Kommentar Bürgermeisterwahl in Schwaikheim: Eine Stimme für Trump

Welcher Name ist da angekreuzt oder welcher wurde hinzugefügt? Das bleibt geheim. Foto: Schneider/ZVW

Schwaikheim. „Donald Trump“ hat ein Spaßvogel auf den Wahlzettel geschrieben. Der Mann kann ja durchaus Präsident der USA sein, aber doch nicht Bürgermeister von Schwaikheim. Der Amerikaner ist für dieses Amt einfach nicht wählbar. Aber nicht wegen seiner markanten Haartolle und auch nicht nur, weil er dafür zu alt ist.

In Paragraf 46 der Gemeindeordnung heißt es nämlich, wählbar sind nur Deutsche und EU-Bürger. Dort steht auch die neue (seit zwei Jahren geltende) Vorgabe, dass Bewerber noch nicht das 68. Lebensjahr vollendet haben dürfen (früher galt das 65. Lebensjahr). Trump ist 71. Außerdem wird verlangt, dass Bewerber die Gewähr dafür bieten müssen, dass sie „jederzeit für die freiheitliche demokratische Grundordnung im Sinne des Grundgesetzes eintreten“. Da könnten im Falle Trump zumindest Zweifel auftauchen. Nur mal so, theoretisch: Ob er im Fall seiner Wahl das Weiße Haus gegen das Schwaikheimer Rathaus eingetauscht hätte? Man weiß es nicht und wird es auch nie erfahren. Schwaikheim ist noch mal davongekommen.

Der Stimmenkönig der Nichtbewerber: Lothar Maier

86 Stimmen hat es für Personen (sind das dann auch Bewerber?) gegeben, die zwar nicht zum Ankreuzen auf dem Stimmzettel standen, deren Namen aber von Bürgern handschriftlich hinzugefügt wurden. Das sind immerhin knapp 2,7 Prozent. Stimmenkönig unter den Hinzugefügten ist Lothar Maier, der immerhin 19-mal notiert wurde. Na ja, an Bekanntheitsgrad und Beliebtheit im Flecken mangelt es dem Wengerter und Besenwirt wahrlich nicht. Und wie aus gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen verlautet, soll er sogar Wahlwerbung getrieben haben, nach dem Motto „Wenn ihr ned wissed, wen ihr wähla solled, no schreibed halt mi druff.“

„Vize“ in dieser Rubrik: Alexander Bauer mit 15 Stimmen

„Vize“ geworden ist in dieser Rubrik Alexander Bauer mit 15 Stimmen. Auch keine ganz große Überraschung. Der SPD-Fraktionsvorsitzende und Ortsvereinvorsitzende hat sich als Kritiker von Amtsinhaber Gerhard Häuser profiliert. Zur Wahl angetreten ist er nicht. Bei der Oberbürgermeisterwahl in Weinstadt im Oktober 2016 war Bauer Michael Scharmann klar unterlegen gewesen. Seine Stimmen in Schwaikheim dürften nicht zuletzt auf das Konto derer gehen, die ebenfalls mit Häuser ein Problem haben.

Sechs Stimmen hat ein weiteres SPD-Mitglied bekommen, Anja Wenninger, ebenfalls Gemeinderätin und stellvertretende Fraktionsvorsitzende. Vormals bei der Stadtverwaltung Ludwigsburg in verantwortlicher Position und mittlerweile Ortsvorsteherin von Bittenfeld, hätte sie bei einer Kandidatur zweifelsohne die notwendige Erfahrung und die berufliche Qualifikation für den Schwaikheimer Bürgermeisterposten mitgebracht. Das spürt man auch in Gemeinderatssitzungen, bei denen sie Häuser auf Augenhöhe entgegnet. Aber auch sie verzichtete auf eine Bewerbung.

Auch Helmut Bähr und Michael Wild wurden "gewählt"

Drei Stimmen bekam ein weiterer SPDler: Helmut Bähr, einer ihrer Vertreter, der Häuser auch mitunter im Gremium hart angeht, allerdings mit ihm nicht im Dauerclinch liegt.

Immerhin dreimal wurde auch der Name Michael Wild auf den Wahlzettel geschrieben. Hoffentlich nicht wegen seiner Funktion als Vorsitzender der Blumen- und Gartenfreunde. Als solcher darf er sich laut Vereinssatzung öffentlich politisch gar nicht äußern, hat Wild ja betont. Wenn er es dennoch immer wieder getan hat, kritisch in Sachen Neue Ortsmitte oder zusätzlicher Verkehr durch das Neubaugebiet Heiße Klinge, dann war das mithin als Privatperson, als Bürger, aber doch offenbar stellvertretend und im Sinne von so manch anderem.

Zwei Stimmen jeweils für die Architekten Maier und Vollmer

Zwei Stimmen erhielt Claus Maier, einheimischer Architekt, ebenfalls im Ort wohlbekannt, mit politischen Äußerungen sich in der Öffentlichkeit allerdings eher zurückhaltend. Vielleicht hat er auch als Planer von Schwaikheimer Kindergärten (Paula-Korell-Kindergarten, Jakob-Korell-Kindergarten und Kinderhaus an der Badstraße) Fans, die sich mal einen städtebaulich prägenden Rathauschef wünschen. Das würde sicher auf Peter Vollmer zutreffen, ebenfalls Architekt vor Ort, allerdings als ehemaliger Gemeinderat sehr wohl in der politischen Arena auftretend, zuletzt gar mit einem kritischen Leserbrief an die Adresse Häuser und die „Mehrheit im Gemeinderat“. Der Mitplaner der „Neuen Ortsmitte“ bekam ebenfalls zwei Stimmen.

Zwei Stimmen hat auch eine nach wie vor wirklich aktive Gemeinderätin bekommen, die in ihren Haushaltsreden und auch bei ihren Stellungnahmen durchaus „bürgermeisterlich“ auftritt, Brunhilde Meßmer, FDP-FW. Zweimal hingeschrieben wurde auch der Name Jürgen Haag. Auch der langjährige Bauhofleiter ist bekannt im Ort. Das gilt ebenso für Felix Weiblen. Seine (laut Wahlzettel) zwei Fans gehen offenbar davon aus, dass einer, der die Schwaikheimer Kicker anführt, auch locker das Rathaus und den Gemeinderat schmeißen kann. Im Zweiten war er, also als Antreiber, Wortführer trat er dort nicht unbedingt auf.


Eine Stimme für Altbürgermeister Krüger

Stimmen bekamen unter anderen außerdem: Altbürgermeister Lothar Krüger (nicht mehr wählbar), Brigitte Röger, CDU-FB-Fraktionsvorsitzende, Daniel Zak, ebenfalls CDU-FB, aber Junggemeinderat, Tilo Schmidt, der Vorsitzende des Partnerschaftsvereins, die beiden SPD-Gemeinderäte Roland Escher und Heiko Jung, Jungwengerter Michael Maier, Ralf Oetinger, Holger Krusch vom Musikverein und Heinz Müller, verkehrskritischer Bismarckstraße-Anwohner.

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