Kernen Spvgg Rommelshausen will sich professionalisieren

René Marek, Peter Hörterich und Herbert Hagenlocher (von links) im Sportpunkt. Die Vorstandsmitglieder wollen die Sportvereinigung Rommelshausen professionalisieren und für die Zukunft rüsten. Foto: ZVW/Sebastian Striebich

Kernen-Rommelshausen. Es ist in vielerlei Hinsicht ein Spagat, den sich die Sportvereinigung Rommelshausen für ihr Zukunftsprojekt „Spvgg 2025“ vorgenommen hat: zwischen traditionellen und professionellen Strukturen, Gesamtverein und Abteilungen, Haupt- und Ehrenamt, Stadion und Sportvereinszentrum. Der „Sportpunkt“ soll jedenfalls nur der erste, große Schritt nach vorne gewesen sein, wie die Vorstandsmitglieder Herbert Hagenlocher, Peter Hörterich und René Marek betonen.

„Es gilt auch, die Tradition zu berücksichtigen. In 111 Jahren ist eine ganze Menge passiert“, sagt Peter Hörterich, der geschäftsführende Vorstand der Sportvereinigung Rommelshausen (Spvgg). Er sitzt im Besprechungsraum des neuen Sportvereinszentrums „Sportpunkt“, diesem hellen, modernen, fast vier Millionen Euro teuren Fitnesscenter, das im Januar eröffnet wurde. Von 111 Jahren Tradition ist hier naturgemäß wenig zu sehen, die sucht man wohl besser auf dem einen Kilometer entfernten Vereinsgelände beim Stadion in der Kelterstraße. Dafür gibt es hier Sportgeräte, die sich automatisch auf die richtige Sitzhöhe einstellen, wenn der Kunde seinen persönlichen Chip einsteckt. Es folgt Hörterichs „Aber“ zum Thema Tradition: „Wir dürfen nicht stehen bleiben oder Dinge beibehalten, die nicht mehr funktionieren.“

Sportvereinigung will der „erste Ansprechpartner“ für die Bürger sein

Auf der Mitgliederversammlung Ende Mai hat der Vorstand das Projekt „Spvgg 2025“ vorgestellt, in dessen Zuge der Verein sich professionalisieren und für die Zukunft rüsten möchte. Die Initiative steht noch am Anfang, wobei mit dem Sportpunkt und der dort integrierten Geschäftsstelle schon große Schritte gegangen wurden. Das ganz allgemein formulierte Ziel laute, so Hörterich: „Wir wollen für alle Bürgerinnen und Bürger der erste Ansprechpartner sein beim Thema Sport.“

Konkret geht es der Vereinsführung darum, das Sportangebot und die Kooperation mit externen Partnern wie Schulen und Firmen zu erweitern, die Abteilungen intern besser zu vernetzen und moderne, personenunabhängigere Strukturen zu schaffen. Denn wie in vielen Vereinen ist der Erfolg auch in Rommelshausen schwer abhängig von einzelnen, besonders engagierten Ehrenamtlichen.

Reibungspunkte wird es mit Sicherheit geben

Die Funktionäre und Übungsleiter sollen vor allem im administrativen Bereich entlastet werden, damit sie sich auf den Sport konzentrieren können. Beim Thema Datenschutz hat der Verein gute Erfahrungen mit einem externen Dienstleister gemacht. Auch das Finanzwesen könnte in Zukunft in hauptamtliche Hände gelegt werden. Das alles kostet Geld. Deshalb muss die Spvgg, die freilich ein gemeinnütziger Verein bleiben will, eher früher als später Überschüsse erwirtschaften.

Dabei hilft, dass sich im Sportpunkt im ersten halben Jahr bereits rund 600 Mitglieder angemeldet haben. Der Verein hat hier eine ganz neue Zielgruppe erschlossen: diejenigen, die sich nicht an feste Trainingszeiten halten können oder wollen.

Reibungspunkte mit den Abteilungen wird es auf dem Weg zur „Spvgg 2025“ mit Sicherheit geben, das ist den Vorstandsmitgliedern bewusst. Schließlich wird von Fußballern, Leichtathleten und Co. verlangt werden, ihre jahrelang gewachsenen Strukturen zu hinterfragen, anzupassen, gegebenenfalls Souveränität an den Hauptverein abzugeben. Und es könnte durchaus passieren, dass Abteilungen, die kaum noch Mitglieder haben, aber wertvolle Ressourcen binden, generell auf den Prüfstand kommen. Auch Kooperationen mit anderen Vereinen sind in solchen Fällen eine Option.

Eine Entwicklung über die kommenden Jahre hinweg

Doch das ist Zukunftsmusik. Die Abstimmung mit den Abteilungen wird erst im zweiten Halbjahr anlaufen. „Wir hören die Nöte und Sorgen“, sagt der Erste Vorsitzende Herbert Hagenlocher, gerade was die sportliche Infrastruktur angeht. Über die Köpfe der Ehrenamtlichen hinweg soll nichts entschieden werden. René Marek, der im Vorstand für die Kommunikation zuständig ist, betont: „Dieser Prozess wird nicht in drei Monaten abgerissen werden.“ Das werde schon im Projekttitel „Spvgg 2025“ deutlich.

Zunächst einmal soll der Sportpunkt in die Vereinsstruktur integriert werden. Die beiden Zentren Kelterstraße und Stettener Straße sollen die Sportvereinigung nicht auseinanderreißen. Wenn alle an einem Strang ziehen, ist sich die Vereinsführung sicher, wird der Spagat gelingen.


Sportpunkt

Mehr als 2200 Mitglieder hat die Spvgg Rommelshausen mittlerweile, rund 600 Menschen haben mit dem Sportvereinszentrum Sportpunkt eine Nutzungsvereinbarung getroffen. Ausgelastet ist das vereinseigene Fitnesscenter aber noch nicht.

Ohne die Unterstützung der Gemeinde, die mehr als 700 000 Euro zugeschossen hat, hätte der Verein das Sportvereinszentrum nicht bauen können. Allerdings, betonen die Verantwortlichen bei der Sportvereinigung, sei durch den Sportpunkt auch ein Mehrwert für Kernen insgesamt geschaffen worden. „Das ist ein Wettbewerbsfaktor für die Gemeinde“, sagt der geschäftsführende Vorstand Peter Hörterich, insbesondere mit Blick auf das Wohngebiet Hangweide, das bald in direkter Nachbarschaft entstehen soll. Der Verein hofft deshalb auch in Zukunft auf Unterstützung.

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