Kernen Post in Stetten öffnet nur zwei Stunden täglich

Am 6. März will die Post in diesem blauen Container in Stetten eine Filiale eröffnen. Foto: ZVW/Gaby Schneider

Kernen-Stetten.
Die gute Nachricht zuerst: In drei Wochen wird es in Stetten nach neun Monaten endlich wieder eine Postfiliale geben. Am Freitag, 6. März, will die Deutsche Post in einem blauen Container am Sportplatz erstmals wieder „alltägliche Postgeschäfte“ anbieten. In einer Pressemitteilung vom Montagmittag schreibt das Unternehmen: „Auch Briefe und Pakete, die der Zusteller nicht ausliefern konnte und bei denen er eine Benachrichtigung hinterlassen hat, können künftig hier binnen sieben Werktagen abgeholt werden.“ Auch könnten sich die Stettener ihre Pakete direkt in die Behelfsfiliale schicken lassen und diese dann bei Gelegenheit abholen. „Damit verfügt die Gemeinde Kernen wieder über zwei Postfilialen und zwei DHL-Paketshops“, heißt es in der Pressemitteilung. Allerdings gibt es auch eine schlechte Nachricht.

Denn mit den Öffnungszeiten einer festen Filiale kann der blaue Post-Container nicht im Ansatz mithalten. Die Stettener Post hat zwar an sechs Tagen die Woche geöffnet, allerdings nur für jeweils zwei Stunden: montags, dienstags und freitags von 11 bis 13 Uhr, mittwochs und donnerstags von 14.30 bis 16.30 Uhr und samstags von 8 bis 10 Uhr. Das macht insgesamt zwölf Stunden pro Woche. Zum Vergleich: Irmgard Möhlmanns Gardinenladen, in dem die Post bis zum Juni 2019 untergebracht war, hatte 30 Stunden geöffnet. Die Filiale im Buntstift Rommelshausen kommt sogar auf 41,5 Stunden in der Woche.

„Das kann man den Bürgern eigentlich nicht zumuten“

Entsprechend verhalten fielen am Freitag die ersten Reaktionen in Kernen aus. „Schön, dass es demnächst endlich wieder eine Poststelle in Stetten gibt, schade, dass diese dann nur zwei Stunden am Tag geöffnet ist“, sagte Mathias Kramer, Fraktionschef der Offenen Grünen Liste im Gemeinderat auf Anfrage unserer Zeitung. Positiv sei, dass zwei verschiedene Öffnungszeiten unter der Woche angeboten werden. Kramer rechnet aber mit langen Wartezeiten für die Kunden am Schalter: „Berufstätige werden bei diesen Öffnungszeiten größtenteils nur den Samstag nutzen können. Hier wird der größte Andrang zu erwarten sein.“ Ebbe Kögel (Parteifreies Bündnis), der die Post schon in der Vergangenheit stark kritisiert hat, ist ebenfalls unzufrieden: „Kein Ruhmesblatt“ sei dieses Kapitel für die Post, die ja seit November 2018 vom Ende der Zusammenarbeit mit Möhlmann gewusst habe. Was die Öffnungszeiten angeht, spricht Kögel gar von einer „Verhöhnung der Kunden“. Er fordert: „Zumindest sollten sie eine Abendöffnung bis 19 Uhr anbieten, für Berufstätige.“ Ähnlich sieht es Hans Dietzel (Unabhängige Freie Wähler). Die Post sei offenbar lediglich bereit, „die gesetzlich vorgegebenen täglichen Öffnungszeiten von zwei bis drei Stunden einzuhalten“. Seitens der Gemeinde und der Öffentlichkeit müsse „Druck gemacht werden“ so Dietzel. Die Gemeinde müsse sich weiterhin um eine langfristige Lösung bemühen: „Eine Variante könnte sein, dass zusätzlich zur Postagentur ein DHL-Paket-Shop in Stetten eingerichtet wird.“ Packstationen einzurichten, das hat auch die SPD von Fraktionschef Hans-Peter Kirgis schon einmal gefordert. Er schimpft über die nun angekündigten Öffnungszeiten: „Das ist völlig unzureichend, das kann man den Bürgern eigentlich nicht zumuten. Es bringt zum Ausdruck, wie wichtig der Post ihre Kunden sind.“

Am Freitagnachmittag zog dann die Gemeinde mit einer eigenen Pressemitteilung zur Eröffnung der Filiale nach. Fast beschwichtigend wird Bürgermeister Benedikt Paulowitsch darin zitiert: „Entgegen unserer Zuständigkeit haben wir die Erschließung des Containers übernommen, um es der Deutschen Post AG so einfach wie möglich zu machen. Denn eines müssen wir festhalten: Die Zuständigkeit für eine Postversorgung liegt eigentlich nicht bei der Gemeinde, sondern bei der Post.“ Das gilt, wie die Verwaltung betont, insbesondere für die Entscheidung über die Öffnungszeiten, mit denen „ein Pflichtbereich“ abgedeckt sei.

Es ist schwierig, einen Einzelhändler als Partner für die Post zu finden

Die Gemeinde strebe indes „eine bessere Lösung“ an, heißt es in der Pressemitteilung weiter. Seit Anfang des Jahres sei man „intensiv mit Vertretern der Post im Gespräch“. Eine Lösung in Zusammenarbeit mit einem lokalen Einzelhändler gestalte sich dabei jedoch äußerst schwierig. Auch die Post selbst wünscht sich in ihrer Mitteilung „weiterhin eine Zusammenarbeit mit einem Geschäft vor Ort“.

Wer dafür überhaupt infrage kommt, ist unklar. Geschäftsfrau und CDU-Gemeinderätin Irmgard Möhlmann hat die Dienstleistungen nicht zuletzt gestrichen, weil sich die Zusammenarbeit mit der Post für sie nicht mehr gelohnt hat. Verhandlungen mit dem Getränkemarkt in der Ortsmitte waren im vergangenen Jahr gescheitert, der Stettener Rewe beherbergte die Post schon einmal und stellte den Dienst wieder ein. Ex-Bürgermeister Stefan Altenberger hatte zwischenzeitlich gar laut überlegt, den Einzelhändler zu subventionieren, der die Filiale in seinem Laden mitbetreibt. Dieser Gedanke wurde aber offenbar verworfen.


Flexibler TV Stetten

Dankbar ist Bürgermeister Benedikt Paulowitsch dem TV Stetten, der „große Flexibilität im Hinblick auf den Parkplatz sowie die Benutzung der Sanitäranlagen für die Postmitarbeiter“ zeige. Und auch das Bauamt habe sich stark eingebracht, so Paulowitsch.

In Stetten gibt es neben der Postagentur, die am 6. März in dem Container öffnet, noch zwei weitere Paketdienste: den Hermes-Paketshop beim Wichtler in der Kirchstraße 24 und den DPD-Paketshop im Raiffeisenmarkt Kernen.

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