Kletterer-Familie aus Haubersbronn 30-Meter-Fichte mit Weihnachtsbeleuchtung geschmückt

Lara Hummel wickelt im Oktober die Lichterkette um die alte Fichte, schon vor zwei Monaten begannen die Vorbereitungen. Foto: privat

Schorndorf. Dekorieren in luftigen Höhen – das ist die Passion von vier Hobby-Kletterern aus Haubersbronn. Auch in diesem Jahr haben sie eine 30 Meter hohe Fichte zum Leuchten gebracht. Sie muss als Klettergerüst und als Christbaum herhalten.

Zugegeben: Am helllichten Tag schaut der Baum im Garten der Familie Bitzer etwas trostlos aus. Doch sobald es dunkel wird und das Licht eingeschaltet wird, kommt weihnachtliche Stimmung auf. Der Baum ist aber nicht nur überdimensionale Dekoration, er ist auch sportliches Klettergerüst.

„Es war mein Traum, dass der Baum geschmückt wird“, erzählt Gabriele Bitzer. 2013 ging er mit dem neuen Hobby ihrer Kinder in Erfüllung: Katharina und ihr damals erst 13-jähriger jüngerer Bruder Georg begannen in ihrer Freizeit mit dem Klettern und schmückten den hohen Baum hinter ihrem Haus mit einer 40 Meter langen Lichterkette. Laut Gabriele Bitzer ist er über 30 Meter hoch und damit noch höher als der Weihnachtsbaum auf dem Schorndorfer Marktplatz. Auch das Alter des Baumes kann sich sehen lassen: Er soll rund 140 Jahre alt sein.

Bitzers nutzen zum Klettern eine Technik aus der Höhlenforschung

Im Jahr 2014 änderten sie ihre Technik, statt mit klassischer Kletterausrüstung nutzen Bitzers nun die sogenannte Einseiltechnik, die aus der Höhlenforschung kommt. Hierfür braucht es keine Wand, an der man entlangsteigt, die Technik funktioniert an allen vertikalen Strecken, das Passende also für das Schmücken eines hohen Baumes. Im Höhlenverein in Heubach lernte das Geschwisterpaar die Technik.

Bei der Einseiltechnik hält der Kletterer eine Handsteigklemme fest, die er durch ein massives Kletterseil nach und nach hochschiebt, nach unten lässt sich die Klemme nicht verschieben. Mit den Füßen befindet der Kletterer sich in zwei Fußschlaufen, um so langsam gen Himmel steigen zu können. Bei der Technik sichern sich die Kletterer selbst, während beim klassischen Klettern eine Person zum Sichern am Boden bleiben muss.

Der Lichtschlauch blieb über die Jahre auf dem Baum. Im Jahr 2016 war er jedoch kaputt und wurde heruntergeholt. Es sollten noch mehr Lämpchen sein: 13 Lichterketten von jeweils zehn Metern Länge wurden in stundenlanger Arbeit oben angebracht – insgesamt über 3000 Lichter. Damals war erstmals auch Gabriele Bitzer dabei, zwischenzeitlich hatte auch sie die Einseiltechnik erlernt. Die Familie ist im Kletterfieber, nur Peter Bitzer, der Familienvater, klettert nicht oben herum, er gehört zum „Bodenpersonal“, wie seine Frau mit einem Lächeln im Gesicht sagt.

Den Weihnachtsbaum sieht man schon von weitem

Zum Team gehört seit diesem Jahr außerdem auch Lara Hummel. Die 15-Jährige wohnt ein paar Straßen weiter in Haubersbronn. Gabriele Bitzer brachte ihr das Klettern mit der Einseiltechnik bei. „Das macht viel Spaß, denn mit der Technik kommt man eigentlich überall hoch“, sagt Lara Hummel. Sie freut sich, dass man den Baum von vielen Haubersbronner Ecken aus sieht.

Eine Zeitschaltuhr sorgt dafür, dass am Abend und am frühen Morgen der Baum hell erleuchtet ist. Noch bis zum 6. Januar will die Familie die Beleuchtung lassen.

Von Nachbarn, Freunden und Kollegen werden Bitzers immer schon im November auf ihren Baum angesprochen. Doch besonders geht es dem Haubersbronner Kletter-Team um den Spaß und die Aussicht: „Von da oben sieht man sogar die Weihnachtsmütze auf dem Rathaus“, sagt Georg.

Mehr sportliche Leidenschaft als Liebe zu Weihnachten

Mit dem Höhlenverein war er schon in den verschiedensten Höhlen unterwegs, unter anderem auch in Südfrankreich und Slowenien. Auch eine Übernachtung in einer kalten und feuchten Höhle brachte der 18-Jährige schon hinter sich.

Die Motivation, den großen Baum zu schmücken, rührt offenbar weniger von einer besonders großen Liebe zu Weihnachten, sondern vielmehr aus einer sportlichen Leidenschaft, die er mit seiner Mutter, seiner Schwester und Lara Hummel aus der Nachbarschaft teilt.


Das Kletter-Team

Georg (18) und Katharina Bitzer (25) begannen im Jahr 2013 mit der Kletteraktion. Er macht eine Ausbildung zum Mechatroniker, sie ist Polizistin.

Seit 2016 klettert auch die 58-jährige Gabriele Bitzer, die Mutter von Georg und Katharina, mit.

Peter Bitzer ist zuständig für das Material und die Finanzen.

Seit diesem Jahr ist auch die 15-jährige Schülerin Lara Hummel dabei.

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