Knigge-Tipps Nach dem Niesen entschuldigen?

„Hatschi“ – ein Junge niest in sein Taschentuch. Foto: Pixabay

Winnenden. Das „Hatschi“ im Büro sorgt für Verunsicherung. Muss sich der Niesende entschuldigen oder müssen ihm die Kollegen „Gesundheit“ wünschen? Knigge-Profi Annette Traub hat für uns diese und weitere Benimmfragen beantwortet.

Seit einigen Jahren herrscht über das richtige Verhalten beim Niesen Uneinigkeit: Die eine Seite vertritt die Meinung, man muss sich entschuldigen, während die andere Seite nicht an dem althergebrachten „Gesundheit“ rütteln will. Eine ganz eindeutige Antwort kann auch Annette Traub, die Knigge-Coach ist und im Vorstand der Deutschen Knigge-Gesellschaft sitzt, nicht geben. Im Büro, bei größeren Sitzungen, aber auch im Theater rät sie, sich für das Niesen zu entschuldigen, da es eine Störung darstellt und man seine Bakterien im Raum verteilt. Wenn beispielsweise bei einer größeren Besprechung alle Beteiligten „Gesundheit“ rufen, dann sorgt das außerdem für eine Unterbrechung.

„Gesundheit“ sagen - eine Regel aus dem Mittelalter

Außerdem stammt die Regel aus dem Mittelalter und der Zeit der Pest. Man wünschte vor allem sich selbst „Gesundheit“, in der Befürchtung krank zu werden. Dieses eigennützige Denken sei nicht besonders höflich. Wenn aber jemand einem, trotz dieser Empfehlung, „Gesundheit“ wünscht, dann sollte man sich höflich bedanken, rät die 50-Jährige. Sonst könnte das eigene Verhalten als unhöflich wahrgenommen werden. Im privaten Umfeld gelten andere Regeln. Dort kann man ruhig „Gesundheit“ sagen, wenn man etwa nur in kleiner Runde mit Bekannten zusammensitzt. „Es ist wichtig situativ zu entscheiden“, sagt Traub.

Doch wo niest man eigentlich am besten hin? Die Expertin hat eine elegante Lösung: Zur linken Seite wegdrehen und auf den Handrücken niesen, da die rechte Hand zum Begrüßen genutzt wird und nicht immer direkt die Möglichkeit besteht, sich die Hände zu waschen.

Kollegen auf offenen Hosenladen ansprechen?

Im Büro lauern neben dem richtigen Verhalten beim Niesen auch wahre Fettnäpfchen. Eine Situation, die besonders unangenehm werden kann: Ein Kollege hat den Reißverschluss seiner Hose offen. Wie reagieren? Die Winnenderin rät, die Person in jedem Fall darauf aufmerksam zu machen, um zu verhindern, dass sie den ganzen Tag so herumläuft. „Dezent und nicht in großer Runde“ soll man die Person darauf ansprechen, sagt die Trainerin.

No-Go: Im Restaurant Handy auf dem Tisch

Es gibt aber auch noch eine ganze Menge anderer Knigge-Regeln. Ein 'No-Go' ist, dass Gäste bei einem Restaurantbesuch ihr Handy auf den Tisch legen. Nur wenn man einen wichtigen Anruf erwartet, ist das in Ordnung, findet Traub. Doch auch dann soll man das Gerät mit dem Bildschirm zum Tisch hinlegen.

Wer betritt als erstes das Restaurant?

Vieles im Bereich Knigge ändert sich über die Jahrzehnte. Während früher noch strenge Regeln, etwa beim Betreten eines Restaurants galten, wird das heute lockerer gesehen. Die klassische Knigge-Regel besagte, dass der Mann vor der Frau ein Restaurant betreten muss. Im privaten Bereich findet das Anette Traub nach wie vor richtig. Doch im geschäftlichen Umfeld seien die Geschlechter heute gleichgestellt und diese Regeln obsolet. Das Gleiche gilt für die Reihenfolge der Begrüßung, „diese erfolgt im geschäftlichen Kontext heute in der Reihenfolge des Rangs einer Person, nicht mehr abhängig vom Geschlecht“, sagt die Expertin.

Messer und Gabel auf 20 nach vier

Auch für das korrekte Verhalten im Restaurant gibt es Knigge-Regeln. Es ist beispielsweise unangebracht, eine Suppenschüssel auszutrinken. Außnahmen gelten für klare Suppen ohne Einlagen und bei Suppen, die in einer Suppentasse mit Henkel serviert werden. Wenn man mit dem Essen fertig ist, dann sollte man außerdem auch sein Besteck korrekt hinlegen. Eine einfache Regel gibt vor: Messer und Gabel müssen parallel auf 20 nach vier liegen, dann wissen die Kellnerinnen und Kellner, dass sie den Teller abräumen dürfen.

No-Go's beim Bewerbungsgespräch

Auch bei Bewerbungsgesprächen gibt es ‘No-Go’s’. Ein besonders großer Fehler ist es, einfach auf einem Stuhl vor dem Gesprächspartner platzunehmen. „Man muss warten, bis man aufgefordert wird, sich hinzusetzen“, sagt Traub. Die Winnenderin rät aber auch, auf sein Bauchgefühl zu hören und darüber nachzudenken, wie man selbst behandelt werden möchte. Außerdem soll man sich, trotz der vielen Regeln, möglichst nicht verstellen und sich selbst treu bleiben, sagt die Winnenderin.

Haben Sie weitere knifflige Knigge-Fragen? Schicken Sie uns diese bis zum 12. Februar an online@zvw.de mit dem Betreff "Knigge". Wir lassen fünf Fragen von der Expertin beantworten. 


Woher kommen die Knigge-Regeln?

  • Die Knigge-Regeln gehen zurück auf den Schriftsteller und Aufklärer Adolph Freiherr Knigge (1752–1796).
  • Sein bekanntestes Werk hat den Titel „Über den Umgang mit Menschen“ und beschäftigt sich mit den richtigen Umgangsformen und der korrekten Etikette.
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