Kolumne zum Ableben Ist der Nachruf garantiert, stirbt es sich ganz ungeniert

Diesen Nachruf auf die FDP hat 2012 die Grüne Jugend geschrieben Foto: dpa

Stuttgart - Erst Udo Jürgens, dann Joe Cocker. Es ist nicht so, dass man sich mit diesen Giganten des Unterhaltungsgewerbes auf eine Stufe stellen möchte. Aber wenn es schon jene trifft, die einem unsterblich schienen (und es in gewisser Weise auch sind), dann darf man ­sicher sein, dass man früher oder später auch selbst an der Reihe ist.

Man sollte gerüstet sein für den Tag X. Das fängt bei der täglich frischen Unterwäschegarnitur an und hört beim Testament noch lange nicht auf, das je nach Gusto die Dinge ordnet oder die liebe Verwandtschaft in den Wahnsinn treibt.

Nehmen wir nur mal die Grabrede – ist es Ihnen ­wirklich egal, wer da was über Sie sagt? Wer da an welcher Stelle auf die Tränendrüsen drückt? Dass da, wenn auch nur andeutungsweise, plötzlich unangenehme Eigenarten, die Sie Ihr Leben lang bestritten hatten, zur Sprache kommen? Auch wenn einem so manches Vergnügen versagt geblieben war, den Nachruf aus eigener Hand mag und kann einem niemand verwehren.

Verstehen Sie mich bitte nicht falsch. Es geht nicht darum, an der eigenen ­Legendenbildung mitzuwirken, sich etwa größer zu zeichnen, als man es jemals war. Nein, es geht schlicht und einfach darum, dass da nichts durcheinander gebracht wird, was den Hinterblieben am Ende leid tut. Und jetzt mal Hand aufs noch pumpernde Herz: Wer kann die eigene Lebensleistung besser einschätzen als man selbst?

Falsch wäre, bei seiner Grabrede an die Hinterblieben zu denken und humoristische Passagen auszusparen. Warum nicht mit einem Brüller einsteigen, um zu überprüfen, ob die Ergriffenheit der Trauergemeinde wirklich echt ist? Denkbar wäre auch, den Nachruf durch kleine Werbebotschaften zu strukturieren, wobei darauf zu achten wäre, dass man das Honorar bereits zu Lebzeiten einstreicht – es kann ja nicht sein, dass die Beerdigung auch noch einen Gewinn abwirft.

Falls Sie fürchten, eine Grabrede aus eigener Hand wäre Ihrer Gesundheit ­abträglich, fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.

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