Internationale Bauausstellung (IBA) 2027 Schorndorf plant Modellquartier auf dem Bauhof-Areal

Bauhof-Areal soll IBA-Modellprojekt werden. Foto: ZVW/Gabriel Habermann (Archiv)

Schorndorf. Mit einem „ersten Werkstattbericht“ ist der neue Gemeinderat darauf eingestimmt worden, dass die Stadt Schorndorf sich mit dem in absehbarer Zeit frei werdenden Bauhof-Areal an der Internationalen Bauausstellung (IBA) 2027 der Region Stuttgart beteiligen und so einen aktiven Beitrag zur Zukunft der Region leisten will.

Fachlich begleitet werden die Planungen eines modellhaften Quartiers, bei dem es laut Martin Schmidt nicht zuletzt um eine bessere Verbindung von (bezahlbarem) Wohnen, Arbeiten und Freizeit in Kombination mit einem nachhaltigen Mobilitätskonzept und damit im Gegensatz zu früheren IBA-Generationen nicht mehr nur oder vorrangig um Architektur gehen soll, vom renommierten Architekten Prof. Dr. Werner Sobek, der am 25. September Gast beim in der Orangerie im Schlosspark stattfindenden Unternehmerforum sein wird. Sobek wird bei dieser Gelegenheit über „Stadtentwicklung – Bauen in der Zukunft“ sprechen und sich im Dialog mit Oberbürgermeister Matthias Klopfer über das Thema „Schorndorf – Stadt der Zukunft“ austauschen.

„Nicht mehr die verkehrsgerechte Stadt der Vergangenheit bauen“

Es gehe darum, in den nächsten Jahren eine Grundidee zu entwickeln, wie ein Wohn- und Lebensquartier 2027, „besser noch 2050“ aussehen könnte, sagte der Leiter des städtischen Fachbereichs „Stadtentwicklung und Baurecht“, Manfred Beier, mit Blick auf den „Nukleus Bauhof-Areal“ und weitete diesen Blick gleichzeitig auf den ganzen Bereich der Vorstadt, die aus heutiger Sicht suboptimal entwickelt sei. Weil sie einerseits viele größere Baulücken aufweise und andererseits auch sehr verdichtet bebaut sei, was aber aus Beiers Sicht nicht heißen kann, dass alle verfügbaren Freibereiche überbaut werden sollten. Darüber hinaus zeichne sich dieser Bereich durch seine Nähe zum Bahnhof aus, was zwangsläufig Aufwirkungen auf die Mobilität haben müsse.

„Wir wollen nicht mehr die verkehrsgerechte Stadt der Vergangenheit bauen“, sagte der Fachbereichsleiter, dem architektonisch vorschwebt, dass Angebote in Form von Hüllen und Räumen geschaffen werden, die individuell und modular genutzt werden können. Und dabei sollte bei den Materialien Holz ein deutliches Übergewicht gegenüber Beton und Sand bekommen. Voraussetzung für vieles von dem, was mit Blick auf die Zukunft sinnvoll erscheine, sei, sich vom heutigen Baurecht zu lösen, weshalb sich die Stadt bei der Entwicklung des Modellprojekts auch juristisch begleiten lassen werde. Als weitere mögliche Partner außer der Stadtbau genannt wurden die Kreisbau, die Stadtwerke und die Diakonie.

Schneider: „Eine positive Zäsur in Sachen Stadtplanung“

FDP/FW-Stadtrat Gerhard Nickel fühlte sich an die Anfänge der Planungen für die seinerzeit auch vielen als visionär erscheinenden Remstal-Gartenschau zurückversetzt und empfahl kurz und bündig: „Macha!“ Für Grünen-Stadtrat Andreas Schneider stellen die Planungen für das Bauhof-Areal „eine positive Zäsur in Sachen Stadtplanung“ dar. „Da rennen Sie bei uns offene Türen ein“, sagte Schneider mit Blick auf einen in eine ähnliche Richtung zielenden Haushaltsantrag seiner Fraktion aus dem Jahr 2017.

Wenn man seine Stadt grün, lebenswert und sozial erhalten wolle, sei es wichtig, von diesem „investorengetriebenen Entwicklungsmodell“ wegzukommen, meinte der Grünen-Stadtrat. Demgegenüber warnte SPD-Fraktionschef Thomas Berger davor, das Thema gleich wieder so politisch aufzuladen. Er sprach von einer „Vision, die zu Diskussionen führen kann“, und davon, dass es für den Gemeinderat eine spannende Herausforderung sei, dieses Projekt zu begleiten und zu beschützen. Und kein Fehler wäre es nach Einschätzung von Thomas Berger, wenn die Bürger jetzt schon mal ein Stück weit mitgenommen würden.

Die soziale Durchmischung dürfe keine Worthülse bleiben

Als auch GLS-Stadtrat Werner Neher auf einen Antrag seiner Gruppierung verwies, der unter anderem auf einen baldigen Planungsbeginn für das Bauhof-Areal abzielt und der sich durch den Verwaltungsvorschlag schon fast erledigt habe, wurde es CDU-Fraktionschef Hermann Beutel allmählich zu dumm. „Das ist doch Schnee von gestern, wer wann und warum irgendwelche Anträge gestellt hat“, meinte er und bezeichnete das IBA-Vorhaben als ein „interessantes Modell“, bei dem es ganz stark darauf ankomme, dass Wohnen und Arbeiten miteinander verzahnt würden, weil das sowohl beim Pfleiderer- als auch beim Breuninger-Areal fehle.

„Auch die soziale Durchmischung darf auf keinen Fall eine Worthülse bleiben“, forderte der CDU-Fraktionschef, dem es ein Anliegen ist, dass auf dem Bauhof-Areal kein Eliteprojekt geplant und realisiert wird. Weshalb er auch eine gewisse Verdichtung durchaus für angebracht und vertretbar hält. „Wir wollen dort keinen Park mit ein paar Wohnungen“, machte Hermann Beutel deutlich. Sein Fraktionskollege Manfred Bantel regte an, in der Vorstadt nicht nur einen Nukleus Bauhof-Areal zu bilden, sondern von vornherein angrenzende Flächen in die Planung miteinzubeziehen.


IBA 2027

100 Jahre nach Errichtung der Stuttgarter Weißenhofsiedlung soll die Internationale Bauausstellung (IBA) 2027 Stadt-Region Stuttgart international sichtbare Zeichen für das Bauen, Leben und Arbeiten im Zeitalter von Digitalisierung, Globalisierung und Klimawandel setzen. Anspruch der IBA 2027 ist es, im Präsentationsjahr 2027 Lösungsansätze für die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts zu zeigen. Für Herausforderungen wie etwa bezahlbarer Wohnraum, Flächenkonkurrenz, nachhaltige Mobilität, Verbindung von Wohnen, Arbeiten und Freizeit sollen im Rahmen der IBA neue Ideen entwickelt und ausprobiert werden.

In einem partizipatorischen Prozess zur Themenfindung der IBA 2027, organisiert von der Wirtschaftsförderung Region Stuttgart GmbH im Auftrag der Regionalversammlung, haben sich 500 Menschen aus Städten und Gemeinden der Region eingebracht, ebenso Akteure aus Architektur und Bauwesen, Stadt- und Regionalplanung, Kammern, Verbänden, Kultur sowie aus politischen Gremien. Ergebnis dieses Prozesses ist die im IBA-Memorandum (PDF-Download) dokumentierte „4 x 4 IBA-Themenwelt“ mit vier Leitthemen und vier für alle Projekte relevanten Querschnittsqualitäten. Die vier Leitthemen sind: Baukultur in einer neuen Moderne; integrierte Quartiere; neue Technologien für die lebenswerte Stadt-Region; Region ist Stadt und Stadt ist Region.

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