Interview Mimi Kraus vor dem Derby gegen seinen Ex-Club

Micheal (Mimi) Kraus. Foto: Ralph Steinemann Pressefoto

Vor vier Wochen trug Michael Kraus noch das TVB-Trikot, nun soll er Bietigheim vor dem Abstieg retten. Unser Redaktionsmitglied Thomas Wagner unterhielt sich mit dem 35-Jährigen vor dem Spiel gegen seinen Ex-Club.

Herr Kraus, die wichtigste Frage vorneweg: Was macht Ihre Verletzung? Müssen die Bietigheimer Fans um Ihren Einsatz im Derby am Sonntag bangen?

Nein, ich bin fit und voll im Training. Dass ich im letzten Spiel in Berlin gefehlt habe, war nur eine Vorsichtsmaßnahme. Das Knie war stark geprellt, es hatte sich ein Bluterguss gebildet. Es war aber kein Band oder sonst etwas beschädigt.

Ihr Wechsel vom TVB nach Bietigheim hat für einigen Wirbel gesorgt. Zu viel nach Ihrem Geschmack oder hatten Sie damit gerechnet?

Ich bin ja nicht neu in der Bundesliga und habe, ehrlich gesagt, schon damit gerechnet, dass mein Wechsel Wellen schlagen wird. Obwohl Bietigheim viel von mir weggehalten hat, war die erste Woche schon sehr hektisch. Und natürlich hätte ich mir gewünscht, dass wir vor dem Melsungen-Spiel mehr Zeit gehabt hätten. Ich hatte ja keine einzige Einheit mit der Mannschaft. Inzwischen hat sich alles beruhigt und ich fühle mich sehr wohl hier.

Die Bietigheimer haben mit Ihrer Verpflichtung neue Hoffnung geschöpft im Abstiegskampf. Und Ihre Mitspieler scheinen in Ihrem Windschatten noch ein paar Prozent mehr Leistung herauszukitzeln. Wie ist das zu erklären?

Nach der langen Negativserie war schon eine gewisse Verunsicherung zu spüren. Das ist ganz normal, das kannte ich ja auch aus meiner Zeit in Stuttgart. Wichtig war, dass wir uns mit einem guten Spiel da rausziehen. Und das ist uns mit dem souveränen Sieg gegen die Eulen gelungen. Die Jungs können ja alle Handball spielen.

Ein Punkt trennt die SG vom VfL Gummersbach und damit vom Nichtabstiegsplatz. Die Gummersbacher haben jetzt ihren Trainer entlassen und versuchen, einen neuen Impuls zu setzen. Was spricht im Abstiegskampf dennoch für die SG?

Die Stimmung in der Mannschaft ist gut, wir glauben daran, dass wir’s schaffen können. Ich denke auch, dass unser Spielplan in Ordnung ist. Es bringt aber nichts, sich mit allen möglichen Eventualitäten auseinanderzusetzen und auf andere zu schauen. Wir haben genug mit uns zu tun. Wir müssen jetzt unsere Energie bündeln und in jedem Spiel alles raushauen. Wir wissen aber natürlich auch, dass es sehr schwer wird und dass alles passen muss.

Am Sonntag steht das Derby gegen den TVB an, dessen Trikot Sie vor vier Wochen noch getragen haben. Hand aufs Herz: Beschleicht Sie da nicht ein komisches Gefühl?

Zunächst ist es ein echtes Derby, die Hallen liegen nur 20 Kilometer voneinander entfernt. Es wird ein sehr interessantes Spiel in einer ausverkauften Halle. Aber natürlich ist es diesmal eine spezielle Situation. Klar, ich kenne den TVB und der TVB kennt mich. Trotzdem sollte man im Derby nicht zu viel an meiner Person festmachen.

Für wen ist es eher ein Vorteil, dass sich beide Partien sehr gut kennen?

Ach, ich glaube nicht mal, dass es für ein Team ein Vorteil ist. Sicherlich werde ich unserem Trainer ein paar Hinweise geben, was der TVB so vorhat. Ich denke, das ist legitim. Ich glaube im Übrigen nicht, dass Stuttgart ein besonderes Augenmerk auf mich richten wird. Der TVB wird versuchen, eine gute Abwehr zu stellen. Er wird das Derby gewinnen wollen, genau wie wir. Gelingt uns das nicht, heißt es: Mund abwischen und weiterkämpfen. Für uns ist ab sofort jedes Spiel ein Endspiel.

Bei einem Sieg der SG und der gleichzeitigen Niederlage des VfL Gummersbach kletterte Bietigheim auf einen Nichtabstiegsplatz. Könnte das für einen weiteren Schub im Abstiegskampf sorgen?

Auf jeden Fall. Aber noch mal: Ich gehe nicht davon aus, dass der TVB uns etwas schenken wird. Andererseits: Vielleicht möchte er in der nächsten Saison lieber die paar Kilometer nach Bietigheim fahren als nach Gummersbach (lacht).

Bleibt das Abstiegsrennen eng, könnte es am letzten Spieltag zum großen Showdown kommen, wenn die SG die Gummersbacher erwartet. Welche Schlagzeile nach der Partie würde Ihnen gefallen?

Zum Beispiel diese: „Endspiele liegen Bietigheim, die SG bleibt in der Liga“.

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