Kernen-Rommelshausen Die Pfadfinder halten zusammen

Stammesführer Jannis Wahl (links) und Linus Mehl haben mit ihrem Stamm eine Vogelscheuche gebastelt und einen Bauwagen eingerichtet. Foto: ZVW/Benjamin Büttner

Kernen-Rommelshausen. Auf ihrem Stückle nahe dem Saint-Rambert-Stadion haben 13 Pfadfinder aus Rommelshausen am Stammestag gemeinsam geschafft und gespielt. Am vergangenen Samstag bauten sie Himbeeren an, bemalten ihren Bauwagen mit dem Stammeszeichen und bauten eine Vogelscheuche. Die älteren „Pfadis“ berichten, was sie noch immer an ihrem Hobby fasziniert.

Sie gehen zur Berufsschule oder studieren, doch mit ihrem Stamm halten sie Kontakt: Für die 22 Mitglieder der christlichen Pfadfinder des Stamms „Armer Konrad“ stehen Werte wie Teilen, Zusammenhalt und Verlässlichkeit im Vordergrund. „Die Gemeinschaft ist am wichtigsten“, sagt der 19-jährige Stammesführer Linus Mehl. Wöchentlich treffen sie sich in ihren Meuten, mindestens einmal im Jahr geht es auf große Fahrt.

Die meisten der Pfadfinder kommen über die Familie zum Hobby, berichtet Jannis Wahl, ebenfalls Stammesführer. „Wenn’s einem gefallen hat, ist man geblieben.“ Der 19-Jährige ist seit 2011 dabei. Was ihm daran gefällt? „Man bekommt ganz andere Vorstellungen, das Bewusstsein verändert sich.“ Denn wenn sie wandern gehen, verzichten sie beispielsweise auf Handys. Auch ein warmes Bett und Essen werden zu Luxusgütern. „Man freut sich über komische Sachen, wie warmes Essen“, sagt Jannis Wahl und schmunzelt.

Stammesführer Jannis Wahl: „Es wird viel geteilt bei den Pfadis“

Meist gehen die Pfadfinder für rund zehn Tage auf Wanderschaft. Das Programm: „Einfach laufen und sich gemeinsam beschäftigen“, sagt Jannis Wahl. Fragen, die sie sich stellen, sind: „Wie wird’s heute Nacht? Wo werden wir schlafen?“ Die Stammesführer entscheiden. „Tolle, aber auch unangenehme Momente“ haben sie dabei schon erlebt. Jannis Wahl erzählt: „Wir haben im Wald geschlafen. Auf einmal hat es angefangen zu stürmen, die Bäume haben geschaukelt. Wir haben uns überlegt: Wie wird es ausgehen?“ Für ihn ist klar: „Situationen wie diese schweißen zusammen.“

„Es wird viel geteilt bei den ,Pfadis‘. Wenn man kein Wasser mehr hat, dann teilt man“, berichtet Jannis Wahl. Sein 21-jähriger Bruder Lucian Wahl bestätigt: „Die Erlebnisse, die man hat, bleiben ewig in Erinnerung.“ Für ihn entstehen dadurch besondere Freundschaften.

„Wir wollten einfach was Eigenes aufbauen“

Mit den jungen Mitgliedern wandern die Stammesführer fünf bis zehn Kilometer, die älteren schaffen 15 bis 20 Kilometer am Tag. „Das erste Mal mit Rucksack war schon schwer“, erinnert sich Linus Mehl, der gemeinsam mit Jannis Wahl angefangen hat. Die Pfadfinder schlafen im Zelt oder unter dem Sternenhimmel. Gekocht wird auf dem Feuer. Nach getaner Arbeit wird gemeinsam musiziert, mit Gitarre und Gesang, und Karten gespielt. In Polen und Frankreich waren sie schon gemeinsam, sagt Linus Mehl. „Man trifft auch Pfadfinder aus anderen Ländern, wenn man unterwegs ist“, berichtet Lucian Wahl. Im Bundeslager, ein Zeltlager organisiert vom Bund der Pfadfinderinnen und Pfadfinder (BdP), haben sie „Pfadis“ aus dem Libanon und aus Weißrussland kennengelernt. Fast in allen Ländern der Welt gibt es Pfadfinder, laut BdP sind es rund 50 Millionen.

Für Felix Wiegmann hat das Pfadfinden noch eine weitere Bedeutung: Bei Kindern, die aus schwierigen Verhältnissen kommen oder verwöhnt seien, habe er große Entwicklungen miterlebt. „Aus denen sind klasse Menschen geworden.“

Der 22-jährige Felix Wiegmann ist Mitbegründer des Stamms „Armer Konrad“. Der Stammesname bezieht sich auf den im Jahr 1514 stattgefundenen Bauernaufstand im Remstal. Bis Ende 2012 gehörten die Rommelshausener Pfadfinder zum Waiblinger Stamm „Weibilo“. Dann spalteten sie sich ab. Jannis Wahl begründet: „Wir wollten einfach was Eigenes aufbauen.“


Aufbau des Stamms

Der Stamm „Armer Konrad“ gehört zum Gau Wirtemberg.

Sieben- bis elfjährige Kinder sind in einer Meute, eine Sippe besteht aus Kindern ab zwölf Jahren. Circa alle zwei Jahre gibt es eine neue Sippe.

Nachdem die Mädchen aus der Rommelshausener Meute zwölf Jahre alt sind, wechseln sie zum Stamm Agnes nach Waiblingen. Der Stamm „Armer Konrad“ besteht nur aus männlichen Mitgliedern.

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