Jubiläums-Wochenende in Remshalden Der CVJM Grunbach wird 125 Jahre alt

Von links: Der CVJM-Vorsitzende Gottfried Rommel, eine der ersten weiblichen CVJMlerinnen Johanna Läpple, die langjährigen Mitglieder Wolfgang Wagner und Martin Rommel sowie der „Nachwuchs“ in Gestalt von Luca Sigle und Lena Köhler vor dem CVJM-Haus in Grunbach. Foto: Ralph Steinemann

Remshalden. Raum für Neues schaffen, Traditionen bewahren und viel Beziehungsarbeit – das ist nach Meinung der Mitglieder das Erfolgsgeheimnis des Grunbacher CVJM. Langjährige und junge Mitglieder blicken zurück auf eine lange Vereinsgeschichte.

„Ich habe erlebt, dass in christlichen Jugendgruppen jeder aufgenommen wird, wie er kommt“, erzählt der 19-jährige Luca Sigle. Er ist ein Ururenkel des Grunbacher CVJM-Gründers Simeon Fischer, außerdem aktiv im Jugendgottesdienst und im Leitungsteam der Trainee-Kurse, die der Verein anbietet. Dass junge Menschen in dem Verein nicht ausgeschlossen werden, wie sonst zum Beispiel manchmal in der Schule, ist für Luca Sigle einer der größten Vorteile der Organisation. Bevor er sich im Leitungs-Team engagierte, nahm Luca Sigle selbst an einem der Trainee-Kurse des CVJM teil, nun plant er, hauptamtlich in die Jugendarbeit zu gehen.

„Im CVJM lernen junge Menschen, Verantwortung zu übernehmen“

Für den CVJM-Vorsitzenden Gottfried Rommel ist der Werdegang des jungen Mannes keine Überraschung. „In der Geschichte des Vereins gab es viele Leute, die sich durch den CVJM beruflich weiterentwickelt haben“, sagt er. Ehemals oder immer noch Aktive studierten Theologie, sind in die Jugend- oder Ausbildungsarbeit abgewandert oder bekleiden politische Ämter.

Im CVJM lernen junge Menschen, Verantwortung zu übernehmen, meint der Vorsitzende. Seit Jahrzehnten: „Ich habe als junger Mensch im CVJM immer wieder erlebt, dass die älteren Mitglieder zu mir gesagt haben: Gottfried, das kannst du“, berichtet Gottfried Rommel. „Sie haben mir viel zugetraut.“ Als Vorsitzender ist es dem Christen deshalb besonders wichtig, dass die Jugendgruppen im Verein eigenverantwortlich arbeiten können, nicht „in ein Korsett gestopft“ werden.

„Die Wertegemeinschaft wird weitergeführt“

Martin Rommel, Jahrgang 1932 und seit seiner Kindheit im Verein aktiv, findet es wichtig, dass der Verein mit der Zeit geht. „Wir haben immer geschaut, dass wir modern sind“, sagt er. Auch wenn das in seiner Jugend etwas anderes bedeutet hat als heute. Über die Geschichte des Vereins kann er viel erzählen. Zum Beispiel, wie es die Mitglieder früher schon gewagt haben, ihre Hosen abzuschneiden, obwohl das entgegen der damaligen Moralvorstellung der älteren Generation ging. „Es gab immer die Freiheit, dass die Älteren zu den Jüngeren gesagt haben, probiert es doch einfach mal aus“, sagt Gottfried Rommel. Er ist der Meinung, der Verein bestehe deshalb schon so lange, weil er Neues zulasse.

Mitglied Jürgen Seibold findet aber auch die Traditionen des CVJM wichtig. „Die Ausfahrt der Jungenschaft findet seit 60 Jahren statt“, nennt er ein Beispiel. Das Pfeifferlesfest mit Pfeifferleskabarett ebenso schon seit Jahrzehnten. „Die Wertegemeinschaft wird weitergeführt“, so Seibold, der seit 34 Jahren beim Kabarett mitmacht. Er beschreibt den CVJM als „offenen Willkommensverein“.

Im Jahr 1973 beschloss der Verein, auch Frauen aufzunehmen

Als Johanna Läpple 1969 nach Grunbach kam, hatte sie noch nie vom CVJM gehört. „Damals waren nur Männer im Verein“, erzählt sie. Ihr späterer Ehemann sei so mutig gewesen, sie einfach zu einem Treffen mitzunehmen. „Es gab schon Widerstand“, erinnert sie sich. „Aber wir haben gesagt, die Zeit ist jetzt einfach reif.“ Im Jahr 1973 beschloss der Verein, auch Frauen aufzunehmen. Johanna Läpple war eine der vier Frauen, die damals in den Leitungskreis gewählt wurden. „Ich habe es so empfunden, dass die Gleichstellung die Tür zur Familienarbeit geöffnet hat“, sagt sie.

Wichtig für das Selbstverständnis des Vereins ist seit seinen Gründungszeiten auch das Sport- und Musikangebot für junge Menschen. Im Jahr 1934 wurde nach Informationen von Gottfried Rommel von offizieller Stelle beklagt, „dass in der Jungschar mehr Buben sind als in der Hitlerjugend“. Die CVJM-Arbeit wurde von der örtlichen NS-Führung genau beobachtet.

Der Besitz von Vereinshaus und Sportplatz ermöglichte aber eine Fortsetzung der christlichen Arbeit, weil die Vereinsaktivitäten auf Privatgelände stattfanden. „Als einmal ein Waldgeländespiel angesetzt war, bekam die NSDAP-Ortsführung das mit,“ erzählt Gottfried Rommel. „Die Jungscharleiter fragten dann herum, wessen Vater ein Waldgrundstück hat, und boten die Veranstaltung im Privatwald an.“

Wolfgang Wagner hat fast die Hälfte der 125 Jahre Vereinsgeschichte miterlebt. Verändert habe sich die Arbeit des Vereins über die vielen Jahre eigentlich nicht, findet er. Seine Aufgabe, junge Menschen zu Jesus hinzuführen, sei gleich geblieben, aber die Konkurrenz der anderen Vereine, die junge Menschen für sich gewinnen könnten, sei größer als früher.

„Wir können uns nicht beklagen“

Lena Köhler, die für den Jugendgottesdienst „mfg“ mitverantwortlich ist, versucht mit neuen Angeboten, junge Menschen für den CVJM zu begeistern. Moderner, kreativer und mit Themen, die Jugendliche beschäftigen: „Wir haben es uns zum Ziel gesetzt, den Gottesdienst für junge Leute ansprechend zu gestalten“, sagt die Mittzwanzigerin. „Er findet nicht immer klassisch in der Kirche statt, sondern auch mal im Feuerwehrhaus oder im Freibad.“

„Wir können uns nicht beklagen“, meint Gottfried Rommel auf die Frage nach den Mitgliederzahlen des Vereins. „Es geht immer wieder auf und ab, aber allgemein gesehen geht es uns ganz gut.“


Jubiläums-Wochenende mit Programm

Bereits vor zwei Jahren hat ein Leitungskreis angefangen, die 125-Jahr-Feier des Vereins zu planen. Entstanden sind zwei Tage Pfeifferlesfest im Festzelt auf dem Pfeifferle mit folgendem Programm.

Der Samstag, 21. September, startet um 15.30 Uhr mit einem Mitmach-Konzert: Mike Müllerbauers „Miteinander packen wir’s!“ kostet für Kinder bis 14 Jahre fünf Euro, für Erwachsene zwölf Euro (ermäßigt zehn Euro) und für Familien 20 Euro.

Die „Kirk Smith und Schmittini Show“ bietet Soulgesang und Täuschungskünste. Die Eintrittspreise sind dieselben wie beim vorherigen Programmpunkt.

Ab 23 Uhr spielt am Samstag bei freiem Eintritt der DJ „Pastor’s Son“.

Der Sonntag beginnt um 11 Uhr mit einem Gottesdienst für alle Generationen mit einer Predigt von Andreas Malessa.

Ab 14 Uhr bieten verschiedene Gruppen ein Bühnenprogramm, um 17 Uhr tritt das Pfeifferleskabarett mit einem „lokal-regional-globalen Jahresrückblick“ auf.

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