Jahreswechsel Sekt, Fondue und gute Vorsätze

Mehr Fahrrad fahren im neuen Jahr: einer der guten Vorsätze aus der Redaktion Foto: Pexels

Waiblingen. Die Weihnachtslieder sind gesungen, der Christbaum beginnt zu nadeln. Der Januar steht in den Startlöchern. Für viele beginnt das neue Jahr nicht nur mit Sekt, Fondue und „Dinner for one“, sondern auch mit vielen guten Vorsätzen. Denn im neuen Jahr wollen wir nicht einfach älter werden, sondern möglichst zufriedener, schlanker, gesünder und fitter.

Radfahren. Das fällt mir als erstes ein, wenn ich über meine guten Vorsätze nachdenke. Beschwingt und mit wehenden Haaren (bei gleichzeitig gut sitzender Frisur) sehe ich mich im Sonnenschein in die Redaktion radeln, wo ich fit und fröhlich die Arbeit beginne. Mit einem ökologisch guten Gewissen und in bester körperlicher Verfassung. Natürlich ahne ich: Auch im kommenden Jahr wird es regnen, kalt oder brütend heiß werden und das Radfahren möglicherweise nicht immer so angenehm wie ich es mir gerade ausmale. Vielleicht, ja vielleicht werde ich deshalb wie in den vielen Jahren zuvor nur an wenigen Tagen (dementsprechend untrainiert) und mit lädierter Frisur unterm Helm zur Arbeit strampeln. Geschenkt: Wen interessiert die Realität, wenn er in guten Vorsätzen schwelgt?

Der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert

Vermutlich genau das meint die Lebensweisheit, die Pfarrer Franz Klappenecker bei diesem Thema als erstes einfällt. „Der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert“, zitiert er. Keine Vorsätze, sondern eher persönliche Grundsätze sind es, auf die sich der Pfarrer zur Jahreswende immer wieder rückbesinnt: Zum Beispiel Kleinigkeiten sofort zu erledigen, sich andererseits aber auch nicht von allen möglichen Ansprüchen jagen zu lassen. Vor allem aber ist es ihm wichtig, dankbar zu sein: „Für das, was mir guttut und das Leben leichter macht. Für meine Gesundheit, für gute Kontrakte und Beziehungen im Leben“, zählt er auf. Wobei er im Übrigen davon überzeugt ist: „Wenn man zufrieden ist, braucht man keine großen Vorsätze.“

Damit befindet sich der Pfarrer in guter Gesellschaft mit unserer Volontärin, die mit guten Vorsätzen zu Silvester nichts anfangen kann. „Schöne Vorsätze wie mehr Zeit mit Freunden und Familie zu verbringen und dreimal wöchentlich ins Fitness-Studio klappen doch nur in der ersten Woche“, sagt sie realistisch. Genau darum nehme sie sich nichts vor. Anderen möge das ja ein Ansporn sein, ihre Sache sei das nicht. Und dann fällt ihr doch noch ein kleiner, feiner Neujahrsvorsatz ein: „Nach Silvester erstmal einen schönen Urlaub zu verbringen.“

Grafik: Das nehmen sich die Deutschen für 2019 vor

 

Oberbürgermeister Hesky will mehr Zeit für die Familie

Den mag man ja manchmal auch dem vielbeschäftigten Stadtchef Andreas Hesky wünschen, wenn der spätabends noch im Rathaus sitzt und arbeitet. „Auf die Gesundheit achten, mehr Zeit für die Familie haben, bewusster leben, all das sollte man tun“, weiß der Oberbürgermeister durchaus. Doch weil er eigenen Angaben zufolge eben auch richtig gerne arbeitet, startet er bei seinen Vorsätzen mit einer guten Portion Realitätssinn ins neue Jahr. Schlimm findet er es nämlich, wenn die Vorsätze so weit gesteckt sind, dass sie zum Schluss nur noch für (mehr) Stress und ein schlechtes Gewissen sorgen. „Man muss zufrieden sein“, findet Hesky. „Sich fokussieren und beschränken.“ Manches könne man in der Lebensmitte nicht mehr erreichen, immer aber ein Stück weit eine positive Lebensbilanz ziehen. Mit mehr oder weniger strengen Absichtserklärungen kann der Oberbürgermeister wenig anfangen: „Man darf das nicht übertreiben. Das Wichtigste ist doch, sich selber wohl zu fühlen.“

Guter Vorsatz: Planen schadet nicht 

Eine, die sich wohl mit ihren Vorsätzen fühlt, ist die Kollegin am Schreibtisch zur rechten. Seit einigen Jahren notiert sie auf einer Magnettafel jedes Jahr ein halbes Dutzend Vorsätze – manche zum wiederholten Mal, andere neu. Ein Neuer wird fürs kommende Jahr etwa so lauten: Planen schadet nicht. „Ich bin gerne flexibel – aber an später Planung ist auch so manche Reiseidee gescheitert“, bekennt sie. Also dieses Jahr: Mehr Vorausplanung! Ein weiterer guter Vorsatz lautet „Get in touch“. Will heißen: In einer digitalisierten Welt und vor Dienstleistungen strotzenden Gesellschaft sucht sie mehr Bodenfühlung. So will sie mehr selbst gepflanztes Gemüse auf den Tisch bringen und mehr analogen Kontakt pflegen. Mehr telefonieren möchte sie, Postkarten schreiben. Wie früher: „WhatsApp, Telegram und Co. sind bequeme und gewohnte Kommunikationsmittel, aber es bleibt bei aller Dauer-Verfügbarkeit viel auf der Strecke“, findet sie. „Situationskomik, wild wuchernde Gesprächslinien, handfeste Erinnerungsstücke.“

Vorsatz. Einen Gang runterschalten

Von manchen Erinnerungsstücken hat sich unsere Kollegin am Schreibtisch gegenüber gerade getrennt. Sie befindet sich mitten im Umzug und nutzt die Zeit, um ihre Schränke kritisch durchzugehen und ungeliebte Klamotten auszusortieren. Tassen ohne Henkel hat sie bereits entsorgt. Sinnlos gewordene Dekoartikel, Vasen und Nippes landeten auf dem Sperrmüll. Abspecken und leichter leben, lautet ihr Motto für 2019. Und das beileibe nicht nur bei Gegenständen. „Ich möchte auch bei meinen Projekten abspecken, bewusster werden, mir Zeit für das nehmen, was Priorität hat.“ Daraus zu achten, was einem guttut, müsse man schon selber erledigen, findet sie. Und dafür sei die beste Zeit am Ende des Jahres. „Das ist für mich die Zeit der Rückschau und Vorausschau. Was ist passiert, was könnte ich besser machen.“ Eins hat sie sich fest vorgenommen: Im kommenden Jahr einen Gang runterzuschalten.

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