Internationaler Kinderbuchtag Von frechen Dachsen und resoluten Prinzessinnen

Kaum ein anderes Medium prägt uns so nachhaltig: Am 2. April, zum Geburtstag des dänischen Schriftstellers Hans Christian Andersen, wird der Internationale Tag des Kinderbuches gefeiert. Wir haben uns in der Redaktion umgehört, welche Helden der Kindheit unsere Mitarbeiter noch Jahre später begeistern.

Sie heißen Fridolin, Frederick oder Findus, erleben große Abenteuer oder kleine Alltagswunder, lehren uns Mut, List und manchmal auch einfach, wie die Welt funktioniert: Die Helden unserer Kinderbücher. Ihre Geschichten prägen uns so stark wie kaum ein anderes Medium. Zum Internationalen Tag des Kinderbuches, der seit 1967 am Geburtstag des dänischen Autors Hans Christian Andersen begangen wird, feiern wir ihre fantastische Welt mit den Lieblingstiteln unserer Mitarbeiter. Mit dabei sind natürlich Klassiker, aber auch die ein oder andere eher unbekanntere Empfehlung.

Von Sams bis Schreckenstein, von frechen Dachsen und resoluten Prinzessinnen 

Online-Redakteurin Ramona Adolf liest heute noch gern die Abenteuer des Sams: "Der Held meiner Kindheit ist klein, dick und rothaarig, hat eine Rüsselnase, trägt einen Taucheranzug und kann mit seinen blauen Punkten Wünsche erfüllen: Das Sams. Auch heute noch kann ich herzhaft über Eine Woche voller Samstage von Paul Maar und alle Fortsetzungen lachen. Das Sams ist frech, laut und schlagfertig und hat für jede Situation einen passenden Reim parat - die ich bis heute auswendig kann und zum Missfallen meines Umfelds in ebenso passenden Situationen wie das Sams zum Besten gebe. Die Bücher stecken voller cleverer Wortspiele. Und wer als Erwachsener noch einmal genau hinsieht, erkennt dass in den Büchern viel mehr steckt als bloßer Unfug. Zum Beispiel diese Lebensweisheit: "Will man was ganz stark und fest, geht's auch ohne Wunschmaschine. Selbst ein Schwein lernt Violine, wenn es nur nicht locker lässt".

Volontär Alexander Roths Held der Kindheit ist ein übergewichtiger, leicht trotteliger Bär: "Mein Lieblingsbuch: Pu der Bär von A.A. Milne in der (einzig wahren) Übersetzung von Hary Rowohlt. Pu der Bär hat ein Herz für Außenseiter. Ein übergewichtiger, trotteliger, nicht-gar-so-kluger Bär stolpert auf der Suche nach der nächsten Mahlzeit durchs Unterholz. Zu seinem Freundeskreis zählen: Ein phobisches Ferkel, ein schwer depressiver Esel, eine lispelnde Eule und ein hyperaktiver Tiger. Sie wissen meistens nicht, was sie tun. Sie überspielen ihr Unwissen, ihre Angst, ihre Defizite, damit die anderen nicht schlecht von ihnen denken. Sprich: Sie sind so menschlich wie nur irgendwas. Es gibt nur zwei Gründe, dass das auf Dauer nicht in die Hose geht: Grenzenlose Fantasie und tiefe, tiefe Freundschaft. Geht mir also weg mit all den Helden und ihren ach-so-glorreichen-Abenteuern, ich habe eine Expotition zum Ostpohl zu planen!"

Lokalredakteurin Christiane Widman hat ebenfalls ein Herz für resolute Figuren: "Ich habe als Kind viele tolle Bücher gelesen, aber mein absolutes Lieblingsbuch ist und bleibt  "Die Drachenprinzessin" von Patricia C. Wrede.  Hauptfigur ist Prinzessin Cimorene, eine patente junge Frau, die sich weigert, sich in die klischeehafte Rolle der perfekten Prinzessin zu fügen. Sie lernt zu fechten, zu zaubern, lässt sich Latein beibringen - alles Dinge, die ihre Eltern für ausgesprochen unziemlich halten. Als sie an einen dödeligen Prinzen verheiratet werden soll, packt sie kurzerhand ihre Sachen, marschiert zur Heimstatt der Drachen und stellt sich dort als "entführte" Königstochter zur Verfügung. Dort wird sie schnell zur rechten Hand der Drachendame Kazul - und hilft, ein Komplott hinterhältiger Zauberer zu durchkreuzen.  Diese starke, kluge, resolute Figur gefällt mir sehr gut. Dazu kommt der ureigenste Erzählstil der Autorin: Sie spielt auf unheimlich komische Weise mit Klischees und schreibt sehr unterhaltsam und spannend. Meine wärmste Empfehlung. "

Redakteur Peter Schwarz aus der Kreisredaktion hat gleich zwei Empfehlungen zu geben: "Erstes Lieblingsbuch: das Pixi-Buch "Das braune Hühnchen und die weite, weite Welt", das mir meine Mutter sicher 50 Mal vorlesen musste. Jahrzehnte später rächten meine Söhne meine Mutter, indem sie mich zwangen, ihnen das Janosch-Büchlein von den drei Räubern Fobrokel, Spobrokel und Der Linke etwa 50 Mal vorzulesen. Zweites Lieblingsbuch: "Der Räuber Fiolito" von Astrid Lindgren mit den tollen Bildern von Rolf Rettich. Räuberbande macht Räuberleiter und bricht in Haus ein, das sich als Puppenhaus entpuppt - die ganze Geschichte ist nämlich ein Traum eines Jungen. Drittes Lieblingsbuch: "Die Abenteuer des starken Wanja" von Otfried Preußler."

Joachim Mogck, Video-Editor in der Online-Redaktion, hat auch zwei Favoriten. "Eigentlich sind ja Kinderbücher gefragt zum Tag des Kinderbuches, aber mir sind keine bedeutenden eingefallen, die mir prägend in Erinnerung geblieben sind. Dafür aber Jugendbücher wie das Schulinternat Burg Schreckenstein von Oliver Hassencamp und die Detektivgeschichten der drei Fragezeichen von Alfred Hitchcock, der für die Reihe seinen Namen gab. Die Bücher habe ich regelrecht verschlungen. Ich war so vertieft in die Bücher, dass ich mich selber auf dem Internat Burg Schreckenstein mit seinem Geheimgängen und gruseligen Folterkammern und Geschichten wähnte und die lustigen Streiche miterlebte. Oder mitfiebern bei den Jung-Detektiven "die drei Fragezeichen", Justus, Bob und Peter, wie sie in ihrer geheimen Zentrale unter einem Schrotthaufen rätselhafte Fälle lösen.  Das war so faszinierend, dass ich selber versucht habe als Privatdetektiv zu starten in meiner Jugendzeit. Ach ja, da komme ich heute noch ins Träumen."

Dass auch Fotografen lesen, beweist Gabriel Habermann. Sein Lieblingsbuch als Kind war "Frederick" und auch heute noch rennt er duch Wald und Flur und sammelt Farben und Sonnenstrahlen ein. Symbolisch durch seine Fotos in unserer Zeitung. 

Online-Chefin Christine Tantschinez liest heute ihrem Sohn viele Bücher vor, für ihr eigenes Lieblingsbuch ist er allerdings noch etwas zu klein. "Die Brüder Löwenherz von Astrid Lindgren ist mein absolutes Herz-Buch. Für mich die erste literarische Erfahrung mit dem Tod. Gleichzeitig ist es ein Buch über Hoffnung, Liebe und Tapferkeit. Nie zuvor habe ich soviel geweint und vor Freude gelacht wie mit diesem Buch. Der schwache kleine Krümel und sein starker schöner Bruder Jonathan sind so unterschiedlich, und doch bilden sie eine Einheit, in der einer für den anderen sogar die Angst vor dem Tod überwindet."

Der Leiter der Kreisredaktion, Martin Winterling: "Ich werde nie Fridolin, der freche Dachs, von Hans Fallada, vergessen. Fridolin ist das jüngste Kind in einer Dachsfamilie, aber die Mutter kann nur bis zwei zählen. Sie zählt dann immer: Ein, zwei, viele! Daran erinnere ich mich immer. Und Fridolin erlebt unzählige Abenteuer. Und natürlich darf mein Lieblingskinderbuch als Vater nicht fehlen:
"Karlssohn vom Dach" von Astrid Lindgren mit dem ultimativen Satz dieses impertinenten, unverschämten und nichtsnutzigen Kerls mit dem Propeller am Rücken: "Das stört keinen großen Geist!" Dass einem ebenso selbstmitleidigen wie rücksichtslosen Flegel wie Karlssohn so viel Sympathie entgegenschlägt, erklärt übrigens vieles auf dieser Welt... Zum Beispiel dass Leute wie Trump, Erdogan oder Orban gewählt werden.

Andreas Kölbl, Redakteur in der Lokalredaktion Waiblingen, hat selber in seiner Kindheit "eher weniger gelesen" (er gibt zu, er war zu faul), liest aber heute seinen Kindern gerne vor. "Lägerle bauen, im Bach herumstapfen, mit dem Klapp-Rad die Welt entdecken, eine "Bande" sein: Das war schon zu meiner Zeit in den Siebzigern die Definition von Abenteuer. Auch wenn der Bach bei Carolin Jeldens "Hügelflitzern", erschienen 2018,  ausgetrocknet ist - die Mischung funktioniert immer noch. Vorausgesetzt, die Eltern lassen ihren Helikopter in der Garage. Ricky Rasenrakete und ihre Freunde sind herrlich unbeaufsichtigt, schmieden einen Geheimbund mit einer vermeintlichen Hexe, bauen Seifenkisten und Brennnessel-Fallen, versinken im Schlamm. Zum Glücklichsein brauchen sie kein Bullerbü-Idyll und keinen Feenwald. Sie wohnen in stinknormalen Mehrfamilienhäusern, ihr Revier besteht aus einem Park und den Straßen drumherum. Ohne Ganztags-Pädagogik erfahren sie sich als selbstwirksam und lernen, was Freundschaft und Fairness bedeuten. Ein spannendes Vorlesebuch für Kinder ab fünf (meine große Tochter liebt es), das Lust macht zum Draußenspielen. "      

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