Kampf gegen das Insektensterben Korb will Schottergärten verhindern

Symbolbild. Foto: Pixabay/manfredrichter

Korb. Beim Umweltschutz auf die große Politik zu verweisen, ist vielen Kommunen zu billig – auch Korb ergreift eigene Maßnahmen gegen das Artensterben. Der Gemeinderat hat sich geschlossen dafür ausgesprochen insektenfeindliche Schottergärten in Zukunft zu verhindern. Auf Glyphosat wird die Gemeinde auch weiterhin verzichten.

Früher habe er auf seiner Fahrt an den Chiemsee in Ulm die A8 verlassen müssen, berichtete Jürgen Klotz (SPD), „um Insekten von der Scheibe zu kratzen“. Heute könne man ohne Zwischenstopp bei freier Sicht bis Salzburg fahren. Und wenn er als Kind auf einer Wiese im Garten gesessen sei, so Klotz, hätten ihn die vielen verschiedenen Ameisenarten „verzwiebelt“. Die Gefahr bestehe heute nicht mehr. Zwei unschöne Erinnerungen, mit denen der SPD-Mann allerdings auf ein viel größeres Übel hinleitete: das Insektensterben.

Diesem Phänomen will Korb verstärkt entgegentreten, wie der Gemeinderat in jüngster Sitzung bei einer Enthaltung beschlossen hat. Konkret schlossen sich die Bürgervertreter dabei dem SPD-Antrag an, Schottergärten zukünftig zu verhindern, eine „Kampagne für insektenfreundliche Begrünung“ in Wohngebieten zu organisieren und auf Flächen, die von der Gemeinde bewirtschaftet werden, vollständig auf die Verwendung von Glyphosat zu verzichten.

Heißdampf statt Glyphosat

Auf das Unkrautvernichtungsmittel, das im Verdacht steht, krebserregend zu sein, verzichte die Gemeinde bereits seit mehreren Jahren, heißt es in einer Stellungnahme zum Antrag aus dem Korber Rathaus: „Die Gemeinde hat vor Jahren bereits damit begonnen, bienen- und insektenfreundliche Flächen zu schaffen und die Unkrautbekämpfung auf öffentlichen Flächen mit Heißdampf durchzuführen, sodass keine Pestizide eingesetzt werden müssen.“

Was das Verbot von Schottergärten angeht, die in der öffentlichen Diskussion gerne auch als „Gärten des Grauens“ bezeichnet werden, ist die Verwaltung zurückhaltender. Unumstritten sei, dass diese Gärten das Kleinklima wegen der zunehmenden Aufheizung negativ beeinflussen und dazu beitragen, den Lebensraum für heimische Insekten einzuschränken. Bürgermeister Jochen Müller vertritt grundsätzlich aber die Meinung, die Gemeinde dürfe den Bürgern „nichts aufzwingen“. Stattdessen soll Überzeugungsarbeit geleistet werden. Nichtsdestotrotz will die Gemeinde im Zuge künftiger Bebauungspläne für Wohngebiete rechtlich prüfen lassen, inwiefern sich Schottergärten verhindern lassen. Die Stadt Schorndorf zum Beispiel wird zukünftig einen entsprechenden Passus in ihre Bebauungspläne aufnehmen.

Mit Umweltverbänden zusammenarbeiten

Überdies könnte in Korb ein Hinweis auf die Landesbauordnung in diese Pläne aufgenommen werden. Darin heißt es nämlich schon: „Die nichtüberbauten Flächen der bebauten Grundstücke müssen Grünflächen sein, soweit diese Flächen nicht für eine andere Verwendung benötigt werden.“

Was eine Kampagne für insektenfreundliche Begrünung in Wohngebieten angeht, möchte die Gemeinde mit Umweltverbänden zusammenarbeiten, um für das Thema zu sensibilisieren. Erste Gespräche wurden laut Verwaltung bereits geführt.

Bei Null müssen die Korber allerdings nicht anfangen, wie Gerhard Brenner (Grüne) betonte: die Tütchen mit Blumensamen seien am Wahlkampfstand weggegangen wie warme Semmeln berichtete er. Und Friedrich Zimmerle (CDU/Freie Wähler) betonte: „Weingärtner und Landwirte sind schon einen Schritt weiter“, hätten vielfach Blumenwiesen angelegt. Nicola De Vitis (Freie Bürger) verwies auf Kindergartenkinder, die Insektenhotels bauen: „Jede kleinste Veränderung hilft uns weiter.“

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