Klimastreik im Rems-Murr-Kreis Dürfen die Schüler am Freitag streiken?

Symbolbild. Foto: Pixabay.com

Waiblingen. Die Sympathie ist nicht zu überhören: „Ich finde es klasse, wenn Jugendliche nicht nur zuschauen, sondern auch mitmachen.“ Die Backnanger Schulamtsleiterin Sabine Hagenmüller-Gehring formuliert gerade heraus, was auch beim Kultusministerium durchklingt. Doch wer am Freitag fürs Klima demonstrieren will, muss trotzdem den Spagat zwischen Schulpflicht und politischem Engagement hinlegen.

Wenn Schüler „sich für etwas einsetzen“, wenn sie „bereit sind zum Engagement, wenn sie interessiert sind an Zukunftsfragen, sich eine Meinung bilden, bereit sind zu diskutieren und zu erörtern – einfach eine aktive Rolle als Staatsbürger einnehmen“, dann habe sie, schreibt Sabine Hagenmüller-Gehring, Leiterin des Schulamts in Backnang, „großen Respekt“.

Parents for Future: Keine Strafen für streikende Schüler

Das, was sie in ihrer persönlichen Meinungsäußerung beschreibt, ist, neben der Wissensvermittlung, eine der wichtigsten Aufgaben der Schulen. So gesehen sollten die „Fridays for Future“-Schüler und ihre längst regelmäßig gewordenen Freitagsstreiks, die im großen Klimastreiktag am kommenden Freitag gipfeln sollen, den Schulen eigentlich signalisieren: Weiter so! Wir haben alles richtig gemacht.

Auch das Kultusministerium betrachtet das Anliegen der „Fridays for Future“-Bewegung „nach wie vor uneingeschränkt für berechtigt“. Kultusministerin Eisenmann schrieb schon im Februar an alle Schulleitungen: „Sie (die Schülerinnen und Schüler) machen sich Gedanken über ihre Zukunft und die unserer Umwelt. Dafür habe ich großes Verständnis, auch beeindruckt mich das Engagement der Schüler sehr.“

Und trotzdem: Was sollen Schulleitungen machen, die den Brief der Parents for Future Stuttgart bekommen haben? In diesem wird ganz offen darum gebeten, dass die Möglichkeiten, die sich bieten, den Klimaschutz aktiv zu unterstützen, auch genutzt werden. Die Parents for Future schlagen zum Beispiel vor, einen „Sonderprojekttag oder Unterrichtsgang zur Demonstration“ nach Stuttgart zu unternehmen. Sie bitten darum, am Freitag keinerlei Tests zu schreiben, auf Strafen für streikende Schüler zu verzichten und Klimaschutz im Unterricht ganz allgemein zu thematisieren.

Es gilt die Schulpflicht

Denn es gilt unumstößlich die Schulpflicht. Das heißt: Schulamt, Oberschulamt, Kultusministerium und alle Lehrerinnen und Lehrer, ja sogar die Eltern, stecken in einem Dilemma. Das Gesetz sagt: Erziehungsberechtigte haben dafür Sorge zu tragen, dass der Schüler am Unterricht regelmäßig teilnimmt. Wer ohne Berechtigung fehlt, wird Strafen bekommen, eine Geldbuße zahlen müssen, zwangsweise von der Polizei zum Unterricht gebracht werden. Wer eine Arbeit versäumt, bekommt die Note 6.

Kultusministerin Susanne Eisenmann schreibt an die Schulleitungen, es könne nicht sein, „dass der Unterricht dauerhaft freitags ausfällt“. Sie will das Thema von „der Straße ins Klassenzimmer“ holen.

Doch der Einsatz der Schülerinnen und Schüler auf der Straße lässt sich offenbar nicht einbremsen. Im Mai fragte die AfD unter der Überschrift „Schule schwänzen für das Klima“ bei der Landesregierung an, wie viele Demos mit durchschnittlich wie vielen Teilnehmern schon stattgefunden hatten. Damals, von Januar bis Anfang Mai, waren es im Land insgesamt 178 mit Teilnehmerzahlen, die zwischen zehn und 10 000 schwankten. Und das Engagement ist seither nicht abgebrochen. In der Antwort des Kultusministeriums an die AfD wird auch die Sicht von Kultus- und Umweltministerium mitgeteilt: Die Demonstrationen der Bewegung Fridays for Future leisteten „einen wichtigen zivilgesellschaftlichen Beitrag zur klimaschutzpolitischen Debatte sowohl im Land als auch auf nationaler und internationaler Ebene“. Diese Aussage kommt einer Auszeichnung gleich.

Mit „sinnvollen pädagogischen Maßnahmen“ reagieren

Kein Wunder also, dass dieser Spagat Spielraum für Interpretationen lässt. Schulamtsleiterin Hagenmüller-Gehring schreibt: „Zu diesem Freitag im Speziellen gibt es keine Vorgaben unsererseits.“ Die Schulen seien grundsätzlich aufgefordert, bei Schulpflichtverletzungen mit „sinnvollen pädagogischen Maßnahmen zu reagieren“. Wie sie aussehen, entscheide jede Schule selbst. Kultusministerin Eisenmann schrieb an die Schulen, dass schon „gute und pragmatische Lösungen“ gefunden worden seien, etwa einen Aufsatz zu schreiben, in dem es um das Spannungsfeld von Rechten und Pflichten ging.

Die Schulen, so Hagenmüller-Gehring, müssten bei Schulpflichtsverletzungen reagieren, was die Schüler sehr genau wüssten. Ihre Meinung aber ist, „dass wir unsere junge Generation sehr ernst nehmen müssen“.


Bäume pflanzen

Was in Göppingen und anderswo geht, soll auch in Schorndorf möglich sein. Die Penzkofers suchen Mitstreiter für ihren Plan, die „Plant for Planet“-Akademie nach Schorndorf zu holen. Die Schulleitung muss noch gewonnen werden. Der Förster macht schon mit.

Es sei ja toll, sagt Bettina Penzkofer, die Mutter und Inklusionsschulbegleiterin, wenn die Kreissparkasse zum Weltspartag den Kindern ein Tütchen mit Robinie-Samen mitgibt. Nur hätten die wenigsten Kinder die Möglichkeit, im eigenen Garten solche Bäume wachsen zu lassen. Sie will auf die Sparkasse und andere Sponsoren zugehen, damit es auch in Schorndorf zum großen Pflanzen kommt.

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