Kernen "Wein-Oscar" für Moritz Haidle

Als Jugendlicher hatte es Moritz Haidle mehr mit Hiphop und Grafitti als mit Riesling und Lemberger. Foto: Falstaff

Kernen/Essen. Zum neunten Mal hat der Weinführer Falstaff im Schlosshotel Hugenpoet bei Essen die deutschen „Wein-Oscars“ vergeben. Und der Gewinner in der Kategorie „Newcomer des Jahres“ ist – Moritz Haidle aus Stetten.


Das Vorstellungsvideo von Moritz Haidle als Nominé für den Newcomer des Jahres und die Sieger der Falstaff Weintrophy im Video sehen Sie am Ende des Artikels.


Der 31-Jährige hatte sich im August 2018 schon etwas gewundert, dass der Falstaff ihn als einen der drei Kandidaten für den „Newcomer des Jahres“ nominiert hat. Denn als ein Neuling kann das Weingut Karl Haidle nun wirklich nicht bezeichnet werden. Es blickt auf eine lange Tradition zurück; und auch Moritz Haidle steht nun schon seit vier Jahren als Betriebsleiter des Weinguts Karl Haidle in der Verantwortung. Seine beiden Mitbewerber um den Wein-Oscar kennt Haidle übrigens gut. So hat er mit Jonas und Philipp Seckinger vom Deidesheimer Weingut Seckinger in Geisenheim studiert und schätzt den dritten nominierten Newcomer, Jörn Goziewski ebenfalls. Auch er studierte in Geisenheim und hat im Rheingau ein eigenes Weingut gegründet.

Ein "bunter Hund" mit Piercings und Tattoos

Moritz Haidle, 31 Jahre, fällt aus dem Raster des gängigen Berufbilds, schreibt Falstaff über den Newcomer des Jahres. Er ist halt ein bunter Hund – und nicht auf den Mund gefallen. Mit Piercings und Tätowierungen sprengt er den Rahmen der eher gediegenen Weinszene im Hochpreissegment. Im Verband für Prädikatsweingüter sorgte Haidle vor zwei Jahren für Wirbel, als er seine Lemberger als „Blaufränkisch“, der international gebräuchlichen Bezeichnung dieser Rebsorte, vermarkten wollte. Der VdP pfiff Haidle zurück, der nur seine Gutsweine nun als Blaufränkisch nennen darf. Die Zukunft sieht Moritz Haidle nicht in einer Vielzahl von Rebsorten, sondern vor allem in zweien, dem Riesling und dem Lemberger respektive Blaufränkisch.

„Frische, Spannung, Dichte“

Und so beschreibt der Falstaff den „Newcomer des Jahres“: Der Hip-Hop-Fan bringe viele neue Ideen in das Weingut, das sein Vater Hans bekannt gemacht hat. 2014 hat er die Verantwortung übernommen und den inzwischen biologisch zertifizierten Betrieb neu ausgerichtet: „Die Weine zeigen noch mehr Frische, Spannung und Dichte. Famos sind die beiden Großen Gewächse vom Lemberger, aber auch die Rieslinge aus dem Pulvermächer“, heißt es in der Begründung.

Ursprünglich wollte er Designer werden

Moritz Haidle nahm einen Umweg, bevor er im elterlichen Weingut durchstartete. „Gezwungenermaßen“ musste er zu Hause im Weingut anpacken. Haidle aber sprühte lieber Graffiti und träumte davon, als Designer zu arbeiten. Erst als er seinem Vater Hans zuliebe ein Praktikum bei Paul Fürst absolvierte, habe er, Zitat, „die Faszination von Wein verstanden“. Dann ging es Schlag auf Schlag: Nach Stationen in Australien, Kalifornien, in Burgund und bei Thomas Seeger in Baden kam das Studium in Geisenheim. Seit dem Abschluss 2014 trägt Haidle zu Hause die volle Verantwortung – und lässt mit kompromisslosen Weinen aufhorchen.

Wie bei der Oscar-Verleihung in Hollywood erfuhren die Nominierten auch bei der Falstaff Weintrophy 2019 im Schlosshotel Hugenpoet erst im letzten Moment nach Öffnung des Briefumschlages, wer nun der Sieger in den verschiedenen Kategorien geworden ist. Für sein Lebenswerk wurde Hanno Zilliken aus Saargut (Saar) geehrt; Mathieu Kauffmann, Weingut Reichsrat von Buhl, Deidesheim (Pfalz), ist Winzer des Jahres. Zum Sommelier des Jahres wurde Bernd Kreis, Weinhandlung Bernd Kreis aus Stuttgart, gekürt.

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