Kernen 23-jähriger Stettener ist Streetboard-Weltmeister

Der Weltmeister auf dem Board. Foto: privat

Kernen. Mario Kurrle aus Stetten ist ein erfolgreicher Extremsportler. Der 23-jährige Kfz-Mechaniker wurde kürzlich in Frankreich zum Weltmeister im Streetboarden gekürt, einer Skateboard-Variante. Streetboarder gelten mit ihrer Bindung und der schlängelnden Fortbewegung auf dem dreigeteilten Brett als Exoten in der Szene. Im Interview spricht Kurrle über Gemeinschaft, Geld und Gefahr.

Wie wird man Streetboard-Weltmeister?

Viel, viel trainieren. Ich hatte aber auch einfach einen guten Tag. Die Weltmeisterschaften waren dieses Jahr in Nantes, Frankreich. Es gibt vier Disziplinen – Miniramp, Halfpipe, Park und bester Trick – mit jeweils circa 40 Teilnehmern. Mitmachen kann eigentlich jeder. Ich bin Weltmeister im Park geworden. Das ist von allem etwas: Rampen, Geländer, Sprünge. In den Qualifikationsrunden hat man 45 Sekunden Zeit, im Finale etwas mehr. Bewertet wird alles: Style, Kreativität, wie man den Park nutzt. Da hatte ich eine ziemlich gute Linie. Ich habe nicht die überkrassen Tricks gemacht, aber bin komplett auf dem Board geblieben, hab den ganzen Park genutzt und hatte vermutlich auch Style (lacht).

Gab es denn Preisgeld?

Für den ersten Platz gab’s 500 Euro und für meinen dritten Platz in der Halfpipe 200 Euro. Gar nicht so schlecht für eine Randsportart. Das juckt aber eigentlich gar keinen. Es geht mehr um das Zusammenkommen. Den ganzen Tag wird geskatet und abends gemeinsam gefeiert. Es waren Argentinier dabei, aus Peking kam einer, aus Amerika, viele Spanier, Engländer. Wenn du die alle wiedersiehst, mit denen du schon auf Tour warst, das ist schon cool.

Wie bist du denn ausgerechnet zu diesem Sport gekommen?

Mein Jungscharleiter hat mal ein Streetboard mitgebracht, da war ich zwölf. Ich bin draufgestanden und konnte es nicht. Das hat mich dann so genervt, dass ich gefragt habe, ob ich es ausleihen kann. Nach einem Tag kommst du ein bisschen vorwärts und nach einer Woche kannst du so einigermaßen fahren.

Was ist denn so schwer am Streetboardfahren?

Das Ding ist halt, dass es eine ganz untypische Bewegung ist. Da tut sich eigentlich jeder damit schwer. Ich habe noch nie jemanden gesehen, der direkt fahren konnte. Du musst deine Beine und deinen Oberkörper koordinieren – immer O- und X-Beine machen mit deinen Füßen. Immer wenn du deine Füße aufmachst, musst du den Oberkörper mit aufmachen.

Klingt anstrengend.

Du kriegst am Anfang Muskelkater an Stellen, wo du denkst, du hast da gar keine Muskeln. Ich habe jetzt einen krass ausgeprägteren Oberschenkel auf der rechten Seite als links. Weil hinten mehr Druck ausgeübt wird. Und es ist schon ein Extremsport – man muss wissen, wie man fällt.

Schon mal Pech gehabt?

Nur einmal, da hab ich mir alle Bänder in der Schulter abgerissen. Das hat sechs Monate gedauert.

Wann kam der Moment, in dem du dich entschieden hast: Ich möchte das jetzt professionell machen?

Eigentlich nie. Ich hab’s immer nur für den Spaß gemacht. In Stuttgart gibt’s schon ein paar Weltmeister, da hab ich einen kennegelernt, mit dem ich dann viel unterwegs war. Das war Glück für mich: Ich bin besser vorangekommen, als wenn ich alleine rumgegurkt wäre. Es wird langweilig, wenn du immer die gleichen Tricks machst, also probierst du neue. Und irgendwann kannst du so viele, dass du halt Weltmeister wirst (lacht). Mittlerweile werde ich gesponsert von Marken wie Dimension und Neobrain Bindings.

Du trainierst viel in Skateparks und -hallen. Bist du da ein Exot mit deinem Streetboard zwischen all den klassischen Skateboardern?

Definitiv. Wer sieht, wie viel du fährst, hat auch Respekt davor. Aber der erste Eindruck ist meistens: Der hat Bindungen, das ist ja einfach. Das legt sich dann schnell, wenn sie selbst mal draufstehen.


Männersport

Gibt es auch Frauen, die Streetboard fahren? Mario Kurrle: „Ein, zwei, vielleicht drei, vier weltweit, die ich kenne.“

„Der Hype war in den 90ern“, sagt der Stettener. Damals waren Streetboards auch unter dem Eigennamen „Snakeboard“ bekannt. Die beiden Standflächen über den Achsen lassen sich nach innen und außen drehen.

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