Kärcher in Winnenden Dieser Gabelstapler braucht keinen Fahrer

Der autonome Gabelstapler holt fertige Scheuersaugmaschinen ab und bringt sie in die Versandabteilung. Foto: ZVW/Alexandra Palmizi

Winnenden. Als Gabelstaplerfahrer hat man es in einer großen Produktionshalle nicht leicht: Mitarbeiter flitzen umher, an einem Rolltor werden Teile angeliefert, Kartons und Kisten versperren den Weg. Im Winnender Kärcherwerk für Scheuersaugmaschinen hingegen fährt der Gabelstapler wie von Geisterhand: völlig autonom und ohne menschliche Hilfe.

Ist eine Scheuersaugmaschine fertig montiert und zur Auslieferung bereit, stellt ein Mitarbeiter sie auf eine markierte Fläche im Werk, die wie ein Parkplatz aussieht. „Oberhalb des Abstellplatzes sind Lichtschranken angebracht“, erzählt Werksleiter Carsten Schlenker. „Steht eine fertige Maschine auf dem Platz, bekommt das Fahrerlose Transportsystem (FTS) dies über die Lichtschranke mit und fährt völlig automatisch los. Der Gabelstapler holt das Gerät ab und bringt es zu den Verantwortlichen für den Versand.“

Über vier Millionen Euro für die Modernisierung des Werks

Reflektoren innerhalb der Produktionshalle weisen dem autonomen Gabelstapler seinen Weg. Sie zeigen ihm, in welchem Gang er fahren darf und wo er besser fernbleiben sollte. „Im Zuge der Modernisierung unseres Werks im Frühjahr haben wir Wege für das FTS geschaffen“, sagt Carsten Schlenker.

Seit dem vergangenen Jahr hat der Reinigungsgerätehersteller Kärcher insgesamt 2,4 Millionen Euro in die Modernisierung investiert. Weitere 2,2 Millionen sollen bis Ende 2020 folgen. Ein Teil des Geldes floss in den autonomen Gabelstapler.

Geht’s im Werk einfach geradeaus, fährt das FTS einen ziemlich heißen Reifen. Kurven erkennt das System rechtzeitig und bremst kurz zuvor ab. Ein Mensch könnte den Stapler nicht besser lenken. „Ist eines unserer seitlichen Rolltore geöffnet, bleibt das FTS stehen. Schließlich könnte Querungsverkehr kommen“, sagt Schlenker.

Vor einigen Tagen konnte der autonome Gabelstapler aus diesem Grund für einige Zeit gar nicht mehr fahren: Ein Rolltor ging nicht mehr zu. Folglich ging das FTS davon aus, dass jemand den Weg quert, und blieb stehen. „Meist liest oder hört man, dass alles einwandfrei funktioniert. In einfachen Umgebungen mag das auch so sein. In einer Fabrikhalle ist es aber eben schwieriger. Wir nähern uns mit kleinen Schritten an eine optimale Funktionsweise an“, so der Werksleiter.

Gab es mit dem System schon einen Unfall?

Gerät ein Mensch oder ein Hindernis in die Fahrbahn des Gabelstaplers, bleibt er sofort stehen. „Das Ding ist voll mit Sensoren“, sagt Schlenker. Ist das FTS in Bewegung, gibt es akustische Signale von sich, die man von rückwärtsfahrenden Lkw kennt. Zusätzlich leuchtet ein bläulicher Laser in Fahrtrichtung, einige Meter vor dem Stapler. „Dieses optische Signal wird am besten wahrgenommen“, sagt Schlenker.

Zu einem Unfall im Kärcherwerk kam es seit der Anschaffung im Frühjahr noch nicht. „Das System ist sehr sicher“, sagt der Werksleiter. „Ich würde sogar sagen, dass das FTS deutlich zuverlässiger als der Mensch ist.“

"Das Zusammenspiel aus Mensch und Technik muss gewährleistet sein"

Im Moment kümmert sich der autonome Gabelstapler nur um fertige Maschinen. Doch die Kärcher-Verantwortlichen denken schon daran, wie das System die tägliche Arbeit zusätzlich erleichtern kann. „Vielleicht kann das FTS in Zukunft auf dem Rückweg noch Bauteile vom zentralen Lagerplatz an bestimmte Stellen transportieren“, sagt Carsten Schlenker.

„Wichtig ist aber, dass das Ganze auch Sinn macht. Wir schauen uns genau an, wo die menschliche Arbeit erleichtert werden kann. Das Zusammenspiel aus Mensch und Technik muss gewährleistet sein.“


Winnender Produktion komplett modernisiert

Kärcher hat die Produktionslinie für Bodenköpfe von Scheuersaugmaschinen in Winnenden komplett umgebaut.

„Durch die Modernisierungen haben wir die Effizienz und Wirtschaftlichkeit im Werk deutlich erhöht und ein Kompetenzzentrum für Bodenreinigung innerhalb der Kärcher-Gruppe geschaffen“, sagt Hartmut Jenner, Vorstandsvorsitzender der Alfred Kärcher SE & Co KG.

Die Modernisierung geht weiter. 4,6 Millionen Euro will die Firma von 2018 bis 2020 in ihre Winnender Produktion investieren.

Zurzeit sind neue Montagelinien zur Fertigung von Bodenreinigungsmaschinen im Aufbau. Sie gehen laut Pressesprecher Eberhard Wein Ende des Jahres in Betrieb.

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