Kernen-Rommelshausen Wo bleiben die Fahrradboxen am Bahnhof?

Die Fahrradständer am Bahnhof Rommelshausen bleiben voll. Zumindest bis 40 Fahrradboxen auf einem fertig angelegten Platz neben den Parkplätzen, im Hintergrund zu sehen, aufgestellt werden. Foto: ZVW/Sebastian Striebich

Kernen-Rommelshausen.
Der Platz für die Fahrradboxen am Bahnhof Rommelshausen ist fertig – nur von den Boxen fehlt jede Spur. Als Abstellmöglichkeiten dienen den Fahrgästen am Bahnhof momentan einige Fahrradbügel, die ausgiebig genutzt werden. Im Oktober hieß es von der Gemeinde, dass die Boxen „zeitnahe“ aufgestellt werden – wo hakt es? „Die Gemeinde befindet sich in Abhängigkeit“, sagt Bauamtsleiter Peter Mauch.

Mit Leitungen ausgestattet und asphaltiert ist der Platz neben den Parkplätzen bereits seit November. Drei Flächen bedeckt ein wasserdurchlässiger Beton, auf dem die 40 Fahrradboxen bald stehen sollen. Rundherum wird eine Hecke gepflanzt, auch ein Baum soll den Platz etwas begrünen. In die grünen Rohre, die momentan noch aus dem Boden ragen, werden Leitungen für einen Internetzugang und Strom verlegt, erklärt Ralf Bulling, Sachgebietsleiter Tiefbau, auf Nachfrage. Die Boxen werden an das Internet angeschlossen, da die Buchung über ein Online-Portal erfolgt. Der Strom wird für das Licht im Innern der Box benötigt – das geht an, wenn jemand die Tür öffnet. Außerdem soll es in zehn der 40 Boxen möglich sein, den Akku eines E-Bikes zu laden.

Eigentlich ist also alles vorbereitet. Jetzt wartet die Gemeinde nur noch auf die Lieferung der Firma Kienzler Stadtmobiliar. Bauamtsleiter Mauch sagt, die Lieferung der Boxen sei den Kernenern im ersten Quartal 2020 in Aussicht gestellt worden – sprich: bis Ende März.

Ein Fahrradturm war den Gemeinderäten zu teuer

Bereits im Sommer 2017 hatten Stellplätze für Fahrräder am Bahnhof Rommelshausen den Gemeinderat beschäftigt. Nach etlichen Sitzungen und reichlich Diskussion hatte sich der Rat im Frühjahr 2019 einstimmig für 40 Fahrradboxen entschieden. Die Alternative wäre ein Bike-Tower (Fahrradturm) gewesen, den die Verwaltung unter Ex-Bürgermeister Stefan Altenberger favorisiert hätte. Dem Gemeinderat war dieser aber mit rund 584 000 Euro zu teuer gewesen. Im Vergleich: Der Gemeindeanteil an den Fahrradboxen soll rund 48 000 Euro kosten.

Testphase: Bei schlechtem Wetter fällt die Anzeige aus

Neu am Bahnhof sind zwei solarbetriebene Anzeiger an den Bushaltestellen. Sie zeigen die nächsten fünf Abfahrten in Echtzeit für den Fahrgast an – meistens. Manchmal fallen sie aus, dann liest der Fahrgast auf der Info-Tafel nur: „Bitte Aushangfahrplan beachten“. Das war zum Beispiel am Mittwoch der Fall.

Momentan befinden sich die Anzeiger in einer Testphase, in der sie auf Lesbarkeit und Verständlichkeit geprüft werden. Auch technische Funktionen werden getestet.

Der Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart (VVS) will außerdem herausfinden, wie groß die Solarpanels sein müssen, um die Anzeiger mit ausreichend Strom zu versorgen. Laut Ulrike Weißinger vom VVS sind insgesamt 480 solcher Anzeiger im Verbundsgebiet neu aufgestellt worden, viele davon werden mit Sonnenenergie betrieben. Sie sind mit unterschiedlich großen Solarplatten ausgestattet – was wiederum den Ausfall in Rommelshausen am Mittwoch erklärt.

Durch den wolkenverhangenen Himmel Anfang der Woche sei die Batterie nicht ausreichend geladen worden, erklärt Weißinger. Dem VVS wird solch eine Störung zwar angezeigt, dagegen machen kann er aber nichts – außer zu warten, bis die Sonne wieder scheint. Inzwischen läuft der Anzeiger wieder.

Nach der Testphase, die im Mai endet, entscheiden sich alle Gemeinden und Städte, die neue Anzeiger aufgestellt haben, für eine einheitliche Größe von Solarpanels. Falls dann noch Störungen auftreten, kümmert sich eine Wartungsfirma darum, sagt Weißinger. Rund 1200 Euro hat der Gemeinderat beim Beschluss für die Anschaffung der Anzeiger im Februar 2019 für die jährliche Wartung kalkuliert. Rund 30 000 Euro sind für die Info-Tafeln an Ausgaben geplant. Weitere vier Anzeiger sollen kommen – an den Haltestellen Karlstraße, Diakonie und Klosterstraße. An der Haltestelle Diakonie sollen außerdem TTS-Taster angebracht werden. Diese bieten eine Vorlesefunktion für sehbehinderte Menschen.

Mit den Boxen ist es noch lange nicht getan

Insgesamt kostet der Umbau des Bahnhofs zur „Mobilitätsstation Rommelshausen“ knapp 590 000 Euro. Nachdem bereits der Bahnhofsvorplatz saniert wurde, fehlen jetzt noch drei Elemente: eine virtuelle Fahrplanauskunft, eine Info-Stele, auf der Abfahrtszeiten von Bussen, ein Stadtplan und Veranstaltungen gezeigt werden sollen, und die Fahrradboxen. Wann der Bahnhof fertig ausgestattet ist, lässt sich momentan nicht sagen. Zumal es damit nicht getan ist.

Der nächste große Umbau am Bahnhof ist für 2022 geplant (wir berichteten). Die Bahn muss etwas gegen den großen Spalt zwischen Zug und Bahnsteig unternehmen. Dafür haben sich zahlreiche Politiker und Bürger starkgemacht. Immer wieder hatten sich in Rommelshausen gefährliche Unfälle beim Ein- und Aussteigen ereignet.

Ob der Umbau die Situation allerdings wirklich verbessert, bezweifelt sogar die Bahn selbst – aufgrund der Kurvenlage, in der sich der Bahnhof nach wie vor befinden wird.

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