„Ich bin doch ein Schwabe“ Mallorca-Auswanderer will zurück ins Remstal

Dominique Gora (36) und seine kolumbianische Frau Alexandra Cruz Fajardo (33) wohnen derzeit noch auf Mallorca – und suchen dringend eine Wohnung im Remstal. Foto: Jordi Antich Fuster

Weinstadt. „Ich muss zugeben: Ich bin doch ein Schwabe“: Dominique Gora hat auf Mallorca seine alte Heimat zunehmend vermisst. 13 Jahre hat er auf der spanischen Insel gelebt und gearbeitet, nun will er zurück ins Remstal. Der in Großheppach aufgewachsene 36-Jährige sucht mit seiner Frau dringend eine Wohnung.

Wer denkt, dass in den vergangenen Jahren nur in Deutschland die Mieten stark gestiegen sind, irrt sich. Als Dominique Gora 2006 auf Mallorca in eine rund zehn Jahre alte Reihenhauswohnung gezogen ist, zahlte er 525 Euro pro Monat. Sein Vermieter erhöhte regelmäßig die Miete – und aktuell möchte er nun 980 Euro haben. Das bedeutet aber nicht, dass gleichzeitig auch die Löhne stark gestiegen sind. „Wir verdienen das Gleiche“, sagt der 36-Jährige.

Dazu gesellen sich die hohen Lebenshaltungskosten. Erst jüngst, sagt Dominique Gora, habe er gelesen, dass die mallorquinischen Supermärkte die teuersten in ganz Spanien seien. Auch Benzin koste nirgendwo im Land so viel wie auf der Insel. Das, sagt Dominique Gora, sei auch eine Folge des Tourismus. Auch würden Vermieter zunehmend normale Wohnungen an Feriengäste vermieten. Dominique Gora hat in den vergangenen 13 Jahren durchaus die Vorteile von Mallorca genossen, wie etwa die Nähe zum Meer oder die Freiheit, auch mal mit dem Quad durchs Gelände zu fahren. Doch seine alte Heimat hat er zunehmend vermisst – und nun will er zurückkehren.

2006 kam der Großheppacher auf die Insel

Dominique Gora hat deshalb bei seinem Unternehmen, dem Discounter Lidl, einen internationalen Versetzungsantrag gestellt. Für das deutsche Unternehmen arbeitet er auf Mallorca seit dreieinhalb Jahren als stellvertretender Filialleiter. Davor hatte der sehr gut Spanisch sprechende 36-Jährige für den Robinson-Club gearbeitet, ein deutsches Touristikunternehmen, das zum TUI-Konzern gehört. 2006 kam er deshalb auf die Insel und fing in einem Ressort als Restaurantleiter an. Um eine Wohnung musste er sich damals nicht gleich kümmern, da ihm sein Arbeitgeber ein Zimmer stellte.

Jetzt bei seiner geplanten Rückkehr nach Deutschland ist alles anders. Dominique Gora muss einige Behördendinge erledigen und zum Beispiel dafür sorgen, dass die Rentenansprüche, die er in Spanien erworben hat, nicht verlorengehen. All die Möbel, die er mit seiner Frau hat, will er auf Mallorca verkaufen – und mit dem Geld dann im Remstal neue erwerben. Würde er diese per Schiff nach Deutschland bringen lassen, wäre das mit erheblichen Mehrkosten verbunden. „Da zahlt man das Doppelte.“

Seine kolumbianische Frau hat Dominique Gora übrigens nicht auf Mallorca kennengelernt, sondern 2010 beim Besuch seiner Eltern in der alten Heimat. „Sie war in der Zeit in Stuttgart Au-pair-Mädchen bei einer reichen Familie auf dem Killesberg.“ Vor vier Jahren ist Dominique Gora mit seiner Alexandra Cruz Fajardo zusammengezogen – und dieses Jahr haben beide geheiratet.

„Die Sonne schlaucht auch“

Wer denkt, dass das Leben auf einer sonnenverwöhnten Insel wie Mallorca wegen der Temperaturen schöner ist, den muss Dominique Gora enttäuschen. „Die Sonne schlaucht auch.“ Gerade in seiner Zeit beim Robinson-Club habe er das zu spüren bekommen, wenn er neun, zehn Stunden am Tag gearbeitet hat, bei Temperaturen von 30 bis 40 Grad. „Ich bin auch eher der Herbsttyp“, sagt der 36-Jährige. Dazu kommt: Seine Frau ist studierte Grafik-Designerin und hat es deshalb auf einer Tourismus-Insel wie Mallorca schwerer, beruflich voranzukommen. Und: Beide wollen in etwa drei Jahren auch Nachwuchs haben – und sind überzeugt, dass es für die Kinder besser ist, in Deutschland aufzuwachsen, zum Beispiel in Bezug auf die Schulbildung.

Beide suchen nun eine Zwei- bis Drei-Zimmer-Wohnung in Weinstadt, Waiblingen oder den umliegenden Kommunen. Am liebsten würden sie schon im Dezember umziehen, damit sie auch noch ein wenig Puffer haben, bis Dominique Gora seine neue Stelle antritt. Für die Übergangszeit hat das Paar auch die Möglichkeit, bei Dominique Goras Eltern oder seinen beiden besten Freunden zu wohnen. Seine Mutter dürfte der ein oder andere Weinstädter kennen: Sie arbeitet als selbstständige Kosmetikerin in Beutelsbach, er selbst kickte früher beim TSV Großheppach und war in der Feuerwehr aktiv.

Die Zeit auf Mallorca bereut Dominique Gora nicht. „Ich denke, dass es wichtig war, die 14 Jahre von Deutschland weg zu sein, damit man wieder schätzen lernt, was man in Deutschland alles hat und wie gut es uns im Ländle eigentlich geht.“

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