Kaisersbach SPD-Mann verteidigt Schwabenpark

Kaisersbach. Der SWR hat in der Sendung „Zur Sache, Baden-Württemberg“ vom 16. Mai die Affenshow im Schwabenpark zum Thema gemacht – allerdings nichts Neues berichtet und nur die alten Vorwürfe von Tierrechtsorganisationen und des tierschutzpolitischen Sprechers der Grünen-Landtagsfraktion Reinhold Pix aufgewärmt. Deshalb hat sich der SPD-Landtagsabgeordnete Gernot Gruber in einem Brief an den SWR gewandt und sich über „die einseitige Berichterstattung“ beschwert.

SWR Bericht "Schimpansen im Schwabenpark" - Quelle: Youtube

„Ich würde mich freuen, wenn Sie künftig bei diesem für unseren Raum wichtigen Thema nicht nur Herrn Pix, der sehr extreme Positionen vertritt, zu Wort kommen lassen würden, sondern auch diejenigen, die sich vor Ort auskennen“, schreibt Gruber an den SWR. Der SPD-Abgeordnete hat sich mehrfach auch bei Tierärzten und Besuchern vor Ort erkundigt und wisse „aus eigener Anschauung, dass die Familie Hudelmaier sehr sorgsam und liebevoll mit ihren Tieren umgeht“, so die Mitteilung.

Reinhold Pix habe wohl weder eine Affenshow selbst gesehen, noch es für nötig befunden, mit den Abgeordneten vor Ort das Gespräch zu führen. Im Gegensatz dazu habe sich Gernot Gruber bei einem Besuch im Schwabenpark selbst ein Bild gemacht. „Die einseitige Darstellung“ im Fernsehen, in der der Eindruck erweckt werde, dass die Affen im Schwabenpark sehr beengt leben würden, ärgert Gruber: „Es sei mir noch erlaubt anzumerken, dass es auch möglich ist, Bilder der schön und großzügig angelegten Gehege zu zeigen.“

Gruber ist froh, dass die Landesbeauftragte für Tierschutz, Dr. Cornelie Jäger (Grüne), die Affenhaltung und die Schimpansen-Show mit Augenmaß betrachte. Sie hatte über die Tierhaltung im Schwabenpark Kaisersbach ein fachwissenschaftliches Gutachten erstellen lassen. Dieses stelle unmissverständlich fest, dass die Tiere im Schwabenpark durchweg in einem guten Zustand seien (wir berichteten). Der Landesbeirat für den Tierschutz habe dieses Gutachten im Herbst vergangenen Jahres begrüßt. „Vor diesem Hintergrund ist es umso unverständlicher, weshalb jetzt erneut versucht wird, dem Schwabenpark zu schaden“, schreibt Gruber an den SWR.

Nach der Betrachtung des Fernseh-Beitrags wird klar, dass der SWR womöglich nur uralte Vorwürfe wieder aufgewärmt hat. Zur Sprache kommt beispielsweise überhaupt nicht, dass die Hudelmaiers bereits Verbesserungen (mehr Spiel- und Versteckmöglichkeiten) in den Gehegen vorgenommen haben und auf Basis der Empfehlungen des Gutachtens des Primatologen Jan Vermeer die Affenshow-Inhalte geändert haben – dahingehend, dass über die bedrohten natürlichen Lebensumstände der Schimpansen aufgeklärt und deren besondere Intelligenz demonstriert wird. So tritt neuerdings auch der „alte“ Pat, der zur Belustigung der Zuschauer vermenschlicht wurde und sich zum Beispiel die Zähne putzte, gar nicht mehr auf.

Details aus dem Gutachten

Verschwiegen wird in dem „aktuellen“ Fernseh-Beitrag und in Grubers Mitteilung allerdings auch, dass Jan Vermeer in seinem Gutachten vom September 2012 ebenso schrieb (wir berichteten damals): „Spätestens bis Ende 2022 sollte die Affenshow auslaufen, somit hätte der Schwabenpark zehn Jahre Zeit, andere Wege zu finden, den Park für die Besucher attraktiv zu halten.“

Vermeer hatte dies unter anderem wie folgt begründet: „Die Affenshow leistet keinen Beitrag im Rahmen des pädagogischen Bildungsauftrags von Zoos. Die Besucher lernen nicht viel über die Biologie der Schimpansen. Darüber hinaus werden sie nicht motiviert für den Naturschutz, das Gegenteil könnte der Fall sein.“

Insgesamt war die Beurteilung des niederländischen Primatologen aber differenziert ausgefallen: „Obwohl ich einiges an der Tierhaltung des Schwabenparks kritisieren muss und ich zustimme, dass Verbesserungen notwendig sind, denke ich, dass der Gebrauch des Wortes Qualhaltung eine Übertreibung ist.“

Er habe nicht den Eindruck, dass die Tiere zu den Aktionen in der Affenshow gezwungen werden, so Vermeer. „Insbesondere die größeren Tiere würden sowieso keinerlei Druck durch die Trainer akzeptieren, und die Trainer scheinen dies auch zu realisieren. Die Tiere dürfen es als Bereicherung ansehen, viermal am Tag eine kurze Autofahrt zu erleben, während der Show etwas zu tun zu haben und zu sehen zu bekommen. Sie warten ruhig, bis sie dran sind, sitzen auf einer Bank und blicken umher.“

Vermeer weiter: „Und außerhalb der Show leben die Show-Tiere zusammen als Gruppe und es gibt keinerlei Anzeichen von Stress, wenn sie das Gehege verlassen oder wenn sie zurückkehren. Und zu meiner Überraschung fanden die meisten der Tiere, die gerade in den Gruppen (im Gehege des Schwabenparks) leben, auch einmal Verwendung in der Show, was bedeutet, dass die Show nicht zu einer langfristigen sozialen Verkümmerung führt. Bevor ich in den Schwabenpark gekommen bin, hatte ich eine komplett andere Meinung, doch nun bezweifle ich, dass es den Tieren schadet, in der Show mitzuwirken.“

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