die Würde des Menschen geht, gibt es für uns keine zwei Meinungen.

Bezirkssynode tritt entgegen

Umso wichtiger in dieser Gemengelage ist es, dass im Rahmen der Bezirkssynode allen Versuchen, Ursache und Wirkung zu verdrehen und – wie es Pfarrerin Dorothee Eisrich in ihrer bewundernswert unerschrockenen Art formuliert hat – aus Tätern Opfer zu machen, entschieden entgegengetreten worden ist. Angefangen vom Landrat, der, ohne sich in innerkirchliche Angelegenheiten einmischen zu wollen, in seinem Grußwort keinen Zweifel daran gelassen hat, dass aus seiner Sicht Diskriminierung und Ausgrenzung mit einem christlichen Werteverständnis nicht vereinbar sind. Und auch wenn sich die Dekanin das Zugeständnis abringen lassen hat, dass sie hinter Pfarrer Fuchsloch steht, so hat sie auf der anderen Seite doch auch unmissverständlich deutlich gemacht, dass Diskriminierung, erst recht im Namen Gottes, etwas ist, bei dem sie keinesfalls mitgeht und was sie auch in Zukunft niemandem durchgehen lassen wird.

Und dies in Verbindung mit einer klaren Ansage, was sie künftig vom Pfarrer der Versöhnungskirchengemeinde und damit auch von seiner Gemeinde erwartet. Das hat nichts mit der Demontage eines Pfarrers oder mit der Ausgrenzung einer Kirchengemeinde zu tun, sondern nur etwas damit, dass es bei aller Vielfalt, die Kirche nicht nur bei diesem Thema aushalten muss, immer auch Grenzen gibt, die nicht überschritten werden dürfen, wenn Gemeinschaft und nicht Spaltung das Ziel ist.

Positive Signale zum Umgang mit Homosexualität

Insofern sind von der Bezirkssynode insgesamt die notwendigen und von vielen erhofften positiven Signale zum Umgang nicht nur der evangelischen Gesamtkirchengemeinde mit Homosexualität ausgegangen. Was aber nach wie vor aussteht, sind glaubhafte Entschuldigungen bei der in mehrfacher Hinsicht diskriminierten jungen Frau und klare, möglichst auch öffentliche Distanzierungen von dem, was vor zwei Jahren (Musikgruppe Grace 1) oder in den letzten Wochen (Pfarrer Thomas Fuchsloch) passiert ist.

Menschen mit einer homosexuellen Orientierung müssen in allen kirchlichen Einrichtungen und auf allen kirchlichen Ebenen ganz selbstverständlich ihren Platz finden können. Und zwar nicht nur, weil das kirchen- und dienstrechtlich so vorgeben ist. Sondern weil es dabei wirklich um nicht mehr und nicht weniger als um Respekt und um die Würde des Menschen geht – und um christliche Nächstenliebe.

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