Kernen-Rommelshausen "Das System macht die Vereine kaputt"

Das „CRP“ (Classic, Rock und Pop) des Musikvereins Rommelshausen steht auf der Kippe. Für die Veranstaltung aus dem Jahr 2017 müssen die Musiker ordentlich Steuern berappen, weil sie über den Freistellungsbetrag für Vereine geraten sind. Foto: ZVW/Benjamin Büttner

Kernen-Rommelshausen.
Das Classic-, Rock- und Pop-Konzert in Rommelshausen (kurz: CRP) lockt Jahr für Jahr Hunderte, bei gutem Wetter auch mal deutlich mehr als 1000 Musikfans an. Es ist das größte Konzert des Musikvereins Rommelshausen – eine echte Goldgrube, könnte man meinen. Schließlich trinken die Besucher Bier und essen Würstchen, alle Einnahmen fließen in die Vereinskasse. Doch das Konzert ist in Gefahr. Denn das Fest rechnet sich kaum. Grund dafür sind Steuern, die den Gewinn übersteigen. Die Musiker starten jetzt einen Rettungsversuch.

Der Vorsitzende des Musikvereins Josef Gschwandl (57) übt deutliche Kritik am Staat: „Die Kosten steigen immer weiter, doch der Freibetrag für Vereine ist seit der Einführung des Euros gleich geblieben.“ Dieser Freibetrag liegt bei 35 000 Euro Umsatz pro Jahr. 2017, als das CRP-Konzert besonders gut besucht war, hat der Musikverein diese Grenze überschritten. Deshalb zahlt der Verein jetzt drauf: in Summe fast 7000 Euro an Gewerbe- und Körperschaftssteuern. Zu den Einnahmen beim CRP kamen laut Gschwandl auch die Umsätze aus der Römer Kirbe und durch das verpachtete Vereinsheim. Die fälligen Steuern könnten dadurch aber nicht gedeckt werden.

Bei schlechtem Wetter fällt der Gewinn aus, die Kosten bleiben

Das Problem: Finanziert wurde das Konzert in der Vergangenheit hauptsächlich durch Sponsoren, Firmen aus Kernen und Umgebung, die dafür ihren Namen auf den großen Plakaten des Vereins wiederfanden. Das Geld, dass die Römer Musiker von den Firmen bekamen, mussten sie als Einnahmen beim Finanzamt anmelden. Das heißt: Jeder Euro, der in die Veranstaltung floss, brachte den Verein näher an die Obergrenze des Freibetrags.

12 000 bis 15 000 Euro kostet das CRP laut Gschwandl insgesamt. Rund 2000 bis 3000 Euro Gewinn macht der Verein in einem guten Jahr. Das Wetter birgt ein großes Risiko: Im verregneten Frühsommer 2019 hat der Musikverein kaum etwas verdient. „Eintritt können wir nicht verlangen, das birgt die Gefahr, dass wir in die Steuerfalle tappen“, sagt Gschwandl. Passierte das trotzdem, wie 2017, machten die Musiker Miese.

„Das ganze System macht die Vereine kaputt“, schimpft Gschwandl. Wenn sich nichts ändere, werde es Feste wie die Kirbe und Konzerte wie das CRP irgendwann nicht mehr geben. Was schade wäre, denn: „Das sind immerhin zwei Veranstaltungen, die für das Gemeinwesen in Kernen nicht zu unterschätzen sind.“

„Müssten Steuern bezahlen, die höher wären als der Gewinn“

Die Lösung des Vereins lautet vorerst: Schwarmfinanzierung, englisch: Crowdfunding. Auch bisherige Sponsoren will Gschwandl dazu bringen, wenigstens einen Teil ihres Beitrags nicht ins Sponsoring der Veranstaltung zu stecken, sondern den Musikern als Spende zukommen zu lassen, die nicht an einen bestimmten Zweck gebunden ist. Solche Spenden zählen nämlich nicht zu den wirtschaftlichen Einnahmen, die über der Grenze von 35 000 Euro steuerpflichtig werden. Eine andere Möglichkeit wäre laut Gschwandl gewesen, eine Art Förderverein zu gründen, um die Lasten zu verteilen.

Auf einem Flugblatt, das überschrieben ist mit „CRP 2020 in Gefahr“ werben die „Römer“ für die Crowdfunding-Kampagne die sie jetzt ins Leben gerufen haben. „Da die Kosten immer weiter steigen, der Freibetrag für Vereine vom Staat jedoch seit Einführung des Euro gleich geblieben ist, kommen wir über den Freibetrag und wir müssten Steuern bezahlen, die wesentlich höher wären als der Gewinn beim CRP.“ Deshalb müssten die fehlenden Gelder über Spenden ausgeglichen werden. Im Netz auf www.gut-fuer-den-rems-murr-kreis.de haben die Musiker die Spendenaktion „Unterstützung für unser CRP-Open-Air-Konzert“ eingerichtet. 4000 Euro sollen so zusammenkommen, die ungefähr die Differenz zwischen Gewinn und Steuern decken könnten.

Josef Gschwandl und sein Verein sind zuversichtlich, dass das beliebte Konzert gerettet wird – und wie geplant am 20. Mai bei Getränke Seefried stattfindet.

  • Bewertung
    9
Der ZVW Morgen-Newsletter

Gut informiert in den Tag starten. Einfach kostenlos anmelden.

Heute in Ihrer Tageszeitung

Lust auf mehr?

Lesen Sie Ihre Zeitung immer und überall digital: Hier ePAPER-Angebote entdecken!