Kernen Stefan Altenberger wechselt nach Schorndorf

, aktualisiert am 14.02.2020 - 10:44 Uhr
Der ehemalige Kernener Bürgermeister Stefan Altenberger. Foto: ZVW/Gabriel Habermann

Kernen/Schorndorf.
137 Tage nach seiner bittersten Stunde, der Niederlage bei der Bürgermeisterwahl in Kernen, hat Stefan Altenberger wieder eine Wahl gewonnen – wenn auch unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Am Donnerstagabend bestimmte der Schorndorfer Gemeinderat den 55-Jährigen zum neuen Fachbereichsleiter Sicherheit und Ordnung im Schorndorfer Rathaus.

„Wir freuen uns, dass wir mit Stefan Altenberger einen erfahrenen und im Remstal sehr gut vernetzten Kollegen für unsere Stadt gewinnen konnten“, wird Oberbürgermeister Matthias Klopfer in einer Pressemitteilung vom Freitagmorgen zitiert.

Sein neues Amt tritt Altenberger zum 1. April 2020 an. Er wird für die Führung von rund 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zuständig sein. Ihm sind unter anderem die Ortspolizeibehörde und die Straßenverkehrsbehörde sowie die Feuerwehr unterstellt. Altenbergers neuer direkter Vorgesetzter ist der Schorndorfer Erste Bürgermeister Edgar Hemmerich (58).

„Hat schon in Kernen Sicherheit und Ordnung zur Chefsache gemacht“

Hemmerich ist seit 2013 im Amt und kennt Altenberger seit Jahren aus interkommunaler Zusammenarbeit. Die Stelle des Fachgebietsleiters in Schorndorf war seit einiger Zeit unbesetzt: Drei Bewerbungsrunden brachten keinen geeigneten Kandidaten hervor. Laut Hemmerich hat sich Altenberger in der vierten Runde ganz regulär auf die Stelle beworben.

In einem fordernden Auswahlverfahren, bei dem sich die Stadt von einer Personalberatungsfirma unterstützen ließ, setzte sich Altenberger gegen mehrere Mitbewerber durch. Schlussendlich habe die große Erfahrung des Ex-Bürgermeisters den Ausschlag gegeben, sagte Hemmerich unserer Zeitung am Freitag. „Er hat schon in Kernen Sicherheit und Ordnung zur Chefsache gemacht“, Altenberger bringe also „beste Voraussetzungen“ für den anspruchsvollen Job mit. Er, Hemmerich, freue sich über den Neuzugang.

Altenberger war von 2003 bis 2019 Bürgermeister von Kernen. Bei der Wahl am 29. September des vergangenen Jahres wurde er nach 16 Jahren abgewählt. Sein Nachfolger ist Benedikt Paulowitsch (31). Die Abwahl traf Altenberger schwer. Er hatte nach erfolgreichen Jahren an der Verwaltungsspitze und einer spektakulären Remstal-Gartenschau in seiner Gemeinde nicht damit gerechnet, dass sein junger Herausforderer ihm wirklich gefährlich werden könnte. Doch Paulowitsch holte 55 Prozent der Stimmen, Altenberger nur 43,5 Prozent.

"Ihm ist klar, auf was er sich eingelassen hat"

In den verbleibenden Wochen seiner Amtszeit baute Altenberger Überstunden ab und verschwand von der öffentlichen Bühne. Zwei Monate später überraschte der 55-Jährige mit einer Kampfkandidatur in Radolfzell am Bodensee. Beobachter vor Ort räumten ihm höchstens Außenseiterchancen auf den Posten als Beigeordneter ein. Tatsächlich konnte sich Altenberger nicht gegen Amtsinhaberin Monika Laule durchsetzen und kassierte die zweite Wahlschlappe innerhalb kurzer Zeit.

Weniger überraschend ist Altenbergers aktuelle, erfolgreiche Bewerbung in Schorndorf. Dass er bald wieder ins Berufsleben zurückkehren will, hatte Altenberger, der mit seiner Familie in Stetten lebt, schon am Tag nach seiner Abwahl in Kernen angekündigt. Einen Arbeitsplatz in der freien Wirtschaft strebte er nicht an. „Ich bin einfach ein Kommunaler“, sagte der Diplom-Verwaltungswirt unserer Zeitung im vergangenen Herbst.

Ob es für den langjährigen Rathauschef schwierig sein wird, ein Amt in zweiter Reihe zu bekleiden? Darüber sei offen gesprochen worden, sagte Edgar Hemmerich unserer Zeitung. Altenbergers zukünftiger Vorgesetzter ist sich sicher: „Das wird kein Problem sein. Ihm ist klar, auf was er sich eingelassen hat – dass er nicht mehr Bürgermeister ist, sondern Fachgebietsleiter mit vielen wichtigen Aufgaben in einer Großen Kreisstadt.“ Die Situation sei zwar eine besondere, schließlich haben die Männer jahrelang in ganz anderer Konstellation miteinander zu tun gehabt, jedoch keine außergewöhnliche. Es komme immer wieder vor, dass ehemalige Bürgermeister in der Verwaltung anderer Rathäuser eine neue Anstellung fänden.

Stefan Altenberger selbst war am Freitag nicht für eine Stellungnahme zu seinem Engagement in Schorndorf zu erreichen.

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