Kernen Stromausfälle: Das sagt der neue Bürgermeister

Nichts ging mehr: An den stundenlangen Stromausfall im November 2018 werden sich viele Kernener noch lange erinnern. Foto: ZVW/Sebastian Striebich

Kernen.
Fünf größere Blackouts hat es in Rommelshausen und Stetten seit der Übernahme des Stromnetzes durch das Remstalwerk gegeben. Der Ärger darüber ist bei vielen Kernenern groß. Vor allem der Ausfall im November 2018, als der Saft teilweise bis zu sieben Stunden lang weg war, ist vielen in Erinnerung geblieben.

„Damals war ich eingeseift unter der Dusche ohne Licht“, erinnerte sich eine Zeitungsleserin anlässlich des jüngsten Stromausfalls vor wenigen Wochen, „ich bin dann noch stundenlang bei immer kälter werdender Wohnung mit nassen Haaren herumgesessen.“ Doch nicht nur unangenehm, sondern richtig gefährlich kann so eine Situation werden: Ältere und gehbehinderte Menschen müssen sich durchs dunkle Haus tasten, Festnetztelefone und teilweise auch Handys sind unbrauchbar, medizinische Geräte fallen aus – das kann im Notfall übel ausgehen.

Stellt der Kernener Bürgermeister das Remstalwerk infrage?

Mit jedem weiteren Stromausfall gerät das Remstalwerk mehr in die Kritik. Vereinzelt wurde gar die „Abwicklung“ des kommunalen Stromanbieters gefordert. Und im Bürgermeisterwahlkampf hatte Benedikt Paulowitsch, mittlerweile Chef im Kernener Rathaus, unter Beifall angekündigt, eine „Grundsatzdiskussion über Versorgungssicherheit“ führen zu wollen. Doch was heißt das überhaupt?

„Die angekündigte Grundsatzdebatte läuft schon“, erklärt Paulowitsch jetzt im Gespräch mit unserer Zeitung. Das Remstalwerk an sich stellt er nicht infrage. Deutlich habe er den Verantwortlichen aber signalisiert, dass er Handlungsbedarf sieht, zum Beispiel in der Krisenkommunikation. Zusätzlich zu den Aufsichtsratssitzungen wird es laut Paulowitsch in den kommenden Monaten mehrere Workshops und „intensive Gespräche“ beim Remstalwerk geben, „bei denen alle möglichen Themen besprochen werden“. Denn: „Wir müssen uns auch kritische Fragen gefallen lassen.“

Früh nach seinem Amtsantritt Mitte November habe Paulowitsch das Gespräch mit den am Remstalwerk beteiligten Kommunen Winterbach, Remshalden und Urbach gesucht und sich „sehr konstruktiv“ mit der Geschäftsleitung des Remstalwerks zusammengesetzt. Er und seine Bürgermeisterkollegen seien sich darüber einig, dass die Versorgungssicherheit das drängendste Thema für den Stromanbieter sei. In Paulowitschs erster Aufsichtsratssitzung im Dezember stand dann eine neue Leitung in Rommelshausen auf der Tagesordnung. Sie wird parallel zur Waiblinger Straße verlaufen, um das Stromnetz zu stärken. Noch in diesem Jahr sollen die unterirdischen Kabel verlegt werden, nicht nur, aber auch wegen der neuen Betriebe, die am Ortsrand ansiedeln. „Ein Baustein“ bei der Ausbesserung des Netzes sei das, so Paulowitsch.

Mehrere Millionen Euro wurden bereits investiert

Neu ist der Ansatz freilich nicht, das in die Jahre gekommene Stromnetz, das einst von der EnBW übernommen wurde, fitzumachen. Schon unter Ex-Bürgermeister Stefan Altenberger, der als Aufsichtsratsvorsitzender des Remstalwerks in der Schusslinie der Bürgerkritik stand, ist die Erneuerung der Leitungen in Angriff genommen worden. Mehr als sieben Millionen Euro sind in den vergangenen drei Jahren laut Remstalwerk ins Netz investiert worden. Auch im Krisenmanagement hat sich das Remstalwerk neu aufgestellt. So wurde eine 24-Stunden-Notfall-Nummer eingerichtet.

Firmen mit privater Trafo-Station müssen „sensibilisiert“ werden

Ein neues Thema hat sich durch die jüngsten Stromausfälle in Kernen und kurz darauf in Urbach aufgetan: Die Blackouts wurden jeweils ausgelöst durch Wartungsarbeiten an privaten Trafo-Stationen ortsansässiger Firmen. „Das Remstalwerk muss alle Betriebe mit Trafo-Stationen sensibilisieren“, sagt Paulowitsch, „und das ist dann kein Werbeprospektle vom Remstalwerk, da geht’s um rechtliche Verpflichtungen und natürlich auch um mögliche rechtliche Folgen.“ Es könne nicht sein, dass riskante Wartungsarbeiten ohne Abstimmung mit dem Remstalwerk stattfinden.

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