Klimawandel, Pflegenotstand & Co. Diese Debatten wünscht sich OB Klopfer im Gemeinderat Schorndorf

Keine alten Debatten im neuen Rat wünscht sich Schorndorfs Oberbürgermeister. Foto: ZVW/Benjamin Büttner

Schorndorf. Oberbürgermeister Matthias Klopfer hat im nicht auf die AfD gemünzten Teil seiner Rede zur Konstituierung des neuen Gemeinderats den Wunsch geäußert, im neuen Rat nicht die Debatten von gestern zu führen. Klopfer nannte als Beispiele die im Wahlkampf stark thematisierte Auseinandersetzung um Sinn und Unsinn der Tempo-30-Zonen und den beschlossenen, aber immer wieder infrage gestellten Umzug der Fuchshofschule.

Schließlich stünden große Themen wie etwa der Klimawandel, die Mobilitätswende, der Strukturwandel in der Region Stuttgart, die älter werdende Stadt, der Fachkräftemangel und der Pflegenotstand – und das alles in Zeiten zurückgehender Steuereinnahmen – an, die dem Gemeinderat alles abverlangten.

„Wir sollten uns dabei nicht im Klein-Klein verlieren und keine Detaildebatten über Anliegen der alltäglichen Verwaltungsarbeit führen, sondern uns auf das Wesentliche konzentrieren und schauen, welchen Beitrag wir als Stadt Schorndorf zur Erreichung der Nachhaltigkeitsziele leisten können“, meinte Klopfer und zitierte Jules Verne: „Alles, was ein Mensch sich heute vorstellen kann, werden andere Menschen einst verwirklichen.“

Kommunikation mit den Bürgern soll verstärkt werden

Die Innenstadt aktiv und attraktiv zu gestalten, sei eine der dringlichen Herausforderungen für den Gemeinderat – in Zeiten, da der Einzelhandel von Amazon, Zalando und Co. immer weiter zurückgedrängt werde. Bundesweit seien 2018 erstmals mehr Flächen an die Gastronomie als an den Einzelhandel neu vermietet worden, sagte der Oberbürgermeister und forderte in diesem Zusammenhang „schnell Klarheit, was mit dem Unteren Marktplatz passiert“. Idealerweise in Verbindungen mit weiteren Fragestellungen: Wie sehen der Bahnhof und der Busbahnhof der Zukunft aus? Wie lassen sich Mobilitätsangebote besser bündeln und die Bedarfe decken?

„Der Wettstreit um die besten Ideen ist das Wesensmerkmal einer Demokratie. Und aus diesem Fundus an Ideen werden Sie sicherlich viele Initiativen in den Gemeinderat einbringen. Gut so“, hatte der Oberbürgermeister die Stadträtinnen und Stadträte ermuntert und gleichzeitig mehr Dialog und Kommunikation angemahnt. Zumal Kommunikation in Zeiten, da jeder seine eigenen Informationskanäle habe und Tageszeitungen und mit ihnen der kritische Lokaljournalismus immer mehr an Bedeutung verlören, immer schwieriger werde. Umso wichtiger sei es, „den Bürgern zuzuhören, die Bürger zu informieren, mit den Bürgern ins Gespräch zu kommen“.

Förderung der Dorfgemeinschaften als wichtige Zukunftsaufgabe

Unerlässlich sei auch ein gutes Miteinander von Ortsteilen und Kernstadt, betonte der Oberbürgermeister nicht zuletzt auch mit Blick darauf, dass ihm persönlich wieder angelastet wird, hauptsächlich die Interessen der Kernstadt im Blick zu haben. „Wir brauchen starke Akteure wie die SG Schorndorf, aber genauso den Obstbauverein Haubersbronn“, sagte Klopfer der für den Gemeinderat und für sich in Anspruch nimmt, dass die Balance zwischen Kernstadt und Stadtteilen in der Vergangenheit sehr gut gelungen sei.

Exemplarisch nannte Matthias Klopfer zwei Schlichtener Projekte: das Bürgerzentrum mit neuem Kindergarten und die Unterstützung des Dorfladens. „Die Dorfgemeinschaften zu fördern, Heimat zu erhalten, das gute soziale Miteinander wertzuschätzen – das sind wichtige Zukunftsfragen“, stellte der Oberbürgermeister fest.

Klopfers Vorstellung: Bis 2024 ein neuer Flächennutzungsplan

Aus Sicht des Oberbürgermeisters sollte es auch gemeinsames Ziel von Verwaltung und Gemeinderat sein, bis 2024, und damit bis zum Ende der jetzt eingeläuteten fünfjährigen Wahlperiode, einen neuen Flächennutzungsplan zu erstellen – der derzeit gültige wurde 2005 verabschiedet – und damit eine neue Grundlage für die Entwicklung der Stadt zu schaffen. Dabei, so Klopfer, gehe es einerseits um Verdichtung und zum anderen darum, Grünflächen zu erhalten und die Wohnquartiere grüner zu machen.

„Um einen neuen Flächennutzungsplan zu erstellen, intensiv mit der Bevölkerung zu diskutieren und zu verabschieden, brauchen wir einige Jahre“, gab Klopfer einen groben zeitlichen Rahmen vor.


Der neue Gemeinderat: Jünger und weiblicher

  • Jüngste Stadträtin ist Miriam Müller von der GLS mit ihren gerade mal 18 Jahren. Ältestes Ratsmitglied ist FDP/FW-Stadtrat Peter Erdmann mit 78 Jahren und mittlerweile 44 Jahren Stadtratstätigkeit.
  • Das Durchschnittsalter des neuen Gemeinderats beträgt 51,2 Jahre. Damit ist das Gremium deutlich jünger als in den letzten Perioden, in denen das Durchschnittsalter immer bei 57 Jahren lag.
  • Der Frauenanteil beträgt 40,6 Prozent. Das ist eine deutliche Steigerung im Vergleich zum letzten Gemeinderat, der nur einen Frauenanteil von 28,1 Prozent aufwies.
  • Der neue Gemeinderat setzt sich aus fünf Fraktionen (CDU, SPD, FDP/FW, Bündnis 90/Die Grünen und AfD), einer Gruppierung (GLS) und Einzelstadträtin Andrea Sieber zusammen.
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