Kaisersbach Geldautomat im Schwaben Park gesprengt

Kaisersbach. Der erst vor ein paar Wochen installierte Geldautomat im Schwaben Park ist gesprengt worden. Die Explosion in der Nacht auf Samstag hat für Zerstörung und Schrecken gesorgt. An das Geld kamen die Täter jedoch nicht. Selbst wenn ihnen dies gelungen wäre, hätte eine Farbpatrone in der Tresor-Kassette die Scheine sowieso unbrauchbar gemacht.

Ein lauter Knall in der Nacht auf Samstag hat im Schwabenpark nicht nur die Geschäftsführer-Familie Hudelmaier aus den Betten geworfen, sondern auch die Schimpansen, Ziegen und Papageien in den anliegenden Gehegen sehr verschreckt, sagt Schwaben-Park-Sprecher Marcel Bender. Die Zerstörungskraft des per Zünder entflammten, vorher in den Automaten geleiteten Gases war enorm. Nicht nur der Geldautomat, sondern auch der daneben aufgestellte Getränkeautomat wurden zerstört. Und auch der Pavillon, in dem sich die Automaten befanden, wurde in Mitleidenschaft gezogen. Trümmerteile schleuderten durch die Luft und wurden später in einem 20-Meter-Umkreis des Pavillons gefunden. Vereinzelt fielen Dachziegel von den umliegenden Gebäuden. Der Schaden wird auf mindestens 20 000 Euro geschätzt.

Eine kriminelle, gemeingefährliche und sinnlose Aktion. „Der Tresor im Innern eines Geldautomaten ist noch mal besonders geschützt. Außerdem sind diese Automaten heutzutage doch alle sowieso mit speziellen Farbpatronen bestückt, die bei Gewalteinwirkung, das Geld einfärben und damit unbrauchbar machen. Die Farbe kriegt man übrigens auch kaum mehr von der Haut abgewaschen“, so Bender. Das Geld in der Tresorkassette des Automaten im Schwaben Park habe zudem schon die Hitzeeinwirkung durch die Explosion erst gar nicht überstanden.

Eine Gasflasche und Reste des Zünders (eine Streichholzschachtel mit Drähten) habe die Polizei am Tatort gefunden. „Die Explosion war so heftig, wenn die Täter in der Nähe gewesen sind, haben sie sich sicherlich verletzt. Von ihnen fehlt aber bislang jede Spur. Warten wir mal ab, was auch die Auswertung der Aufnahmen der Überwachungskameras ergeben.“

Die Kripo Waiblingen hat die Ermittlungen zu der Tat übernommen und bittet zur Klärung um sachdienliche Hinweise. Möglicherweise haben Passanten einen Knall in der Nacht wahrgenommen oder verdächtigte Fahrzeuge zur relevanten Zeit beim, von oder zum Tatort gesehen. Jegliche Wahrnehmung im dortigen Bereich könnte von Relevanz sein. Möglicherweise sind auch Personen bekannt, die entsprechende frische Verletzungen haben. Solche Erkenntnisse sollten bitte umgehend der Kripo unter der Tefonnummer 07151/9500 mitgeteilt werden.

„Der Geldautomat ist erst vor zwei, drei Wochen aufgestellt worden“, sagt Bender. „Die Internetverbindung hier oben auf dem Welzheimer Wald ist nicht sonderlich gut. Deshalb ist eine Bezahlung mit EC-Karte auch nur begrenzt möglich beziehungsweise erstrebenswert, weil’s einfach zu lange dauert. An der Kasse und im Restaurant geht’s gerade noch so. Deshalb haben wir den Geldautomat aufgestellt, damit die Gäste Zugriff auf Bargeld haben.“

Der Betreiber bekam eine Fehlermeldung

Am Sonntag und Montag war trotzdem so gut wie „Business as usual“ im Schwaben Park. „Nur einige Gäste haben sich beschwert, dass sie während der Spurensicherung nicht an die Schließfächer im Pavillon konnten, um ihr Gepäck, ihre Rucksäcke ablegen konnten“, sagt Bender.

„Und am Samstag war ein Servicemitarbeiter der Geldautomaten-Betreiberfirma Euronet da. Die hatten eine Fehlermeldung bekommen, dass an unserem Automaten eine Störung vorliege. Aber der sah ja dann vor Ort, dass da nichts mehr zu machen ist“, so Bender.

Ein neuer Geldautomat soll nun bis Ende der Woche angeliefert werden. „Den versuchen wir dann woanders aufzustellen. Die Reparaturarbeiten am Pavillon dauern wohl noch etwas länger. Auch die Versicherungen müssen vor Ort noch Bestandsaufnahmen machen.“


Automaten-Sprengungen: Serie seit 2016

Im Rems-Murr-Kreis ist Anfang November 2016 schon mal ein Geldautomat traktiert worden. Damals haben Panzerknacker versucht, jenen der Raiffeisenbank Vordersteinenberg gewaltsam zu öffnen. Der Versuch scheiterte. Zunächst hatte es nach einer versuchten Sprengung ausgeschaut. Doch bald ging die Kripo davon aus, dass es sich um einen mechanischen Versuch handelte, den Automaten zu knacken. Nachdem der Täter mit brachialer Gewalt nichts erreicht hatte, schüttete er eine unbekannte Substanz aus. Aufgrund des Geruchs vermutete die Kripo zunächst, dass es sich um eine versuchte Sprengung gehandelt haben könnte.

In Baden-Württemberg ist ein schon Jahre zuvor bundesweit begonnener krimineller Trend von gewaltsamen Geldautomaten-Aufbrüchen im Jahr 2016 „angekommen.“ Laut LKA gab es 2015 gerade einmal zwei Automaten-Sprengungen im Ländle, 2016 verzeichnete man 22 Fälle (davon 18 Versuche), 2017 ganze 18 Fälle (davon acht Versuche) und 2018 bis dato bereits neun Fälle (davon acht Versuche).

Laut LKA schützen leider nicht alle Banken und Automatenbetreiber ihre Geldautomaten mit Farbpatronen, die das Geld unbrauchbar machen, oder mit ähnlichen Maßnahmen, und Automatensprengungen bleiben deshalb für Kriminelle weiterhin lukrativ. Allerdings entsteht durch Explosionen auch starke Hitze, die mitunter das Geld zerstören kann.

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