Horst Stern Die streitbare Stimme der Umweltschützer ist verstummt

Stern im TV-Studio. Foto: SWR/Hugo Jehle

Stuttgart/Passau - Ein Blatt vor den Mund genommen hat er nie, der Journalist, Fernsehfilmer und Umweltschützer Horst Stern. Und seine knurrig vorgetragenen Bemerkungen konnten äußerst bissig sein, wie seine berühmten „Sterns Stunde“-Sendungen in den 1970er Jahren im Fernsehen zeigten. Doch jetzt ist seine Stimme verstummt: Horst Stern ist im Alter von 96 Jahren in der Nähe von Passau gestorben, wie seine Familie jetzt mitteilte.

Geboren wurde Horst Stern 1922 in Stettin. Nach dem Krieg hatte es ihn zu einem Freund nach Ludwigsburg verschlagen. Der gelernte Bankkaufmann konnte nach seiner Zeit in amerikanischer Kriegsgefangenschaft gut Englisch – und so wurde er zunächst Gerichtsdolmetscher der US-Streitkräfte. Da war der Schritt zum Gerichtsreporter nicht weit – und so verdiente er sich seine ersten journalistischen Sporen bei unserer Zeitung bis 1955 in dieser Funktion.

Naturschützer jubelten, die Kritisierten schäumten vor Wut

Bundesweit bekannt wurde Stern dann allerdings mit seinen Fernsehsendungen, die sich vor allem mit dem Verhältnis der Menschen zu Natur und Tieren befassten. Und seine harten und offenen „Bemerkungen“ wurden wirklich zu Sternstunden für den Journalismus. Da prangerte er die Praktiken in der Landwirtschaft an, berichtete über das Schicksal von Tieren in der Pharmaforschung oder schilderte kritisch den Umgang von Förstern und Jägern mit Wald und Wild. Während Naturschützer jubelten, schäumten die Kritisierten vor Wut – aber handwerkliche Fehler waren Stern nicht nachzuweisen.

Bald wollten die Umweltschützer Horst Stern vor ihren Karren spannen, wo immer es ging. Und tatsächlich engagierte er sich aktiv im Naturschutz, etwa als Naturschutzbeauftragter in Lindau. Dort kämpfte er gegen eine chemische Fabrik am Bodensee. Und er war er an der Gründung der Naturschutzorganisation BUND und auch der Deutschen Umwelthilfe beteiligt.

Stern zog sich in die Schweizer Berge zurück

Doch auf die Dauer war dies nicht sein Ding. Irgendwann war er es leid, „bei jedem Ortsverband vorneweg marschieren zu sollen“, wie er es einmal bei einer Veranstaltung an der Universität Hohenheim ausdrückte. Den Hohenheimern fühlte er sich verpflichtet, hatten sie ihn doch mit der Ehrendoktorwürde für sein Engagement belohnt. Dem Journalismus wiederum blieb er noch einige Zeit treu, nachdem er 1980 seine Fernsehkarriere beendet hatte – unter anderem als engagierter Chefredakteur bei der Zeitschrift „Natur“, die im Schweizer Ringier-Verlag erschien.

Doch als sich 1984 der alte Ringier aus dem Geschäft zurückzog, dauerte es nicht lange, bis auch Stern seinen Job quittierte. Zunächst zog er sich in die Abgeschiedenheit der Schweizer Bergwelt zurück, dann wanderte er 1992 nach Irland aus. Und er wurde Literatur-Schriftsteller, veröffentlichte Werke wie „Mann aus Apulien“, „Jagdnovelle“ und „Klint – Stationen einer Verwirrung“. Über die Bewertung des 1993 erschienenen „Klint“ sind sich die Literaturkritiker keineswegs einig – Stern dürfte dies nicht sonderlich beeindruckt haben.

Auf Dauer hielt es ihn aber auch nicht in Irland. Seinen Lebensabend verbrachte er viele Jahre lang in Passau – wo er und seine Familie konsequent den Kontakt mit der Öffentlichkeit vermieden.

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