Kaisersbach Kein Telefon und kein Internet seit mehreren Wochen

Symbolbild. Foto: pixabay.com

Kaisersbach.
Zwei große Probleme gibt es rund um Kaisersbach. Zum einen haben zahlreiche Teilorte und Höfe keinen Internetzugang, was für viele Betriebe wie zum Beispiel Eisemann Reisen im Schillinghof unzumutbare Zustände mit sich bringt. Zum anderen, und das ist noch dramatischer, gibt es Häuser, die nach der Umstellung der Telekom auf IP-Telefonie (IP-Telefonie oder Voice over IP genannt, ist das Telefonieren über Rechnernetze, welche nach Internetstandards aufgebaut sind) keine Möglichkeit mehr haben, in einem Notfall übers Telefon einen Notruf abzusetzen.

„Selbst analoge Telefone gehen, egal zu welcher Tageszeit, manchmal auch gar nicht. Handynetze existieren nicht und das Internet funktioniert auch nicht. Nicht nur privat, sondern auch als Unternehmen ist es nicht mehr möglich, am Leben teilzunehmen“, erklärt Daniel Fezer im Rahmen der Bürgerfragen bei der Gemeinderatssitzung in Kaisersbach.

Müller: "Wir können nur versuchen, politischen Druck aufzubauen"

Bürgermeisterin Katja Müller kennt diese Probleme. Schon vor zwei Jahren hätte es mit einer 70-prozentigen Förderungssumme einen Breitbandausbau in den Teilorten von Kaisersbach geben können, aber auch heute ist es für Kaisersbach noch schwer, zehn Prozent zu bezahlen. Immerhin ist die Förderungssumme nun bei 90 Prozent, ein Angebot liege seit Anfang dieser Woche auch vor. „Wir prüfen nun alles und hoffen, so schnell wie möglich mit dem Bau der Leitungen beginnen zu können“, sagt Katja Müller, die aber auch erklärt: „Wir können als Gemeinde keine Leitungen legen, sondern sind auf private Kommunikationsunternehmen angewiesen. Wir können nur versuchen, politischen Druck aufzubauen.“ Es sei verständlich, dass zum Beispiel die Telekom ihre Prioritäten als Wirtschaftsunternehmen nicht in den weißen Flecken von Kaisersbach sehe, „aber wenn man nicht einmal mehr telefonieren kann, darf nicht erst ein Notfall geschehen, ehe endlich jemand aufwacht“, sagt der stellvertretende Bürgermeister Bernd Basler.

Daher schlage er eine Strategie vor: „In erster Linie müsse schnell gewährleistet werden, dass jeder Haushalt in Kaisersbach wieder eine funktionierende Leitung zum Telefonieren habe. Hierfür bitte ich alle Bewohner, die Probleme haben, diese uns schriftlich mitzuteilen.“ Und im zweiten Schritt müsse dann politischer Druck aufgebaut werden, da sonst in einem halben Jahr noch weniger Unternehmen in Kaisersbach existieren. „Ohne Internet kann man heute nicht mehr arbeiten“, so Basler.

Eisemann Reisen muss für Abrechnungen nach Welzheim

Bürgermeisterin Katja Müller versprach alles dafür zu tun, dass der Druck in Richtung Telekom und Innenministerium größer werde. Die Bürgerinnen und Bürger hätten sich diesen Druck schon vor mindestens zwei Jahren gewünscht, als abzusehen war, dass die IP-Telefonie kommt. „Ich bitte euch, mir alle Probleme schriftlich zu geben, dann schicken wir eine Sammelliste ans Innenministerium und die Telekom“, erklärt die Bürgermeisterin.

Gemeinderat Hans-Dieter Schwenger meinte: „Wir sollten im Bereich Sandland unbedingt mit Alfdorf zusammenarbeiten. Im Vorfeld müsse geklärt werden, wer alles dabei ist. Gemeinsam finden wir mehr Gehör.“ Daniel Fezer ist sich sicher, dass hier über Jahre nicht mit der nötigen Geschwindigkeit an dem Problem Internet gearbeitet wurde. Viel wichtiger sei aber auch ihm, dass zunächst wieder die Telefone gehen sollten. Seit sieben Wochen und länger funktionieren manche Anschlüsse nicht mehr. Eine Lösung könne eine Antennenanlage sein. „Wir finden einen passenden Ort, Platz gibt es genügend. Es muss nur schnell gemacht werden“, meint Gemeinderätin Tanja Trinkle. Wenn das Telefonieren dann wieder funktioniere, sollte auch das Thema Internet angegangen werden. „Am besten parallel, denn wir müssen mit unseren Bussen jeden Abend Abrechnungen nach Stuttgart schicken. Dafür müssen unsere Busfahrer täglich nach Welzheim fahren, um über ein stabiles Netz die Daten zu verschicken“, äußert sich Fezer.

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