Kaisersbach Große Feuerwehrübung im Schwaben Park

Mit der Drehleiter der Freiwilligen Feuerwehr Welzheim konnten die Schwabenpark-Besucher aus luftiger Höhe gerettet werden. Foto: ZVW/Alexandra Palmizi

Kaisersbach. Jede Menge Blaulichter am Freitagabend am Schwaben Park. Ist was Schlimmes passiert? Zum Glück nicht. Der Schwaben Park stand im Mittelpunkt der großen Feuerwehrübung der Freiwilligen Feuerwehren im Welzheimer Wald. Übungsannahme: Durch einen Stromausfall mussten mehrere Menschen aus der „Wilden Hilde“, dem Riesenrad und aus der Wildwasserbahn gerettet werden.

Das mit dem Stromausfall ist durchaus realistisch, wie ein Zwischenfall am Anfang August zeigte: Vier Fahrgäste blieben in der Achterbahn „Wilde Hilde“ an der höchsten Stellen stehen. Nach Angaben der Polizei rührte sich das Fahrgeschäft aufgrund eines technischen Defektes nicht mehr vom Fleck.

Den Betreibern, der Familie Hudelmaier, gelang es, zwei Personen mit Hilfe einer Hebebühne nach unten zu bringen. Die beiden anderen Fahrgäste mussten mit der Drehleiter der Feuerwehr aus der misslichen Lage befreit werden. Verletzt wurde bei dem Vorfall niemand. Die Feuerwehren Kaisersbach und Welzheim waren seinerzeit mit insgesamt 19 Mann und vier Fahrzeugen im Einsatz. Die Bürgermeister der beteiligten Ortschaften informierten sich vor Ort.

Am Freitagabend fuhr die Feuerwehr mit rund zwölf Fahrzeugen und 75 Mann vor. Außerdem waren der Rettungsdienst, DRK-Helfer und Polizei vor Ort. Zu Beginn der Übung war es noch taghell, am Ende herrschte finstere Nacht, so dass die Wilde Hilde mit Notstrom ausgeleuchtet werden musste. Ursache des Stromausfalls war ein angenommener Brand eines Trafohäuschens auf dem Schwaben Park-Gelände, der mit künstlichem Nebel simuliert wurde. Ein Teil der Feuerwehr kümmert sich um den Brand, der gelöscht werden musste, die anderen Helfer um die Menschen im kleinen Riesenrad und in der rund 25 Meter hohen „Wilden Hilde“. Insgesamt waren rund 25 Statisten eingesetzt, vier davon in der Wilden Hilfe.

Eine Wiederholung der Übung ist angedacht

Markus Rader, der als Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Kaisersbach die Übung leitete, ist froh, dass die Feuerwehr die Möglichkeit hat, im Schwaben Park zu üben. Park-Chef Thomas Hudelmaier erinnert sich an eine Feuerwehrübung mit der Kaisersbacher Feuerwehr vor rund zwölf Jahren im kleineren Rahmen. Und schon jetzt steht laut Pressesprecher Marcel Bender fest, dass es nochmals eine Übung geben wird, um das Gelernte zu vertiefen.

Für einen Außenstehenden dauert die Rettung der vier Menschen in der „Wilden Hilde“ verhältnismäßig lang. Doch dafür gibt es Gründe: Im Übungsfall werden mehrere Lösungsmöglichkeiten durchgespielt und an der Steuerung der Drehleiter sitzen im Wechsel auch die Stellvertreter, damit jeder mal in Ruhe üben kann.

Ganz zu Beginn der Übung ist „auf die Ordnung des Raumes“ zu achten, wie Kommandant Markus Rader formuliert. Wenn alle Fahrzeuge der Rettungsdienste mehr oder wenig gleichzeitig zufahren und ihre Fahrzeuge irgendwo abstellen, würde alsbald das Chaos ausbrechen und eine Zu- und Abfahrt wäre nicht mehr möglich. Aus diesem Grund dürfen nur die Fahrzeuge zufahren, die tatsächlich aktuell gebraucht werden, die anderen stehen entfernt in Warteposition.

Um 19 Uhr wurde der Alarm ausgelöst, um 19.20 Uhr ist die Drehleiter bei der Wilden Hilde aufgestellt und im Einsatz. Zuerst einmal gilt es, die Gondel zu fixieren. Dazu muss ein Textilband genommen werden, denn die Bahn hat starke Magnete als Bremsen. Mit einem Drahtseil kommen da die Helfer nicht zurecht. Vor der Rettung nehmen die Feuerwehrleute erst mal Kontakt mit den Hilflosen auf. Wie geht es ihnen? Ist ihnen kalt oder warm? Brauchen sie was zu trinken oder wärmende Decken? Ist Panik ausgebrochen?

Rein technisch besteht das Problem, dass die Fahrgäste fest mit einem Bügel gesichert sind und gar nicht aussteigen können. Zum Öffnen der Halterung wird Strom benötigt und der steht wegen des Brandes im Trafohäuschen nicht zur Verfügung. Aber auch auf diesen Fall sind die Verantwortlichen des Schwaben Parks vorbereitet: Es stehen Akkus mit den nötigen Anschlüssen zur Verfügung.

„Es war ein tolles Erlebnis für uns wie auch für die Feuerwehrleute“, zog am Samstag Pressesprecher Marcel Bender Bilanz. Das Gelände ist für die Rettungskräfte schwierig zu befahren, deshalb soll zu einem späteren Zeitpunkt nochmals geübt werden.

Rettungseinsatz auch an der Wildwasserbahn

Parallel zur Rettung an der „Wilden Hilde“ wurden die Menschen aus ein steckengebliebenen Boot der Wildwasserbahn in Sicherheit gebracht. Drei der vier Statisten konnten mit Begleitung und mit Absicherung durch die Feuerwehrleute die Wassertusche am Rand mit Hilfe des vorhandenen Geländers hintersteigen. Dabei ist besondere Vorsicht geboten, weil durch die Nässe der Untergrund rutschig ist. Angenommen wurde, dass ein Fahrgast bewusstlos ist. Die Feuerwehrleute beschwerten deshalb ein Rettungsboot der Wehr mit 80 Kilogramm Gewicht, um es dann mühsam die Wildwasserbahn herunterzulassen.

Einsatz am kleinen Riesenrad wurde abgebrochen

Aus Zeitmangel wurde die Rettung von vier Menschen am Riesenrad abgebrochen. Hier war zunächst vorgesehen, normale Rettungsleitern einzusetzen. Laut Pressespreche Marcel Bender wurde dann vor Ort noch eine andere Lösung gefunden. Wenn aus den Reiberädern die Luft abgelassen wird, kann das Riesenrad von Hand gedreht werden und ist eine Rettung ohne Leiter möglich. Auch das soll dann nochmals geübt werden.


Gute Kommunikation ist alles

Gute Kommunikation ist bei einem Feuerwehr- und Rettungseinsatz alles. Gerade deshalb ist so eine Übung wie am Freitagabend im Schwaben Park in Gmeinweiler so wichtig.

Das fängt zum Beispiel bei der Frage an, wie die Feuerwehrfahrzeuge im Erstfall schnell auf das Gelände gelangen können. Das Haupttor kann nicht nur von den Betreibern des Schwaben Parks elektronisch geöffnet werden, sondern auch von der Feuerwehr über Handy. Die nötigen Daten dafür liegen vor.

Bei so einer Übung lernen sich die Rettungskräfte näher kennen. Die Beteiligten stehen nicht unter dem Druck eines Ernstfalls und können den Einsatz in Ruhe planen und überlegt angehen.

Die Zusammenarbeit zwischen den Rettungskräften und den Notfallhelfern des Schwaben Parks sowie den technischen Mitarbeitern ist das A und O im Ernstfall. Mit jeder Übung wissen die Beteiligten besser, wann, wo und wie sie richtig hinlangen können.

In guten Zeiten wird so ein Park von 3500 bis 4000 Menschen bevölkert. Wie kommen die Besucher im Ernstfall schnell heraus? Parkbetreiber Thomas Hudelmaier verweist auf sechs große Tore an verschiedenen Stellen, die sofort geöffnet werden können.

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