Hornauer-Kandidatur Kommentar: Er ist ein Star, holt ihn hier raus

Ein Kommentar von Redakteur Hans Pöschko zu Thomas Hornauer. Foto: Screenshot Youtube

Plüderhausen.
Dass Thomas Hornauer für das Amt des Plüderhäuser Bürgermeisters kandidiert, ist doch – aus seiner Warte betrachtet – reine Zeit- und Geldverschwendung. Denn eigentlich ist so einer wie Hornauer zu Höherem geboren: zum Dschungelcamp zum Beispiel, das für dieses Jahr nur leider schon vorbei ist. Er hält sich für einen international bekannten Promi, er verlangt für seinen Auftritt bei der Kandidatenvorstellung der Schorndorfer Nachrichten Gage (mittlerweile 75 000 Euro), er wird gerne mal so richtig ausfällig und beleidigend, er verlangt Maske (Styling), ein Headset und eine bestimmte Sorte alkoholfreies Bier, er hält es für erforderlich, dass er von Security-Leuten beschützt wird („da ich ein sehr beliebter Superstar bin“) und er legt Wert darauf, dass ihn der Moderator so anspricht, wie es seiner – wiederum Sicht Hornauer – hervorgehobenen und herausragenden Stellung und Reputation entspricht: als „Königliche Hoheit“ oder gar als „Seine Königliche Heiligkeit“. Da passt es gut, dass das Vorbild für das Format „Dschungelcamp“, bei dem ihm zumindest einige seiner Wünsche erfüllt werden könnten, aus dem Vereinigten Königreich stammt.

Keinerlei Sonderrechte bei der Kandidatenvorstellung

All das darf Thomas Hornauer bei der Kandidatenvorstellung, die der Zeitungsverlag Waiblingen beziehungsweise die Schorndorfer Nachrichten am kommenden Donnerstag, 15. Februar, 19 Uhr, in der Staufenhalle veranstalten, nicht erwarten. An dem Abend ist er – auch wenn er für sich in Anspruch nimmt, dass die Leute eigentlich nur wegen ihm kommen – keine königliche Majestät oder gar Heiligkeit, sondern er ist Kandidat wie seine Mitbewerberin und seine beiden Mitbewerber auch. Und damit einer, der genauso respektvoll behandelt wird, wie die drei anderen, gleichzeitig aber keinerlei Sonderrechte für sich in Anspruch nehmen darf. Schon gar nicht, wie er’s uns gegenüber zur Bedingung gemacht hat, dass er nicht mit „Herr Hornauer“ angesprochen wird. Er bekommt weder Gage noch Maske noch alkoholfreies Bier. Securities werden nicht zu seinem Schutz, sondern allenfalls zum Schutz der Veranstaltung (möglicherweise sogar vor ihm) anwesend sein. Immerhin hat er ja schon mehrfach angekündigt, dass er den Veranstalter, also den Zeitungsverlag Waiblingen, nach seiner Wahl zum Bürgermeister wegen verleumderischen Rufmords verklagen will. Gleichwohl darf er sich keine Ausfälligkeiten und Beleidigungen leisten und er muss sich an die für alle Kandidaten geltenden Regeln – zum Beispiel, was die Länge der Wortbeiträge angeht – halten. Mag er Plüderhausen für sein Reich halten, in dem er uns gnädigerweise eine Kandidatenvorstellung abhalten lässt, die Staufenhalle ist es an diesem Abend garantiert nicht.

Unterstützung von Fridi Miller?

Das alles ist für einen wie Thomas Hornauer, dem es offensichtlich egal ist, dass er mit seinen skurrilen Inszenierungen nicht nur das Amt, das er angeblich anstrebt, diskreditiert, sondern auch dem Ansehen der Gemeinde Plüderhausen schadet, eigentlich unzumutbar – müsste für ihn schlichtweg eine Zumutung sein (Er stehe, hat er uns wissen lassen, 1367 Stufen über uns). Genauso wie es für ihn, der sich ja selber für einen begnadeten Aufdeckungsjournalisten hält und sich zumindest bei diesem Projekt der Unterstützung seiner Mitbewerberin Fridi Miller sicher zu sein glaubt, eine Zumutung ist, sich auf das Niveau eines gewöhnlichen Lokaljournalisten und erst recht einer gewöhnlichen Lokaljournalistin zu begeben. Weshalb er sich auch nicht darauf ein- oder darauf festlegen lässt, dass er die themenbezogene Wahlberichterstattung eines provinziellen „Lügen- und Schmierblattes“, als die er die Schorndorfer Nachrichten und den Zeitungsverlag Waiblingen sinngemäß gerne tituliert, mit ausformulierten und druckreifen Beiträgen beglückt und dass er an einer Wahlveranstaltung teilnimmt, die seiner verqueren Weltsicht zufolge allen demokratischen und pluralistischen Spielregeln widerspricht. Das sagt ausgerechnet ein in seinen im Internet kursierenden Videos vor Irrungen, Wirrungen und Widersprüchen strotzender Hornauer. Über seine Teilnahme, so der Kandidat Hornauer auf Nachfrage, entscheide er spontan und er mache sie von den äußeren Gegebenheiten abhängig. Zumal er, fügt er in der ihm eigenen Arroganz und Selbstgefälligkeit hinzu, auf derlei Show – Was ist dann seine eigene Veranstaltung am darauffolgenden Sonntag? – und Publicity gar nicht angewiesen sei. Weil ihn erstens ohnehin jeder kenne und weil er zweitens am 25. Februar ohnehin zum Bürgermeister gewählt werde (wozu nun seine weitere Kandidatur in Welzheim so gar nicht passt).

"Holt ihn hier raus, er ist ein Star"

All das, was da bezüglich Thomas Hornauer am Donnerstag in der Staufenhalle zu erwarten sein könnte, sollte man nicht nur der Gemeinde Plüderhausen, dem Publikum und den anderen drei Kandidaten, sondern auch ihm selber ersparen. Deshalb der eindringliche Appell an alle, die es mit Plüderhausen und mit Thomas Hornauer gut meinen: „Holt ihn hier raus, er ist ein Star.“ Und als solcher zu Höherem geboren. Und mit höher ist nun garantiert nicht Welzheim gemeint. Man könnte nach dem, was Hornauer jeden Tag an neuen Abstrusitäten und Verschwörungstheorien in die Welt setzt, sogar so weit gehen, zu sagen: Dieser Mensch ist nicht mehr von dieser Welt. Was Hornauer, so abgedreht wie er drauf ist, vermutlich als Kompliment (miss)verstehen wird.

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