Kaisersbach Kämpfen für die Badeinsel im Ebnisee

Still ruht der Ebnisee – und die Badeinsel ist weg. Foto: Mogck/ZVW

Kaisersbach. Da ist dem Kaisersbacher Gemeinderat aber der Kragen geplatzt. Keine Fortschritte gibt es derzeit bei den Bemühungen der Gemeinde, im Ebnisee wieder eine Badeinsel anzusiedeln, die es dort über viele Jahrzehnte gegeben hat. In einer „Nacht- und Nebel-Aktion“, so Gemeinderat Bernd Basler, sei die Insel von der Forstverwaltung entfernt worden. Und selbst auf Kosten und in der Verantwortung der Gemeinde gibt es nun keine Genehmigung.

Das Thema stand gar nicht auf der Tagesordnung der letzten Gemeinderatssitzung. Vielmehr war es so, dass Bürgermeisterin Katja Müller zu Beginn der Sitzung einen Bericht über aktuelle Themen gab. Im Jahr 2015, bei der Generalsanierung des Sees, war die Badeinsel aus Holz entfernt worden, weil sie alt und marode war. Weil die Besucher des Badesees immer wieder nach der Insel fragten, drang dieser Wunsch bis in den Kaisersbacher Gemeinderat vor. Dabei gab es zunächst zwei Probleme: Wer baut die Badeinsel auf, wer bezahlt und vor allem, wer übernimmt die Haftung, wenn etwas passiert? Viele Fragen, auf die es zunächst keine Antworten gab. Klar war dann irgendwann, dass weder der Ebniseeverein noch die Forstverwaltung als Eigentümerin des Sees in dieser Richtung aktiv werden.

Tätig hingegen wurde der Gemeinderat mit Bürgermeisterin Katja Müller an der Spitze. Vorgeschlagen wurde nun wegen der besseren Haltbarkeit eine Kunststoffinsel, die inmitten des Sees befestigt werden sollte. Nach langem Ringen war die Gemeinde auch bereit, die Haftung zu übernehmen und die Investition zu bezahlen.

Klare Absage an die Gemeinde

Doch wer denkt, mit diesem Vorschlag bei Forstverwaltung und Ebniseeverein offene Türen einzurennen, der irrt. Von beiden Seiten bekam die Bürgermeisterin eine klare Absage. Die Badeinsel aus Kunststoff passe nicht in den naturnahen Bereich. Bei einer Holzverkleidung habe man hygienische Bedenken, weil der Kot von Vögeln auf der Insel landen könnte. „Wir bitten Sie um Verständnis“, hieß es abschließend.

Doch dieses Verständnis ist auf Kaisersbacher Seite nicht vorhanden. Katja Müller formulierte es als Bürgermeisterin moderat: „Ich finde es schade und werde versuchen zu gegebener Zeit auf anderen Ebenen in dieser Hinsicht etwas zu erreichen.“

So diplomatisch wollten es die Gemeinderäte nicht formulieren. „Ich bin ungehalten, das ist das Allerletzte“, sagte zum Beispiel Gemeinderätin Alexandra Bäuerle. Die Forstverwaltung habe abgebaut, was seit 70 Jahren Bestand gehabt habe. Die Badeinsel sei immer ein wichtiges Ziel für die Schwimmer gewesen, um einen Stopp einlegen zu können. „Die Badeinsel ist ein fester Bestandteil des Ebnisees.“ Immer werde von der Perle des Schwäbischen Waldes geredet und dann werde nichts dafür getan.

Der Ebnisee gehört dem Land Baden-Württemberg

Die letzte Aussage konnte und wollte die Bürgermeisterin so nicht stehen lassen. Der Verein tue sehr wohl viel für den Ebnisee, doch bei dem Thema Badeinsel sei man uneins. Das Problem dabei: der Ebnisee gehöre dem Land Baden-Württemberg und deshalb habe die Forstverwaltung das Sagen. Die Absage habe sie zähneknirschend, ungehalten, wütend und verständnislos zur Kenntnis genommen.

Gemeinderat Bernd Basler ging rückblicken auf die Entfernung der Insel in einer „Nacht-und-Nebelaktion“ ein. Es habe geheißen, es sei Gefahr in Verzug, weil die Insel Löcher aufweise. Im Bereich des „Kinderbädles“, also die Wasserfläche vor dem Kiosk Rader im hinteren Teil des Sees, dürfe nichts saniert werden, aus Naturschutzgründen. Für das Abreißen der Insel sei extra eine Baustraße mit Schotter angelegt worden. Ein sehr großer Bagger habe die Insel einschließlich Steinfundament herausgerissen. „Wo war da der Naturschutz?“, fragte Bernd Basler. Eine Badeinsel aus Kunststoff werde verboten, gleichzeitig kurvten Boote aus Plastik über den See. Der Ebnisee sei schon seit Jahrzehnten ein Badesee. „Wollen wir den Ebnisee wieder ablassen und Rinder drauf weiden lassen?“ Es reiche nicht, nur um den See herumzulaufen und schöne Geschichten von der Perle des Schwäbischen Waldes zu erzählen.

Ein symbolischer Euro für den See?

Enttäuscht zeigte sich auch Gemeinderat Adem Akin vom Verhalten des Ebniseevereins, vor allem weil er regelmäßig auch Dienste an der Hütte des Ebniseevereins übernehme. „Die Gemeinde wird mit einem Schreiben abgefertigt. Das geht nicht. Die Herren sollen in den Gemeinderat kommen und sich erklären.“ In diesem heißen und trockenen Sommer habe es sehr viel Badebetrieb gegeben, da habe die Badeinsel für Kinder und Erwachsene sehr gefehlt.

Bernd Basler erinnerte in diesem Zusammenhang an eine frühere Aussage, den Ebnisee für einen Euro an die Gemeinde zu verkaufen. Jetzt sei die Zeit dafür, diese Angebot nochmals zu prüfen. „Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen“, ergänzte Alexandra Bäuerle. Und die Bürgermeisterin meinte abschließend der unverhofften Debatte: „Das braucht Zeit.“


Kommentar von Rainer Stütz

Vom Flößersee zum Nacherholungsgebiet

  • Der Ebnisee hat eine Fläche von rund 67 Hektar. Die Breite des Sees beim Kaisersbacher Ortsteil Ebni beträgt 120 Meter, er ist 410 Meter lang. An seiner tiefsten Stelle geht es im See fünf Meter hinab.
  • Am Ebnisee sind das Baden und das Fahren mit Wasserfahrzeugen ohne eigenen Antrieb erlaubt. Segelboote und Windsurfer sind auf dem See allerdings nicht zugelassen. Ein Tretbootverleih befindet sich im Uferbereich des Sees.
  • In der Badesaison wird die Wasserqualität des Ebnisees regelmäßig kontrolliert.
  • Das Mitführen von Hunden an der Leine ist am Ebnisee erlaubt. Die Hunde dürfen jedoch nicht ins Wasser gelassen werden.
  • Der Ebnisee wurde im 18. Jahrhundert als Schwellweiher für die Flößerei angelegt und dient heute vor allem der Naherholung.
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