"Im Hohen Rain" in Waiblingen Anwohner-Ärger über Vollsperrung

Heinz Burkhardt ärgert sich über die Vollsperrung seiner Straße. Foto: ZVW/Alexandra Palmizi

Waiblingen. Heinz Burkhardt ist als Anwohner der Straße Im Hohen Rain derzeit Kummer gewohnt. Seit dem ersten Spatenstich der Großbaustelle für das erste CO2-neutrale Baugebiet in der Stadt leiden er und seine Nachbarn unter dem Schmutz und Behinderungen durch die Baustelle. Jetzt wird die Straße einen Tag lang voll gesperrt. Burkhardt findet das völlig überzogen.

Ein Flugblatt ohne Absender hat Heinz Burkhardt völlig verärgert. Darin wird am 11. September von 6 bis 20.30 Uhr die Vollsperrung der Straße Im Hohen Rain angekündigt und eine Umleitung für Fußgänger ausgewiesen. Ansonsten heißt es lapidar: „Die Straße ist während der Sperrung weder zu Fuß noch mit dem Auto zugänglich.“ Und: „Wir bitten, die Unannehmlichkeiten zu entschuldigen.“

Die Stadtverwaltung hat die Vollsperrung genehmigt, das bestätigt Ordnungsamtsleiter Oliver Conradt. Absender des Flugblatts ist aber nicht das Ordnungsamt, sondern Alexander Schief, Bauleiter der Firma Schief, die den Rohbau im neuen Baugebiet verantwortet. Grund für die Vollsperrung sei der Abbau des 55 Meter hohen Krans, wofür ein 130 Tonnen schwerer Autokran eingesetzt werden müsse. „Da Im Hohen Rain alles sehr eng ist, muss die Straße gesperrt werden.“ Für den Ärger der Anwohner habe er durchaus Verständnis. „Aber es hilft nichts“, sagt Alexander Schief. „Ich muss den Kran abbauen.“

„Ein ganzer Tag ist einfach zu lang“

Das versteht auch Anwohner Heinz Burkhardt. Nicht aber, dass dafür ein ganzer Tag veranschlagt werden soll. „Das ist einfach zu lang. Wenn die Firma das nachts machen würde oder in Etappen, wäre es etwas anderes.“ Nach Angaben Burkhardts wohnen rund 100 Menschen in der Straße. Die müssten zur Arbeit, zur Schule, zum Arzt und Einkaufen. Auch für Pflegedienste und Ärzte sei die Zufahrt einen ganzen Tag lang gesperrt. „Ich habe einen gehbehinderten Nachbarn“, sagt Burkhardt. „Aber nicht mal der Krankenwagen kann kommen.“ Unabhängig vom finanziellen Schaden greife eine solche Sperrung in die Freiheit des Einzelnen ein, meint Burkhardt: „Die Sperrung ist einfach überzogen.“

Jährlich sollen 160 Tonnen CO2 eingespart werden

Wie berichtet, sind die Bauarbeiten „Im Hohen Rain“ seit einem Jahr in vollem Gang. Im Februar dieses Jahres wurde für das erste klimaneutrale Wohngebiet in der Stadt offiziell der Grundstein gelegt. Mit einer effizienten Dämmung, Nahwärme von den Stadtwerken und Fotovoltaik soll das Wohngebiet CO2-neutral werden. Dass das Ziel eines klimaneutralen Wohngebiets realistisch ist, hatte 2016 eine Machbarkeitsstudie erwiesen. Um CO2 einzusparen, wird der Energieverbrauch im Gebiet reduziert, der Anteil der regenerativen Energien erhöht. Der CO2-Ausstoß der Wärmebereitung und des Haushaltsstroms der künftigen Bewohner soll über die CO2-Gutschrift der Fotovoltaikanlagen bilanziell ausgeglichen werden. So sollen jährlich 160 Tonnen CO2 eingespart werden. Ein Vorzeigeprojekt ist das Wohngebiet „Im Hohen Rain“ auch nach Ansicht des städtischen Umweltbeauftragten Klaus Läpple. Die Nachbarn allerdings brauchen Geduld.

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