Investoren aus Fernost Wie ein Mittelständler die Chinesen loswurde

Zimmermann-Alleingesellschafter Rudolf Gänzle vor Mehrachsen-Fräs-Roboter. Foto: Firmenfoto

Wie zuletzt bei Putzmeister oder Emag steigen immer wieder chinesische Investoren bei heimischen Technologiefirmen und Maschinenbauern ein. Das muss nicht immer gutgehen, wie ein Beispiel aus der Region zeigt.

Wenn Rudolf Gänzle über ­China redet, dann schlagen zwei Herzen in ihm. Da ist zum einen der Rudolf Gänzle, der den Aufstieg Chinas zur Wirtschaftsnation bewundert, der Dutzende Male ins Reich der Mitte gereist ist und der über Verwandte und Bekannte einen guten Draht zu den Menschen dort und ihren Nöten hat. Da ist aber auch jener Rudolf Gänzle, den China einer Vision beraubt hat – der Vorstellung nämlich, dass wirtschaftliche Zusammenarbeit über kulturelle Grenzen und über Tausende Kilometer hinweg immer allen Vorteile ­bringen kann, sofern sie nur gut geplant ist.

Seit Jahren mühte sich der Mittelständler, im China-Geschäft den Durchbruch zu schaffen

Der 61-Jährige ist Chef und Eigner des Denkendorfer Fräsen-Spezialisten Zimmermann, und vor knapp zehn Jahren stand er vor einer der wichtigsten Entscheidungen der Firmengeschichte. Die chinesische ­Dalian Machine Tool Group (DMTG), einer der größten Werkzeugmaschinenbaukonzerne Chinas, klopfte bei Zimmermann, dem kleinen Mittelständler aus dem Stuttgarter Speckgürtel, an. Im Gepäck hatten die Emissäre aus Fernost ein verlockendes Angebot: frisches Kapital, Zugang zum riesigen chinesischen Absatzmarkt inklusive Kontakte bis in die Top-Etagen der politischen Führung im Tausch gegen einen ­Mehrheits-Anteil an Zimmermann.

Gänzle, der das Unternehmen damals als Alleingesellschafter führte, kam ins Grübeln. Seit Jahren mühte sich der Mittelständler, im China-Geschäft den Durchbruch zu schaffen. Mit großen High-Tech-Fräsen für die Flugzeugindustrie hatte man Produkte im Programm, die auf den schnell wachsenden chinesischen Bedarf quasi maßgeschneidert waren. Obwohl die Nachfrage anzog, bremsten allerlei bürokratische Hürden, Zollvorschriften und die schiere Größe des Landes die Geschäfte aus. „Ich habe das Beteiligungsangebot damals sorgfältig geprüft und dann zugestimmt“, sagt Gänzle heute.

DMTG war auch nicht irgendwer. Der 12.000-Mitarbeiter-Konzern galt als Vorreiter der Internationalisierung im chinesischen Werkzeugmaschinenbau. 2002 und 2003 übernahm das Unternehmen mit den Firmen Ingersoll Production Systems und Ingersoll CM Systems zwei hochkarätige US-Konkurrenten. Später versuchte man mit Waldrich Coburg bei einem deutschen Renommier-Betrieb einzusteigen. Bereits Jahre zuvor – 2001 – hatte DMTG ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem Esslinger ­Maschinenbauer Index-Werke gegründet.

2004 stiegen chinesische Investoren bei Zimmermann ein

Anfang Januar 2004 war das Geschäft auch bei Zimmermann perfekt. Mit 70 Prozent stieg DMTG bei den Denkendorfern ein. Gleichzeitig blieb Gänzle Herr übers operative Geschäft, bestimmte laut Gesellschaftervertrag etwa über Produktionstechnologien und Standortpolitik, aber auch über die Grundstücke weiter im Alleingang. In den Verträgen ließ er eine Art Vorkaufsrecht ­verankern, für den Fall, dass einer der beiden Anteilseigner gegen die Interessen des Unternehmens handle. Mit den Millionen von DMTG konnte Gänzle in neue Technik investieren und die Produktionsfläche ­verdoppeln. Alles schien perfekt.

Die Ernüchterung ließ allerdings nicht lange auf sich warten. Zwar gewährten die neuen chinesischen Eigner dem deutschen Maschinenbau-Manager weitgehende Freiheiten, allerdings entwickelten sie die Firma strategisch auch nicht weiter. „Egal ob in Vertrieb, Entwicklung oder Produktion, die Synergien waren gleich null“, sagt Gänzle. Zu Gesellschaftersitzungen nach Deutschland kamen die Chinesen meist nicht, und wenn doch, endeten die Treffen meist unverbindlich. „Die Kommunikation mit den DMTG-Vertretern war eine große Katastrophe“, sagt der Manager. Auch das Neugeschäft im chinesischen Markt stagnierte. Trotz jahrelanger Zusammenarbeit habe der chinesische Konzern Zimmermann „keinen einzigen zusätzlichen Kunden“ in Fernost vermittelt.

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