Kernen Nach der Bürgermeisterwahl: Ärger in der SPD

Jetzt ist es raus: Erich Ehrlich verlässt die SPD-Fraktion, bleibt aber im Gemeinderat. Archivfoto. Foto: Striebich

Kernen. Rücktritt vom Rücktritt: Erich Ehrlich wird sein Mandat im Kernener Gemeinderat doch nicht niederlegen. Aber er verlässt die SPD-Fraktion. „Das Vertrauen ist einfach nicht mehr da“, sagt der 74-Jährige. Seine Begründung: das Verhalten der Kernener SPD im Bürgermeisterwahlkampf.

„Er macht sich schwer unglaubwürdig“, schimpft Ulrich Lang am Dienstagnachmittag im Telefonat mit unserer Zeitung. Der Vorsitzende des SPD-Ortsvereins hat soeben erst von Erich Ehrlichs Plan erfahren: Der 74-Jährige will nach 15 Jahren im Kernener Gemeinderat von der SPD-Fraktion zu den Unabhängigen Freien Wählern (UFW) wechseln. Ursprünglich hatte Ehrlich aus dem Gemeinderat austreten wollen (wir berichteten). Dass er nun doch bleibt, aber die Fraktion wechselt, was er zunächst ausgeschlossen hatte, ärgert Ulrich Lang: „Das ist ein starkes Stück.“

Der Wählerdruck war zu groß

Erich Ehrlich selbst sagt im Gespräch mit unserer Zeitung, er sei in den vergangenen Tagen von so vielen Bürgern gebeten worden, weiterzumachen, dass er dem Druck schließlich nachgegeben habe: „Ich will die Wähler nicht vor den Kopf stoßen.“ Auch dem neuen Bürgermeister Benedikt Paulowitsch wolle er ohne Vorurteile begegnen, in der SPD-Fraktion könne er aber nicht bleiben. „Das Vertrauen ist nicht mehr da, weil einfach nicht eingehalten wurde, was wir besprochen haben.“

Doch wie ist es zu dem SPD-Schlamassel gekommen?

Erich Ehrlich, bekannt als unermüdlicher ehrenamtlicher Schaffer für die Gemeinde, hatte die Wahlniederlage Stefan Altenbergers bei der Bürgermeisterwahl Ende September schwer getroffen. Der 74-Jährige war bekannt für seinen guten Draht zum langjährigen Rathauschef, den er als Gemeinderat fast durch die gesamte Amtszeit begleitet hat. Ehrlich sitzt seit 2004 ohne Parteibuch für die SPD im Gemeinderat: „Ein sozialer Demokrat war ich schon immer“, sagt Ehrlich, „nur kein Sozialdemokrat.“

In der Fraktion habe er sich dennoch wohlgefühlt – allerdings nur, bis in Kernen der Wahlkampf tobte. Nach Erich Ehrlichs Darstellung hat sich die Kernener SPD nicht an die Abmachung gehalten, sich im Wahlkampf neutral zu verhalten: „Altenberger stand alleine da, Paulowitsch war umringt von unseren Leuten.“

"Das hat mich überzeugt"

Vor allem ein Mann war immer wieder an Paulowitschs Seite zu sehen: der SPD-Ortsvereinsvorsitzende Ulrich Lang. So wie Paulowitsch angekündigt hatte, parteiunabhängig zu kandidieren, so besteht Ulrich Lang heute darauf, er habe den 31-Jährigen als Privatperson unterstützt und nicht als SPD-Vorsitzender.

Paulowitsch, berichtet Lang, habe ihn eine Woche vor der Bekanntgabe seiner Kandidatur angerufen. Sie seien daraufhin zweieinhalb Stunden beisammengesessen – „das hat mich überzeugt“. Der Kreis der Paulowitsch-Unterstützer in den darauffolgenden Wochen habe auch, aber längst nicht nur aus SPD-Mitgliedern bestanden. Und die Beiträge der SPD zur Bürgermeisterwahl im Mitteilungsblatt seien bewusst neutral gehalten worden. Die Abmachung, keinen der Kandidaten offiziell zu unterstützen, hätte die Fraktionsmitglieder betroffen, aber nicht ihn, der dem Gemeinderat ja gar nicht angehöre. Lang findet: Er hat sich nichts vorzuwerfen.

SPD wird zur „Schrumpf-Fraktion“

Erich Ehrlich sieht das komplett anders. Der Ortsvereinsvorsitzende sei bei der Sitzung dabei gewesen, bei der die Genossen vereinbart haben, sich aus dem Wahlkampf herauszuhalten.

Das bestätigt auch der SPD-Fraktionsvorsitzende Hans-Peter Kirgis. Zur Rolle von Ulrich Lang möchte er sich eigentlich nicht äußern, nur so viel: Es sei für die Leute schwierig, Privatperson und SPD-Funktionär auseinanderzuhalten.

Seinen langjährigen Mitstreiter Erich Ehrlich als Fraktionsmitglied zu verlieren stimmt Kirgis traurig – und auch für seine Truppe im Gemeinderat tut es ihm leid. Die werde nun zur „Schrumpf-Fraktion“. Die SPD zählt künftig nur noch drei Sitze. Die UFW gewinnt eine Stimme dazu und kommt auf sechs Sitze im Gremium, genauso viele Räte stellt die CDU.

Kirgis sagt, er habe vergeblich versucht, Erich Ehrlich noch umzustimmen. Dass der 74-Jährige am Ende nicht ganz aus dem Gremium ausscheiden würde, ist dem Fraktionschef klar gewesen: „Erich ist Gemeinderat mit Leib und Seele.“

Freuen darf sich jetzt die UFW. Deren Fraktionschef Hans Dietzel hat bereits am Wahlabend, als Ehrlich im Bürgerhaus auf die Genossen schimpfte und seinen Austritt aus dem Gemeinderat ankündigte, gesagt: „Dann kommst du lieber zu uns.“ Damals hatte das noch wie ein Scherz geklungen.

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