Kernen Bürgerbeteiligung: Hangweide nicht zubauen

Leitgedanken der Bürgerbeteiligung: So autofrei wie möglich. Archivfoto. Foto: Benjamin Büttner

Waiblingen. Das Neubauprojekt Hangweide war am Freitagabend das Thema im Museum unter der Yburg. Unter der Überschrift „Dichte. Bedeutung für die Hangweide“ hatte der Verein Heimat und Kultur Kernen zu einer weiteren Veranstaltung im Rahmen seiner Reihe „Lebensraum Kernen“ eingeladen.

Mit Schokoladenquadraten und Marzipanwürfeln als Spielsteine, die umbaute Räume darstellten und von den Teilnehmern auf einem Spielfeld zu verteilen waren, das die zukünftigen Bauplätze zwischen Anna-Kaiser-Weg, Hangstraße und Lutzweg darstellte, bemühte sich Ute Heinle, die Vorsitzende des Vereins Heimat und Kultur Kernen, das Bewusstsein für Bebauungsdichte und Flächenverbrauch zu schärfen. Als Belohnung durfte hinterher die süße Nascherei verputzt oder mit nach Hause genommen werden.

Landesbauordnung erlaubt eine Geschossflächenzahl von 1,2

„Ich möchte die Köpfe dafür rundmachen, dass die Mitwirkenden an der Bürgerbeteiligung zur Bebauung der Hangweide abschätzen können, was es bedeuten würde, wenn der zukünftige Wohnbereich für 1200 Menschen ausschließlich mit Reihenhäusern und Bungalows bebaut würde. Wir alle wünschen uns moderne, flexible Lösungen, die den Lebens- und Wohnbedürfnissen der Menschen entsprechen, bei denen weder ein Hochhaus neben dem andern steht noch das Gebiet übermäßig überbaut wird“ erläuterte Ute Heinle. Ihr Vorbild sind die bereits bestehenden Gebäude, wie das 4½-geschossige Lutzhaus. Es füge sich sowohl in die Landschaft wie auch in den Baumbestand ein und wirke weder zu wuchtig noch deplatziert.

Die Landesbauordnung erlaube es, für eine zukünftige Bebauung der Hangweide eine Geschossflächenzahl von 1,2 festzulegen. Die sich daraus ergebende Möglichkeit, 1200 Quadratmeter Bruttogeschossfläche auf einem 1000 Quadratmeter großen Grundstück, müsse für den Bau von mehrgeschossigen Gebäuden genutzt werden, um die Bodenversieglung in Grenzen zu halten. „Je höher man baut, desto mehr Grünfläche bleibt erhalten“, lautete ihre Faustformel.

Das Engagement des Vereins in der Handweide erklärte sie damit, dass sie ihn als Brücke zwischen der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft Kernens sehe. Für die Entwicklung der Hangweide hätten sich Gemeinde Kernen, Kreisbau und Kommunalentwicklung (KE) zusammengefunden; zwei der drei Partner wollten mit dem Projekt Geld verdienen, für die Gemeinde müsste es wenigstens kostenneutral ausgehen. Somit hätten bei ihnen wirtschaftliche Interessen Priorität. Im Rahmen der Bürgerbeteiligung seien die Kernerinnen und Kerner aufgerufen, mitzuentscheiden, wie sich der Ort in Zukunft entwickle: „Wir haben keinen Einfluss darauf, dass die Menschen weiterhin in den Großraum Stuttgart ziehen, aber die Bürger sollten mitgestalten, wie sich unsere Dörfer entwickeln, damit sie trotz des Zuzugs Heimat bleiben, Integration und Lebensqualität für alle ihre Bewohnerinnen und Bewohner und sogar darüber hinaus bieten.“

Den Abend eröffnet hatten die Vertreter der Bürgerbeteiligung zur Hangweide, Isa Hasselt und Ulrich Lang. Sie erinnerten zunächst an die nach drei Workshops am 19. Juni 2018 von Konrad Hummel und Lena Hummel der Gemeinde übergebenen „Leitgedanken“ der Bürgerbeteiligung. In denen wurde für die Hangweide ein sozial gemischtes, urbanes, dichtes Wohngebiet mit guter Infrastruktur gefordert – ein lebenswertes Quartier zum Wohnen und Arbeiten unter Berücksichtigung neuer Wohnformen für Menschen, die so autofrei wie möglich leben wollten und die sich freiwillig um Inklusion und Toleranz bemühten. Dazu gehört ein behutsamer Umgang mit dem Baumbestand und die Einbindung des Beibachs unter Berücksichtigung des Hochwasserschutzes.

Mehrstöckig, aber nicht hoch, dabei Frei- und Baumbestände erhalten

Unter Punkt sechs der Leitgedanken sei explizit aufgeführt, die Wohnstruktur solle eher mehrstöckig, aber nicht hoch sein, dabei auch Frei- und Baumbestände erhalten und „grüne Architektur“ berücksichtigen. Ausführlich schilderten sie dann die Eindrücke und Einsichten in innovative Wohnquartiere und -konzepte, die sie als Teilnehmer an der Gemeinderatsexkursion am 24. und 25. April in den Zürcher Quartieren „Zwicky Süd“ und „Hunziker-Areal“ sowie im Freiburger „Vauban-Quartier“ gewonnen hatten.

Die Geschossflächenzahl (kurz GFZ) ist ein Begriff aus dem Baurecht. Sie gibt an, wie hoch das Verhältnis der gesamten Geschossfläche aller Vollgeschosse der Bebauung auf einem Grundstück zu der Fläche des Grundstückes maximal sein darf.

Bei einer Geschossflächenzahl (GFZ) von 1,2 dürfen sich auf einem Grundstück mit 1000 m² Größe maximal 1,2 x 1000 = 1200 m² Geschossfläche in den Vollgeschossen befinden.

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