Kommentar Thema Glockenturm: Versprechen nicht gehalten

Auf rund eine Million Euro schätzt die Stadt derzeit die Ausgaben für den Glockenturm bei der Burgruine Kappelberg. Foto: Cheret Bozic Architekten

Ein Kommentar unseres Redaktionsmitglieds Bernd Klopfer zum Thema: Glockenturm in Weinstadt

Erinnert sich Oberbürgermeister Scharmann eigentlich noch an seinen Auftritt als OB-Kandidat Anfang Oktober in der Jahnhalle? „Wenn wir kein Geld haben für wichtige Dinge, dann sollten wir auch bei unwichtigen Dingen sparen“, sagte er damals – und meinte die Idee, einen Turm auf der Burgruine Kappelberg zu bauen. Von den mehreren Hundert Zuhörern bekam er dafür viel Applaus. Jetzt als OB hält Scharmann am Turmbau fest. Das wirkt so, als ob er ein Versprechen aus dem Wahlkampf nicht eingehalten hat.

In Teilen der Bürgerschaft haben die Turmpläne in den vergangenen drei Jahren viel Kopfschütteln ausgelöst. Als mitten im OB-Wahlkampf 2016 der Weinstädter Gemeinderat beschloss, statt für einen Holzturm einen Zuschussantrag für einen Glockenturm zu stellen, stimmte der damalige Kandidat Scharmann in seiner Funktion als Stadtrat klugerweise dagegen. Er hätte im OB-Wahlkampf gegen seinen Mitbewerber Alexander Bauer auch mehr Angriffsfläche geboten, wenn er sich anders verhalten hätte.

Andererseits ist Scharmann als OB natürlich an den damaligen Gemeinderatsbeschluss rechtlich gebunden, darüber kann er sich nicht hinwegsetzen. Würde er jetzt öffentlich gegen den Glockenturm wettern, würde er zudem Teile des Gemeinderats gegen sich aufbringen – und auch das Verhältnis zu Baubürgermeister Deißler würde eine Delle bekommen. Dieser war immer ein Verfechter des Turms, er hat viel Zeit und Arbeit reingesteckt und trotz massivem Gegenwind stets an seiner Überzeugung festgehalten.

Dass Weinstadt die Burgruine Kappelberg aufwerten will, ist verständlich. Es ist ein historisch wichtiger Ort. Das Mauerwerk muss gerichtet werden. Es wäre in der Tat nicht glücklich, wenn im Gartenschaujahr 2019 um die Burgruine immer noch ein Bauzaun steht. Dass Weinstadt an der Ruine mehr machen will, als nur die Mauer zu sanieren, ist wegen der Finanzierung nachvollziehbar – denn nur so lassen sich Zuschusstöpfe über den Verband Region Stuttgart anzapfen. Aber der Zuschuss wäre auch geflossen, wenn statt des Turms eine Idee eingereicht worden wäre, die mehr Rückhalt bei den Bürgern findet.

Immerhin ist es gut, dass nun im Rahmen der Entwurfsplanung versucht wird, Sparpotenziale für das Projekt zu suchen. Fatal wäre es, wenn die Stadt mehr für den Turm ausgeben würde als ursprünglich geplant. Überall wird gespart, Eltern müssen derzeit wieder höhere Gebühren für Kitas und die Schülerbetreuung hinnehmen. Da können dann die Bürger bei einem Prestigeprojekt wie dem Glockenturm erwarten, dass wenigstens die Kosten nicht explodieren.

  • Bewertung
    3
 

2 Kommentare

Kommentieren

  1. (Anschrift und E-Mail sind keine Pflichtangabe, allerdings können Kommentare ohne Angabe der vollständigen Adressdaten in der gedruckten Ausgabe leider nicht berücksichtigt werden. E-Mail, Straße und Nummer werden nicht veröffentlicht.)
    Kommentare werden vor der Veröffentlichung auf der Seite geprüft. Es gelten unsere Kommentarregeln (siehe Link oben rechts) und unsere Datenschutzerklärung . Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden nicht veröffentlicht.

Heute in Ihrer Tageszeitung

  • Waiblinger Kreiszeitung
  • Schorndorfer Nachrichten
  • Winnender Zeitung
  • Welzheimer Zeitung
Lust auf mehr?

Lesen Sie Ihre Zeitung immer und überall digital: Hier ePAPER-Angebote entdecken!