Kernen-Rommelshausen 40 Fahrradboxen für den Bahnhof

So könnten die Fahrradboxen am Bahnhof Rommelshausen aussehen. Foto: Uli Glasemann / Kienzler Stadtmobiliar Foto: Uli Glasemann / Kienzler Stadtmobiliar

Kernen-Rommelshausen. Ein weiteres Gartenschau-Projekt kommt ins Rollen: Nachdem am Dienstag die Bauarbeiten am Bahnhof Rommelshausen begonnen haben, steht nun fest: Die dort geplante Mobilitätsstation wird mit 40 Fahrradboxen ausgestattet. Das beschloss der Gemeinderat am Donnerstag nach langer Diskussion einstimmig.

Bereits im Sommer 2017 stand die Fahrradunterbringung am Bahnhof Rommelshausen auf der Tagesordnung des Gemeinderats. Nach etlichen Sitzungen und reichlich Diskussion entschied sich der Rat in seiner jüngsten Sitzung nun einstimmig für 40 Fahrradboxen. Ihren Platz werden sie zwischen Kiosk und S-Bahn-Unterführung finden. Momentan befinden sich dort Parkflächen. Die Alternative, ein Bike-Tower (sprich: Fahrradturm), ist damit vom Tisch.

Gemeinde muss für Boxen rund 48 100 Euro zahlen

Die Boxen der Firma Kienzler Stadtmobiliar kosten rund 84 100 Euro netto. Nach Abzug der Fördermittel nach Landesgemeindefinanzierungsgesetz, die 36 000 Euro betragen, bleiben für die Gemeinde Kosten von rund 48 100 Euro, teilt Tiefbauleiter Ralf Bulling mit. Die Tiefbaukosten sind laut Bauamtsleiter Peter Mauch im Preis enthalten. Wenn es für die Gemeinde nach Plan läuft, sollen die Boxen bis zum Beginn der Remstal-Gartenschau im Mai stehen.

Wersch zum Turm: „Das Ding hat Charme, aber der Preis ist zu hoch“

Zu Beginn der Sitzung stellte Ralph Geyer von den Zoll-Architekten einen Vergleich zwischen Bike-Tower und Fahrradboxen vor. Der einzig ausschlaggebende Unterschied hier: der Preis.

Das Angebot für den Bike-Tower lag bei Nettokosten von 584 000 Euro, das Angebot für Boxen bei 126 155 Euro. Andreas Wersch, Fraktionsvorsitzender der CDU, zeigte sich angetan vom Bike-Tower. Trotzdem äußerte er sich direkt zu Anfang der Debatte mit klaren Worten: „Das Ding hat Charme, aber der Preis ist zu hoch.“

Box muss gebucht und bezahlt werden

Eine einfache Bedienung und die Möglichkeit, die Polygo-Karte zu nutzen, waren für die Gemeinde ebenfalls wichtige Kriterien für die Abwägung. Zur Auswahl standen die beiden folgenden Varianten: Um sein Fahrrad in eine der Boxen der Firma Kienzler Stadtmobiliar zu stellen, müssen Nutzer sich auf einer Plattform anmelden. Nachdem die Box gebucht und bezahlt wurde, erhalte der Nutzer einen Code, erklärte Geyer. Diesen könne er an zwei Terminals, die neben den Boxen angebracht sind, eingeben. Dann öffne sich die Box – im Prinzip wie bei einer DHL-Packstation. Die Zugriffszeiten hingen vom Nutzer ab: Da es nur zwei Terminals gibt, wächst die Schlange der Wartenden, je länger der Nutzer braucht.

Der Bike-Tower der Firma Nussbaum Technologies hingegen sei mit einer Polygo-Karte nutzbar. Er biete zwei Eingänge mit sechs Zugängen. Zwölf Personen könnten also gleichzeitig auf ihr Fahrrad zu greifen.

Altenberger: "Wir wollen zukunftsorientiert sein"

Trotzdem überzeugte nicht der Turm, sondern die Boxen. Ein Punkt, der bei Gemeinderäten für Bedenken sorgte, war das Stichwort „Störungen“: Hans Dietzel (UFW) merkte kritisch an, ob ein Bike-Tower nicht zu anfällig für Störungen wäre. Sein Vergleich: die Aufzüge an den Bahnhöfen der Deutschen Bahn. Für ihn war klar: In Frage kommen nur die Boxen, kein Bike-Tower.

Für den Fall, dass die Wahl trotzdem auf die Turmlösung fällt, regte Ebbe Kögel (PFB) an, dass nicht in jede Box eine Ladestation für E-Bikes integriert werden müsse: „Mit zehn anzufangen, ist genug.“ Sein Argument: „Man fährt nicht mit dem E-Fahrrad zum Bahnhof“ – sondern direkt zum Arbeitsplatz. Eher würden normale Fahrräder in den Boxen abgestellt werden. Ralph Geyer zufolge wären zehn Lademöglichkeiten für Akkus von E-Bikes in der Fassade des Turms vorgesehen gewesen. Außerdem sollte es in jeder Box Lademöglichkeiten geben. Stefan Altenberger befürwortete das: „Wir wollen zukunftsorientiert sein.“ Schwierig umzusetzen sei das Ganze ja nicht: „Da kommt halt überall eine Steckdose rein.“

Bewusst weniger Stellplätze als ursprünglich vorgesehen

Eine Änderung ergab sich im Laufe der Sitzung: Geplant waren 60 Stellplätze, sowohl für den Tower als auch für die Boxen. Doch im Gemeinderat überwog die Meinung, dass so viele Plätze nicht benötigt werden. „60 ist wirklich zu hoch“, sagte Hans Dietzel. Mit 20 bis 30 Boxen zu starten, das sei plausibel. „Die Boxen kann man ja immer wieder aufbauen.“ Auch sein Fraktionskollege Heinz Heß fragte: „Woher wissen wir, dass 60 Plätze wirklich benötigt werden?“ Er plädierte dafür, mit 30 oder 40 Boxen anzufangen und dann bei Bedarf möglicherweise aufzustocken.

Bürgermeister Stefan Altenberger berichtete daraufhin, die Gemeinde habe eine Umfrage durchgeführt. Diese zeige, dass die Bürger die Fahrradabstellmöglichkeiten auch nutzen würden, wenn sie vorhanden wären.

Genaue Zahlen nannte er jedoch nicht; die Ergebnisse seien noch nicht ausgewertet, erklärte der Schultes.


Angst vor Graffiti

Während der Diskussion um Bike-Tower oder Fahrradboxen wurden in den Parteien Bedenken laut, dass die Boxen mit Graffiti besprüht werden könnten.

Bürgermeister Stefan Altenberger schlug vor, die Abstellelemente mit Folien zu bekleben. Bettina Futschik (PFB) schlug vor, die Boxen bewusst mit Graffiti zu besprühen. „Wir haben einige gute Leute im Ort hier.“

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