Kommunalwahl in Remshalden Kinderbetreuung: Es werden mehr U-3-Plätze benötigt

Zwei zusätzliche Kindertagesstätten werden bald gebaut. Foto: Fotolia/Rio Patuca

Remshalden. Steigende Geburtenraten, Zuzug aus den Ballungsräumen, mehr Familien, in denen beide Elternteile arbeiten, mehr Alleinerziehende – all das sorgt dafür, dass die Kommunen der Region einem stetig steigenden Bedarf an Betreuungsplätzen begegnen müssen. Speziell im Bereich der U-3- Betreuung muss Remshalden mit seinen vielen Teilgemeinden nachlegen.

588 Kindergartenplätzen in der Ü-3-Betreuung stehen momentan gerade mal rund 80 Plätze für die U-3-Betreuung gegenüber. Das muss sich ändern. Da ist Remshaldens Bürgermeister Reinhard Molt ganz entschieden. Mit Blick auf die Prognosen, geht er davon aus, dass langfristig die Hälfte der Kindergartenplätze auch im U-3-Bereich vorgehalten werden muss.

Tageselternverein federt Mangel an U-3-Plätzen ab

Kurzfristig sollen die aktuell rund zehn fehlenden Plätze im U-3-Bereich durch eine neue „TigeR“ (Tagespflege in anderen geeigneten Räumen)-Gruppe geschaffen werden. Bis zum Herbst könnte eine Einigung mit dem Eigentümer der dafür auserkorenen Räumlichkeiten und dem Tageselternverein erreicht sein, so dass die Familien, die zuletzt vertröstet worden sind, dann zum Zug kommen können. Auch momentan werden etwa 20 der 80 vorhandenen U-3-Betreuungsplätze durch ein Tiger-Angebot abgedeckt.

Zwei zusätzliche Kindertagesstätten werden derzeit geplant, bis zu ihrer Fertigstellung dauert es aber womöglich noch bis zu vier Jahre. In beiden Einrichtungen sollen je zwei Gruppen für die Ü-3-Betreuung und zwei für die U-3-Betreuung entstehen. Dafür werde man pro Haus wohl rund 20 neue Mitarbeiter benötigen. Diese zu finden, werde ebenfalls keine einfache Aufgabe, so Molt. Eine weitere Kita könnte auf dem Gelände der ehemaligen Ernst-Heinkel-Realschule entstehen – allerdings ist der Weg bis dahin noch ein weiter. Gleichzeitig wachse der Bedarf stetig.

Nicht leicht zu kalkulieren sei dabei die Zahl der Zuzüge. Viele Familien aus dem Stuttgarter Ballungsraum zieht’s hinaus ins günstigere Remstal. Zudem werden mehr Kinder denn je geboren und die Wohngebiete der 60er Jahre erleben einen Generationenwechsel. Wo zuletzt noch betagte Einzelpersonen lebten, ziehen nun neue, junge Familien ein. Angesichts des großen Bedarfs sei es schwierig, grundsätzlich eine wohnortinterne Betreuung zu garantieren. „Teilweise müssen wir einfach über die Ortsteile springen“, so der Bürgermeister.

Forderung nach durchgängiger Betreuung

Ursula Zeeb von der ALi (Alternativen Liste) sieht die Gemeinde in Sachen Betreuungsplatzbeschaffung auf einem guten Weg. Sie und ihre Mitstreiter möchten sich nach der Wahl im Gemeinderatsgremium dafür einsetzen, dass nicht nur die U3-(Ganztags-)Betreuung weiter ausgebaut wird. Das werde sonst problematisch, wenn die betreuten Kinder drei Jahre alt werden, und noch schwieriger, wenn sie in die Schule kommen. Das Angebot in Sachen nachmittäglicher Grundschulbetreuung müsse noch stark ausgebaut, die Kinderbetreuung durchgängig gewährleistet werden. Abgesehen davon werde von den Eltern immer wieder kritisiert, dass die Platzvergabe nicht transparent genug funktioniere. Eine wohnortnahe Betreuung werde zudem gewünscht, auch die Garantie, dass Geschwisterkinder in der gleichen Einrichtung untergebracht werden. Seit der Kindergartenkonzeption 2017 fühle man sich im Gemeinderatsgremium den Herausforderungen der Zeit gegenüber gewappnet. „Bis vor drei bis vier Jahren ist man einfach auf Sicht gefahren, und das ist ein Teil des aktuellen Problems“, so Ursula Zeeb.

Der Bau der neuen Kindertagesstätten ist der richtige Weg, darin sind sich die Vertreter aller Parteien, die sich am 26. Mai zur Wahl stellen, einig. Harald Bay (SPD) ist zufrieden damit, dass der Ausbau der Betreuungsinfrastuktur nun endlich stattfindet, kann aber kaum fassen, wie lange es bis dahin tatsächlich gedauert habe. Als Sozialdemokraten setzten er und seine Genossen sich auch innerparteilich für die Beitragsfreiheit für alle Kindertageseinrichtungen ein, wohl wissend, dass es für eine Kommune wie Remshalden ohne Mittel aus Bund und Ländern nicht umsetzbar sei. Gleichzeitig sei es wichtig, eine „qualitätsvolle Erziehung und Betreuung“ in den Einrichtungen zu gewährleisten und die Kinder nicht lediglich zu verwahren. Dafür brauche es ausreichend Betreuungspersonal, und „das kostet Geld, das ist klar.“

Uwe Häupler (FDP/FW) sieht da nur eine Lösung: Auch wenn angesichts der angespannten Haushaltslage kein großer finanzieller Einsatz möglich sei – die Remshaldener Kindertageseinrichtung müssten als attraktive Arbeitgeber herausstechen und zudem mehr ausbilden. So könne man dafür sorgen, dass gut qualifiziertes Personal nachrücke.

Auch Klaus Schäfer (CDU) begrüßt den Ausbau der U3-Betreuung. Der müsse stetig vorangetrieben werden, um mehr Wahlfreiheit der Familien bezüglich der Kinderbetreuung zu schaffen. Allerdings vertritt er gemeinsam mit seinen Parteifreunden einen klaren Standpunkt: „Die CDU sagt, dass Bildung kostenlos sein muss.“ Was die Betreuung im Kindergartenalter angehe, sehe man auch innerparteilich die Verantwortung bei den Eltern. Eine grundsätzliche kostenfreie Kinderbetreuung sei nicht anzustreben.

Roland Schanbacher von der BWV (Bürgerliche Wählervereinigung) verknüpft mit einem hochwertigen Ausbau der Betreuungsangebote die Hoffnung, dass sich keine Familie mehr für ihre eigene Lebensplanung rechtfertigen müsse. Insofern unterstütze die BWV, genauso wie die CDU gerne die Zusammenarbeit mit den kirchlichen Trägern. Gleichzeitig wünsche man sich in seinen Reihen eine deutliche soziale Staffelung der Gebühren. „Eine Alleinerziehende soll deutlich weniger zahlen müssen als Doppelverdiener mit viel höherem Einkommen.“ Da könne man in Remshalden noch nachbessern. Eine völlige Kostenfreiheit könne man sich in seinem politischen Lager keinesfalls vorstellen, solange die Betreuungskosten nicht vollständig von Bund und/ oder Ländern finanziert würden. Schließlich habe Qualität ihren Preis, und bei ihr wolle man keinesfalls Abstriche machen.


Arbeit für Politiker

Fehlende Kapazitäten bei der Kinderbetreuung, der Ladenleerstand und die teilweise schlechten Straßen sind nach einer vom Zeitungsverlag in Auftrag gegebenen repräsentativen Umfrage, die wichtigsten Probleme, mit denen Remshalden zu kämpfen hat.

Wir haben Vertreter der Parteien, die sich am 26. Mai zur Wahl stellen, zu den Themen befragt.

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