Kommunalwahl in Remshalden Ladensterben: Wegschauen ist keine Option

Leeres Ladengeschäft an der Reinhold-Maier-Straße. Foto: ZVW/Alexandra Palmizi

Remshalden. Mehr und mehr Einzelhändler an der Remshaldener Ortsdurchfahrt schließen ihre Pforten. Wenige Läden halten sich hier. Zu klein die Flächen, zu gering die Aufenthaltsqualität in der Umgebung, die Parkplätze sind an einer Hand abzuzählen.

Bürgermeister Reinhard Molt kennt die Probleme. Indes versucht er, wie auch schon seine Vorgänger, die Leerstände wieder mit Leben zu füllen. „Da muss die Gemeinde als Vermittler auftreten.“ Dass nicht jeder im Flecken glücklich damit ist, wenn statt einer Bank-Filiale eine Kneipe einzieht, ist dem Schultes dabei klar. Auch bringe ein Immobilienmakler weniger Frequenz in den Ort als die Apotheke, die zuvor am gleichen Standort anzutreffen war. Da gebe es immer wieder Kritiker. Molt aber hält Leerstände für das größere Übel. Nur gegen eines werde er kämpfen, so es ihm möglich ist: gegen Spielhallen. Die sind ihm ein Graus.

Remshaldener geben Geld außerhalb ihrer Kommune aus

Wer die wohnortnahe Versorgung im Einzelhandel verbessern wolle, komme in Remshalden an der Entwicklung der Neuen Mitte nicht vorbei, findet der Bürgermeister. Wenn sich irgendwo in der Gemeinde Flächen für einen Vollsortimenter anböten, dann hier. Schon vor etlichen Jahren war im Zuge der Zusammenlegung der Rathäuser auch die Entwicklung von Einzelhandelsflächen an gleicher Stelle ein Thema. Molt ist sich sicher: Ist erst einmal ein Vollsortimentler im Ort angesiedelt, haben es die übrigen Einzelhändler auch wieder leichter.

Schlafe man jetzt und setze keine neuen Anreize zur Ansiedelung, werde das Ladensterben weiter fortschreiten. Und das, während die Remshaldener Bürger am oberen Ende der Kaufkraft zu verorten sind. Gleichzeitig gehörten sie aber ebenso zu den Spitzenreitern, wenn es darum gehe, das Geld andernorts auszugeben. Kurz gesagt, die Remshaldener haben es sich mehr als andere Remstäler angewöhnt, außerhalb der eigenen Kommune ihr Geld auszugeben. Besonders beliebt dabei: die Händler des nahen Nachbarn Weinstadt.

Bäckereifilialen können sich in Ortskernen halten

Harald Bay (SPD) ist der Meinung, dass man schon zu Bürgermeister Zeidlers Zeiten den Vollsortimentler an der Neuen Mitte auf den Weg hätte bringen können und müssen. Inzwischen aber wird die Neue Mitte als potenzielles Hochwassergebiet eingestuft. „Jetzt geht es erst mal nicht weiter.“ In Grunbach sei die Versorgung mit Einzelhändlern ja noch einigermaßen erträglich. „Die Ortsteile Süd sind allerdings vollständig abgehängt.“ Bis auf weniger traditionsreiche Ausnahmen könnten sich lediglich Bäckereifilialen in den Ortskernen halten. Als Grund dafür hat Bay den Internethandel in Verdacht.

So sieht das auch Ursula Zeeb (ALi). Sie ist der Meinung: „Die Remshaldener stimmen mit ihren Füßen ab.“ Wenn sie nicht ortsnah einkauften, brauchten sie sich auch nicht wundern, wenn sich nach und nach weniger Händler über Wasser halten könnten. Wer sich jetzt über das Ladensterben aufrege, müsse jetzt jene unterstützen, die noch vor Ort ihre Waren anbieten. Allerdings fehlte im Flecken das hochwertige Angebot, so zum Beispiel ein Bioladen in der Ortsmitte.

Und: Bei einem Zuviel an Durchgangsverkehr und einem Zuwenig an Aufenthaltsqualität wolle eben niemand einen Einkaufsbummel machen und mehr Geld als unbedingt nötig ausgeben. Hier könnte man als Gemeinde ansetzen und Verbesserungen erarbeiten. Von initiierten Projekten wie Stadtteilläden hält sie inzwischen aber nicht mehr viel, seien die meisten bisher doch über kurz oder lang eingegangen. In der Neuen Mitte einen Vollsortimentler zu etablieren, hält sie für eine gestrige Idee. Sie befürchtet, dass der bereits vorhandene an anderer Stelle dann aufgeben müsste.

Klaus Schäfer von der CDU bemängelt, dass weder Pullover noch Schuhe im Flecken zu kaufen seien. Vor allem fehlten ein Drogeriemarkt sowie Bekleidungsläden mit qualitativ hochwertigen Produkten. Mit ein wenig Wehmut blickt er zum Nachbarn Weinstadt, der alles zu bieten hat.

Da geht es ihm ähnlich wie Roland Schanbacher (Bürgerliche Wählervereinigung). Er vermisst ebenfalls einen Drogeriemarkt, hat aber Hoffnungen, dass die Hochwasserproblematik an der Neuen Mitte sich nun angesichts des Rückhaltebeckens Urbach/Plüderhausens entspannt und die Planungen mit privaten Investoren an dieser Stelle neu aufgenommen werden können.

Geschwindigkeit reduzieren

Auch Uwe Häupler (FDP/FW) ist der Meinung, dass die Neue Mitte, richtig geplant, zu einem Anker werden könnte. „Wenn man jetzt nichts macht, geht es mit dem Ladenschwund so weiter.“ Die Attraktivität des gesamten Fleckens sinke weiter, irgendwann sei’s mit dem Einzelhandel in Remshalden vollends vorbei. Er hält es für sinnvoll, die Ortsdurchfahrt attraktiver zu gestalten, die erlaubte Höchstgeschwindigkeit zu reduzieren und neue Parkplätze zu schaffen. „Wir sind heutzutage einfach Autoeinkäufer.“ Dem müsse man Rechnung tragen. Er ist sich sicher, dass mit den richtigen Handgriffen die Abwärtsspirale aufgehalten werden kann, die derzeitige Entwicklung wieder in die andere Richtung geleitet werden kann.

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