Kernen Restaurant-Café oder doch Dorfbüro in Stetten?

Bürgermeister Altenberger bei der Einweihung der neugestalteten Klosterstraße in Stetten. Der Rathauschef träumt von einer belebten Ortsmitte. Wie in Rommelshausen soll das mit Gastronomie und Außenbewirtung gelingen. Eine Mischung aus Café und Restaurant schwebt Altenberger in den Räumen der ehemaligen Kreissparkassenfiliale (am rechten Bildrand zu sehen) vor. Foto: Schneider / ZVW

Kernen-Stetten. Postfiliale, Tourist-Info und kleines Lädle in einem – seit Jahren träumt Ebbe Kögel von einem Dorfbüro. Ideal fände der Gemeinderat als Standort die ehemalige Kreissparkassenfiliale. Bürgermeister Stefan Altenberger hält nach wie vor nichts von der Idee – und hat andere Pläne für die leerstehenden Räume: Er möchte die neue Ortsmitte mit Gastronomie beleben. Die Planungen dafür sind bereits weit fortgeschritten.

Die Vorstellung begeistert Stefan Altenberger: ein geselliger Feierabend im Freien, ein Teller mit Schinken, Speck oder Käse, ein Gläschen Wein mit Freunden an der steinernen Theke vor dem bewirteten Außenbereich eines Lokals – Südtiroler Flair in der Stettener Ortsmitte. Am Nachmittag gibt es Kaffee, Kuchen und Eis, am Abend kleinere Speisen. Was in Rommelshausen mit dem Café Merlin gelungen ist – den Ort zu beleben –, soll auch in Stetten funktionieren. Denn mit Ladengeschäften, sagt Altenberger, sei das nicht mehr zu schaffen.

Und mit einem Dorfbüro, wie es Ebbe Kögel sich wünscht, schon gar nicht.

Aktueller Anlass: Das erneute Ende der Post in Stetten

Denn auch der Bademeister, Heimatforscher und Gemeinderat Ebbe Kögel hat eine Idee, die ihm am Herzen liegt: ein „Dorfbüro“ für Stetten. Immer wieder bringt er den Vorschlag ins Spiel – jüngster Anlass: das Ende der Post in Irmgard Möhlmanns Gardinenladen. „In regelmäßigen Abständen vollzieht sich in Stetten dasselbe kleine Drama“, sagt Kögel. „Die eigenen Postämter werden systematisch geschlossen und stattdessen sogenannte Franchise-Unternehmer in Postagenturen beschäftigt.“ Weil deren Vergütung so gering sei, drehe sich das Post-Karussell immer weiter. Kögels Lösung: die Post im Dorfbüro. Der „ideale Standort“: die ehemalige KSK-Filiale. „Für die Kreissparkasse wäre das ja perfekt, die könnten ihren Automaten stehen lassen.“

Bürgermeister will Gastronomiebetrieb

Kögel hat sich für seinen jüngsten Vorstoß also genau die Räume in der Seedammstraße 4 ausgesucht, die der Bürgermeister erst kaufen und dann an motivierte Gastronomen weiterverpachten möchte.

Die Planungen dafür sind im Rathaus bereits weit fortgeschritten, sie wurden dem Gemeinderat aber bislang nur hinter verschlossenen Türen vorgestellt. Sogar mit möglichen Gastronomen hat Altenberger schon gesprochen. In den Räumen wäre nach dem Umbau wohl Platz für rund 75 Gäste, für noch einmal so viele im Außenbereich. Mit den Eigentümern der Wohnungen über der ehemaligen Sparkassen-Filiale hat die Gemeinde Kontakt aufgenommen. Könnte deren Protest zum Stolperstein werden? Altenberger sagt: „Ich gehe davon aus, dass in der Klosterstraße niemand bis in die Nacht hinein sitzen wird. Wenn die Leute gegessen haben, gehen sie in der Regel nach Hause.“ Das zeigten die Erfahrungen bei so gut wie allen Gastronomiebetrieben in Kernen. „Spätestens um 22 Uhr soll an diesem Platz Ruhe einkehren.“ Außerdem: Bei der Bürgerbeteiligung zum Umbau der Klosterstraße hätten die Stettener die Idee unterstützt.

Altenberger: Kögels Vorschlag ist "unausgegoren"

Kögels Vorschlag vom Dorfbüro hingegen kann Stefan Altenberger nicht mehr hören: „Unausgegoren“ sei das Konzept und „unwirtschaftlich“.

Kögel gibt zu: „Natürlich wäre das Dorfbüro ein Zuschussbetrieb.“ Aber die Kosten müsste die Gemeinde ja nicht alleine schultern, Stichwort: „Mischfinanzierung“. Nach Zuschussmöglichkeiten halte er ebenfalls Ausschau. Im Dorfbüro könnten neben dem Postbetrieb Wein und Gemüse aus dem Ort verkauft werden, Verwaltungsstellen von Vereinen, der Remstal-Route oder des Remstalwerks eingerichtet werden und die Sprechstunden der Seniorenlotsin stattfinden. Betreut würde es von mehreren Teilzeitkräften, die je nach Bedarf mehr oder weniger arbeiteten. Im Übrigen sei der Marketingwert der Aktion nicht zu unterschätzen: „Das ist ein Modellprojekt.“


Wahlkampfthema

Im Kommunalwahlkampf des Parteifreien Bündnisses (PFB), das Ebbe Kögel mitgegründet hat, spielt das Dorfbüro zum wiederholten Mal eine Rolle: Am Montag, 25. März, von 20 Uhr an im Museum unter der Yburg in Stetten stellt Sabine Rüdele auf Einladung des PFB das Bürgerbüro „Komm-In“ der 3000-Einwohner-Gemeinde Sternenfels bei Pforzheim vor. Rüdele ist die Managerin des „Komm-In“, in dem Einwohnermeldeamt, Postfiliale, Geldautomat und ein kleiner Laden untergebracht sind.

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