Kernen-Stetten Risse in der Wand - Ist Baugrube beim Ochsen schuld?

Sohn Alexander Schetter an einer Außenwand: Auch dieser Riss hat einen Marker. Foto: Schechinger

Kernen-Stetten. Der Schaden an Jochen Schetters Haus im Bergweg 4 ist dramatisch. Beigeordneter Peter Mauch zeigte sich nach einem Ortstermin „betroffen. Ich sage, das ist gravierend.“ Denn das Wohnhaus an der Baugrube auf dem früheren Ochsengelände gerät offenbar in Bewegung. Ein Riss in der Bodenplatte des Anbaus, Risse in den Wänden, zudem Fenster und Türen, die schwer oder gar nicht mehr aufgehen: Verursacher ist für Jochen Schetter die abgepumpte Baugrube. Architekt Gerhard Jeggle widerspricht: Die Risse seien alt.

Nach einem Ortstermin in dem beschädigten Wohnhaus Bergweg 4 zeigte sich Bauamtschef Peter Mauch in der TA-Sitzung am Mittwochabend bestürzt. Die vorgefundenen Schäden hätten ihn betroffen gemacht, sagte er. Jochen Schetter hatte ihm im ganzen Haus Risse an den Wänden gezeigt. Beschädigt ist offenbar der Neubau. Nach Schetters Beobachtung rutscht das Gebäude mittlerweile nicht nur zur Baugrube, sondern auch nach Westen. Eine Wand im Erdgeschoss breche ab. Dort hat der Bauinvestor ZBI Wohnen an einer Längswand über der Baugrube einen Marker setzen lassen, der die Bewegungen und Vergrößerungen des Risses misst. Gleich daneben im Eck ist jetzt ein neuer tiefer Riss aufgebrochen, der aus Schetters Sicht anzeigt, dass sich das Haus setzt und diese Verbindungsmauer nach Westen rutscht.

Schetter: Ein Marker zeigt Bewegungen an

Auch im Obergeschoss lassen sich in der Außenwand Risse beobachten. Bauinvestor ZBI hat auch hier im Rahmen der Beweissicherung Marker gesetzt. Ob und inwieweit diese Messstäbe neue Setzungen dokumentieren, ist offen: Laut Bauamtschef Peter Mauch sind nach seinem Kenntnisstand seit Beginn des Erdaushubs keine Veränderungen eingetreten, während Jochen Schetter das Foto eines Markers zeigt, der eine deutliche Verschiebung des Farbprofils erkennen lässt. Architekt Gerhard Jeggle sagte gestern, der zur Sicherung der Baugrube eingerichtete sogenannte Berliner Verbau, der Verformungen – jedenfalls rechnerisch – ausschließt, habe bisher auch faktisch zu keiner Verformung geführt. Sensoren, die das Niveau von Erschütterungen „auf unterstem Niveau“ dem Baggerführer melden, würden sicherstellen, „dass die Grenzmarken nie überschritten sind.“ Zudem würden alle Werte, auch die der Marker, erfasst und dokumentiert. Denn das Schadensbild wird, wenn die Baustelle beendet ist, vor dem Landgericht im Zivilverfahren eine entscheidende Rolle spielen.

An den Fenstern in Schetters Obergeschoss, die sich nur noch schwer öffnen lassen, sind die Rollläden heruntergelassen. Zur Straßenseite hin springt zwischen Altbau und der später angebauten Balkonbrüstung ein Spalt auf. Gravierend ist der ebenfalls mit einer Messmanschette versehene Riss in der Bodenplatte von Schetters Werkstatt, Beleg dafür, dass sich das Haus setzt. Mit zu dem Schaden, vermutet der Hausherr, habe vor einem Jahr der mit einer mächtigen Erderschütterung eingehende Ausbau eines großen Erdöltanks auf der heutigen Baustelle geführt, als der Bagger den Tank fallenließ. Schäden erzeugte zudem der Brand von benachbarten Kühlzellen mit hoher Temperaturentwicklung, bei der auch Asbestplatten explodierten.

„Auch vier andere Häuser in der Nachbarschaft der Baugrube zeigen Risse.“

„Es ist ja nicht nur mein Haus betroffen“, beschied Jochen Schetter gestern. „Auch vier andere Häuser in der Nachbarschaft der Baugrube zeigen Risse.“ Aus Sicht von Innenarchitekt Jürgen Wittek aus Unterhaugstett, der bei dem Ortstermin mit dabei war, ist die unter Auflagen vom Landratsamt genehmigte Grundwasserabsenkung die Ursache für die jüngsten Schäden. Er hält sie für so gravierend, dass er eine Grundsanierung des Wohnhauses für erforderlich hält. Wittek sagte gestern, die für den Tiefbau nötige Grundwasserabsenkung in der Baugrube führe dazu, dass das Wasser auch von Schetters Grundstück dorthin abfließt. „Das Volumen des Wassers fehlt und der Boden senkt sich, das Haus leidet.“ Jochen Schetter präsentierte gestern eine mit dem Bauträger geschlossene nachbarschaftliche Vereinbarung, die das Setzen von Ankern unterm Erdgeschoss zur Sicherung des Hauses erlaubt. Hier steht, der Gutachter habe verbindlich zugesagt, dass keine Grundwasserabsenkung auf Schetters Grundstück erfolgen werde.

Architekt Jeggle erklärte dazu: „Wir machen eine Grundwasserabsenkung wie bei Stuttgart 21 mit gesteuerten Pumpen und mehreren Messstellen, so dass wir nur die genehmigte Menge abpumpen.“. In der Grube entstehe ein Trichter, in den Wasser abfließe, ohne das Grundwasser vom Nachbargrundstück abzuziehen. So könne das Haus Schetter gar keinen Schaden nehmen. Die Meinungen der streitenden Parteien stehen diametral gegeneinander. Das Gericht wird entscheiden, wer recht hat.

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