Kernen Verein will Naturbad der Diakonie Stetten retten

Das Naturbad der Diakonie Stetten. Foto: ZVW/Gabriel Habermann

Kernen-Stetten. Weil das im Januar eintretende Bundesteilhabegesetz die Finanzierung des Naturbads für die Diakonie Stetten erschwert, hat sie sich dazu entschieden, bei der Gründung eines Betreibervereins zu helfen. Bei einem Treffen fanden sich 20 Gründungsmitglieder und 45 weitere Unterstützer. Ihr Ziel: die Rettung des Naturbads an der Frauenländerstraße.

„Das Bädle gehört zur Diakonie wie die Diakonie zu Stetten“, sagte Ivonne Diederichs-Richter im Naturbad in der Frauenländerstraße. Die Diakonie-Mitarbeiterin ist eine von rund 60 Engagierten, die sich für den Erhalt des Bades einsetzen. Auf Einladung der Diakonie trafen sich die Interessierten im Naturbad und berieten, wie es weitergeht, wenn die Diakonie das Bad im nächsten Sommer nicht mehr weiterführt. Die Hände nahezu aller Besucher schossen in die Höhe, als Thomas Illigmann, der für das Naturbad zuständige Geschäftsbereichsleiter, fragte: „Wer will Verantwortung für das Naturbad übernehmen?“ Es fanden sich 20 Gründungsmitglieder – um einen Verein zu gründen, braucht es sieben – und 45 Menschen, die sich eine Mitgliedschaft vorstellen können.

„Ich bin begeistert, dass so viele da sind, und ich möchte denen danken, die nach vorne gegangen sind und gesagt haben: Wir wollen Gründungsmitglied sein“, sagte Illigmann. Damit Menschen mit Behinderung Verantwortung übernehmen können und eingebunden werden, ist für Illigmann die einzige Bedingung: „Dass Menschen mit und ohne Behinderung in der Initiative sind.“ Mit einem Lachen fügte er hinzu: „Und dass die Pacht einigermaßen pünktlich gezahlt wird.“

Vertrag ist auf zehn Jahre ausgelegt

Der Entwurfsvertrag sieht eine Pacht von 2800 Euro pro Jahr vor. Der Vertrag soll am 1. Januar beginnen und ist auf zehn Jahre ausgelegt, für die ersten drei Jahre gilt aber ein außerordentliches Kündigungsrecht. Der Vertrag ist für den Verein also jederzeit kündbar.

Aktuell entstehen für die Diakonie im Jahr laufende Kosten von 18 000 Euro. Weil von Januar 2020 an das Bundesteilhabegesetz in Kraft tritt, sei es für die Diakonie nicht mehr möglich, die laufenden Kosten und Kosten für die Instandhaltung des Bads zu finanzieren. Bis jetzt konnte die Diakonie die Kosten pauschal auf alle Bewohner und Nutzer des Bads umlegen. Das geht mit dem neuen Gesetz nicht mehr, da danach nur noch Leistungen finanziert werden, die einer Person mit Behinderung und ihrem individuellen Bedarf zugeordnet werden können.

Fördermittel für barrierefreien Ausbau beantragen

„Diese Kosten werden so aber nicht auf Sie zukommen, weil sie einige Sachen selber machen können“, erklärte Illigmann seinen Zuhörern. Beispielsweise die Reinigung des Beckens und der Duschen sowie Rasenmähen könnten die Vereinsmitglieder selber in die Hand nehmen.

Eine Besucherin fragte, wie die laufenden Kosten denn für einen Verein zu stemmen seien. Über Mitgliedsbeiträge, Spenden oder Fördermitglieder, sagte Illigmann: „Ich wäre zum Beispiel ein Fördermitglied.“ Auch würden die Bewohner der Diakonie einen symbolischen Beitrag zahlen.

Zwar besitzt das Bad eine Rampe ins Becken, die Duschen und Toiletten sind allerdings nicht barrierefrei zugänglich. Wenn der Verein das gesamte Bad barrierefrei machen würde, könnte er sich auf Fördermittel von Aktion Mensch bewerben. Auch gebe es für eine Institution wie die Diakonie hohe Auflagen bezogen auf Sicherheit, Hygiene und Wasserqualität, die die Kosten hochtreiben. Diese gelten aber nicht für Vereine.

Bisher nur von Bewohnern und Mitarbeiter der Diakonie genutzt

Rund 250 Personen nutzen das Bad regelmäßig. „Es muss einfach erhalten bleiben“, sagte Christel Kramer, die sich als Gründungsmitglied engagieren möchte. Bis jetzt war die Nutzung exklusiv für Bewohner und Mitarbeiter der Diakonie zugängig. Das soll sich jetzt ändern. Gründungsmitglied Monika Kehrberger sagte: „Für Inklusion muss man sich einfach engagieren.“


So geht es weiter

Bis zum 31. August sollen die möglichen Vereinsmitglieder eine Interessensbekundung an die Diakonie schicken. Die Gründungsmitglieder sollen sich eine Satzung überlegen und gehen dann die offiziellen Schritte in Richtung Vereinsgründung.

Weitere Interessierte können sich per E-Mail an Gabi Rose wenden: info@naturbad-stetten.de.

  • Bewertung
    8

Heute in Ihrer Tageszeitung

  • Waiblinger Kreiszeitung
  • Schorndorfer Nachrichten
  • Winnender Zeitung
  • Welzheimer Zeitung
Lust auf mehr?

Lesen Sie Ihre Zeitung immer und überall digital: Hier ePAPER-Angebote entdecken!