Kernen So kam es zum siebenstündigen Stromausfall

An einer Tankstelle am Ortseingang Rommelshausen sitzen Freunde am Montagabend im Licht ihrer Autos beisammen. Foto: Striebich / ZVW

Kernen. Bis zu sieben Stunden lang war es in Kernen am Montagabend zappenduster. Viele Haushalte in Stetten und Rommelshausen hatten erst in den frühen Morgenstunden wieder Strom. Bei der Diakonie musste die Feuerwehr aushelfen. Schuld war eine defekte Mittelspannungsleitung. Geschäftsführerin Gabriele Laxander kündigt Investitionen ins anfällige Stromnetz an.

Als gegen 19.30 Uhr die Lichter ausgegangen waren, griffen viele Kernener zum Smartphone: „Kein Strom in Stetten“ meldete ein Facebook-Nutzer in der Kernen-Gruppe des Sozialen Netzwerks um 19.36 Uhr. Der erste Kommentar: „In Rommelshausen auch nicht“. Einer witzelte: „Babyboom in neun Monaten?“ Andere konnten sich nicht an der Diskussion beteiligen – der Stromausfall legte vorübergehend auch Handynetze lahm. Spätestens hier hatte der Spaß für viele ein Ende: Was, wenn sie nun einen Notruf absetzen müssten?

Feuerwehr musste zur Diakonie Stetten ausrücken

Auch in der Diakonie Stetten war niemandem zu Scherzen zumute: Das Notstromaggregat sprang nicht an. Dabei sind manche Diakonie-Bewohner zur Überwachung ihres Gesundheitszustandes an elektronische Geräte angeschlossen. Die Feuerwehr eilte zur Hilfe, versorgte die Einrichtung mit Strom aus einem Rüstfahrzeug und half, den Aggregator anzuwerfen. „Sehr dankbar“ zeigte sich Diakonie-Pressesprecher Steffen Wilhelm am Tag darauf: „So etwas bringt uns schon in eine schwierige Situation.“

Gespenstische Stimmung

Nicht alle Kernener Haushalte waren ohne Strom. Aber im Nordosten von Stetten und im Südwesten von Rommelshausen herrschte in den Gassen gespenstische Stimmung – es war zappenduster. Nur hier und da huschte hinter der Fensterscheibe eines Wohnhauses der Lichtkegel einer Taschenlampe durch den Raum.

Erst um kurz vor 2.30 Uhr sind die letzten Kernener wieder am Netz

Wer die Notfallnummer des Remstalwerks wählte, tappte häufig im Dunkeln: Zwar saß Geschäftsführerin Gabriele Laxander nach eigenen Angaben persönlich am Apparat und nahm noch bis spät in die Nacht Anrufe entgegen. Eine Bandansage mit aktuellen Informationen oder auch nur der Versicherung, dass sich das Remstalwerk um den Ausfall kümmere, hatte der Stromanbieter aber nicht geschaltet – so ertönte für viele Anrufer lediglich das Belegt-Zeichen oder eine Ansage, dass alle Mitarbeiter im Gespräch seien.

Es dauerte ganze sieben Stunden, bis kurz vor 2.30 Uhr am Dienstagmorgen das Licht auch bei den letzten Betroffenen zurückkehrte – und so manchen von ihnen aus dem Schlaf riss.

Stetten und Rommelshausen zum Teil an gleicher Leitung

„Das ist schon unschön. Das müssen wir gut analysieren“, sagt die Remstalwerk-Geschäftsführerin. Offenbar hatte ein Erdschluss im Mittelspannungsnetz die Teilabschaltung des Stromnetzes ausgelöst. Sowohl das Ortsnetz Rommelshausen als auch Stetten werden vom Umspannwerk in Rommelshausen versorgt. Beide Orte sind zum Teil an dieselbe Leitung angeschlossen. Laxander erklärt den stundenlangen Ausfall mit der Größe des betroffenen Netzes. Mechaniker hätten sich sofort auf die Fehlersuche begeben – und zwar zunächst in Stetten, von wo die meisten Störungsmeldungen eingegangen seien. Mühsam hätten sie sich auf der Suche nach dem unterirdischen Schaden von Trafo-Station zu Trafo-Station in Richtung Rommelshausen vorgearbeitet. Sukzessive seien die von diesen Stationen versorgten Haushalte wieder ans Netz genommen worden. Im Bereich des Kreisels am Ortseingang, in der Nähe der Agip-Tankstelle, sei der Fehler schließlich lokalisiert worden. Gabriele Laxander vermutet, dass ein beschädigtes Kabel mit Wasser in Kontakt gekommen ist – was zu einer Art Kurzschluss führte.

Remstalwerk-Geschäftsführerin kritisiert Vorgänger EnBW

Dass Teile des Kernener Stromnetzes erneuert werden müssen, gibt die Remstalwerk-Geschäftsführerin offen zu. Verantwortlich für den schlechten Zustand der Leitungen macht sie aber die EnBW, von der das Remstalwerk das Netz Anfang 2017 übernommen hat: „Da hätten in den vergangenen Jahren ein paar Investitionsentscheidungen anders getroffen werden müssen“, sagt sie. Stattdessen seien die maroden Leitungen wohl ein ums andere Mal nur geflickt worden. Die versäumten Investitionen will Laxander nun nachholen. Eine neue Mittelspannungsleitung in Stetten sei nach dem größeren Ausfall im April (siehe Infokasten) nur deshalb noch nicht verlegt worden, weil die Gemeinde wegen aktueller Bauarbeiten um Aufschub gebeten habe.

Heißer Draht zum Remstalwerk soll verlässlicher werden

Und nicht nur in die Stromleitungen will Laxander investieren, auch der heiße Draht zum Remstalwerk soll im Störungsfall verlässlicher werden: sie sei diesbezüglich mit einem Dienstleister im Gespräch, um eine bessere Erreichbarkeit zu gewährleisten, so die Geschäftsführerin.

Eine bessere Krisenkommunikation forderten viele der frustrierten Kunden in der Facebook-Gruppe. Einer schimpfte: „Das ist absolut nicht zumutbar, was die abliefern.“


Stromausfälle

Mit dem kurzen Stromausfall genau eine Woche zuvor in Stetten rund um den Kirchplatz habe der jetzige Ausfall nichts zu tun, sagt Remstalwerk-Geschäftsführerin Gabriele Laxander. Ein Bagger hatte eine Niedrigspannungsleitung beschädigt.

Der Gau von diesem Montagabend ist allerdings der zweite größere Stromausfall in diesem Jahr, der in der Bevölkerung große Zweifel an der Stabilität des Netzes aufwirft. Erst Ende April hatte ein Stromausfall das Stettener Netz lahmgelegt.

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