Kernen Flüchtlingsheim neben dem Friedhof

Kernen. Bei einer Info-Veranstaltung hat die Verwaltung die geplanten Flüchtlingsunterkünfte in Stetten und Rommelshausen vorgestellt. Einige sollen künftig auch als Sozialwohnungen genutzt werden. Allein bei der Flüchtlingsunterbringung verzeichnet die Gemeinde laut Bürgermeister Altenberger ein Defizit von rund 300 Plätzen.

Video: Heftige Diskussionen bei der Infoveranstaltung in Kernen

Auch wenn derzeit weniger Flüchtlinge in Kernen ankämen als in den Monaten zuvor, sei nicht davon auszugehen, dass die Flüchtlingsströme abebbten, sagte Bürgermeister Altenberger bei der Veranstaltung am Dienstagabend in der Alten Kelter in Rommelshausen. „Insbesondere hier in Kernen haben wir unser Soll bei der Unterbringung noch nicht erfüllt“, betonte er. 102 Flüchtlinge leben bereits in den Kernener Erstunterkünften Hangweide und Kirchstraße, weitere 258 Personen muss die Gemeinde nach derzeitigen Hochrechnungen des Landkreises bis zum Jahresende noch unterbringen. In den Anschlussunterkünften der Gemeinde leben 30 Personen, 44 weitere müssen demnach noch untergebracht werden. „Insgesamt reden wir bei der Flüchtlingsunterbringung über ein Defizit von rund 300 Plätzen“, so Altenberger. „Wir rechnen deshalb damit, dass wir jeden Standort benötigen, den wir heute Abend vorstellen.“

Drei neue Anschlussunterbringungen sollen in Kernen entstehen: in Stetten an der Dinkelstraße, nahe dem Kindergarten und in Rommelshausen an der Robert-Bosch-Straße sowie an der Seestraße. Eine Mischform der Erst- und Anschlussunterbringung ist auf dem Gelände neben dem Friedhof, Am Weihergraben, geplant. Acht Wohneinheiten für insgesamt 20 Personen sollen an der Dinkelstraße 8 entstehen. Das Bauvorhaben ist bereits genehmigt, derzeit läuft die Ausschreibung für die Architekten. Bauamtsleiter Horst Schaal rechnet für Juni mit dem Baubeginn. Bezugsfertig wären die Gebäude dann voraussichtlich im Sommer 2017.

Die Bebauungsplanänderung des Gebäudes an der Robert-Bosch-Straße wird laut Schaal voraussichtlich im Juli rechtskräftig, Start der Bauarbeiten ist für November geplant. Bezogen werden sollen die für 60 Bewohner ausgelegten 18 Wohneinheiten im April 2018. An der Seestraße soll die bisherige Obdachlosenunterkunft zu einer Anschlussunterbringung umgestaltet werden. Wie viele Flüchtlinge dort Platz finden werden, ist noch unklar. Nebenan – auf dem bisherigen Bolzplatz – soll ein Neubau entstehen, in dem Sozialstation, Tagespflege und Kinderbetreuung Platz finden sollen. Eine Rasenspielfläche ist ebenfalls geplant, sie soll künftig von Flüchtlingen und anderen Bewohnern gemeinschaftlich genutzt werden.

Diskussionen um neuen Standort am Friedhof

Für heftige Diskussionen sorgte die geplante Unterkunft Am Weihergraben. Auf dem Gelände nördlich der Gewächshäuser neben dem Friedhof, das ursprünglich als Friedhofserweiterung geplant war und derzeit als Ackerfläche dient, sollen künftig rund 100 Flüchtlinge in einer Mischform aus Erst- und Anschlussunterbringung Platz finden. „Wünschenswert wäre ein fließender Übergang“, so Bürgermeister Altenberger. Bezugsfertig werden die Gebäude voraussichtlich im April 2017. Unmut unter den anwesenden Anwohnern rief neben der Parksituation vor allem die vermeintliche Containerbauweise der Unterkunft hervor. „Glauben Sie mir, wir bauen dort keinen Kruscht hin“, betonte Bauamtsleiter Schaal.

Hochwertige, zweigeschossige Fertigbaumodule in Terrassen nach Plänen des Büros Werner Sobek sollen dort entstehen, zu Baukosten von 1650 Euro pro Quadratmeter – ein gutes Stück unter dem ortsüblichen Durchschnitt. Auch die gesetzlich vorgeschriebene Anzahl an Stellplätzen werde eingeplant, sowie die Zufahrt gesichert. Die Verwaltung plane hier bereits für die nächsten 30 bis 40 Jahre: Auch das Gebiet, auf dem derzeit die Gewächshäuser stehen, könnte künftig für den Wohnungsbau genutzt werden. Sollten die als Unterkünfte vorgesehenen Gebäude nicht mehr für Flüchtlinge benötigt werden, könnten sie auch als Wohnungen für sozial Schwache dienen. Denn auch hier hat die Gemeinde Nachholbedarf: Rund 400 Menschen sind derzeit in Kernen auf der Suche nach Sozialwohnungen.

Auch die geplanten Notunterkünfte an der Waiblinger Straße und bei der Kläranlage Krettenbach sind laut Gemeinde noch nicht vom Tisch. Derzeit würden sie zwar nicht benötigt, aber sollten die Verhandlungen mit der Diakonie um die Hangweide scheitern, müsste die Unterkunft Krettenbach kurzfristig belegt werden.

Bleibt Hangweide?

Der Vertrag der Gemeinde mit der Diakonie Stetten über die Nutzung des Hauses 14 als Flüchtlingsunterkunft läuft im Sommer aus.
Derzeit befinde man sich in Verhandlungen, so Schaal.
Als große Flüchtlingsunterkunft eigne sich das Gelände aber nicht. Schuld seien die veralteten Ringleitungen.

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