Kommunalwahl in Rudersberg Weniger Lastverkehr und Tempo 30

Hat zuletzt abgenommen, ist aber immer noch eine Belastung: Durchgangsverkehr in der Rudersberger Ortsmitte. Foto: ZVW/Gabriel Habermann

Rudersberg. Der Auto- und Lkw-Verkehr durch das Wieslauftal ist ein Thema, das den Gemeinderat schon lange beschäftigt, das jetzt aber wieder auf der Agenda steht. Noch dieses Jahr soll der Lärmaktionsplan fortgeschrieben werden. Verwaltung und Gemeinderatsfraktionen liegen mit ihren Vorstellungen gar nicht so weit auseinander. Entscheidungen werden aber vor allem auf höheren politischen Ebenen getroffen.

„Ein dickes Brett“ nennt Bürgermeister Raimon Ahrens das Thema. Auch, weil die Gemeinde bei der Entlastung der Ortsdurchfahrten zwar Wünsche formulieren kann, aber abhängig ist von Entscheidungen des Landratsamts und des Regierungspräsidiums. Denn die Ortsdurchfahrten sind fast durchgängig Landesstraßen.

Der Verkehr wurde durch neue Ortsmitte spürbar reduziert

Immerhin: Durch den Umbau der Ortsmitte habe sich der Verkehr von 13 000 auf rund 9000 Fahrzeugen pro Tag reduziert. Und mit zwei Jahren Verspätung hat die Gemeinde nun endlich die Lärmkartierungen des Landes erhalten. Damit kann der Lärmaktionsplan fortgeschrieben werden. Ein Fachplaner ist damit bereits beauftragt. Ahrens will den ersten Entwurf möglichst bald in den Gemeinderat einbringen.

Denkbar wäre aus seiner Sicht vieles: Tempo 30 auf der kompletten Backnanger Straße, Verkehrsberuhigungen in den Ortsteilen, ein Kreisverkehr an der Abzweigung von Michelau nach Asperglen – und sogar ein Lkw-Durchfahrtsverbot. „Ich bin stark dafür“, sagt Ahrens. Vieles hänge nun davon ab, was die Lärmkartierung hergebe.

Auch für Oberndorf will die Gemeinde einen Lärmaktionsplan aufstellen, und das freiwillig. Hier sind aus Sicht des Bürgermeisters ebenfalls Tempolimits denkbar. Festlegen könnten das aber nur die höheren politischen Ebenen.

Weitere Tempolimits wären auch ganz im Sinne der Freien Wähler, sagt Thomas Keller. In den vom Durchfahrtsverkehr gebeutelten Ortsteilen könnte sich Keller auch Fahrbahnverengungen und geänderte Verkehrsführungen vorstellen.

Schwerlastverkehr gezielt umleiten

Für Entlastung könnten aber aus seiner Sicht auch überörtliche Maßnahmen sorgen. Denkbar sei etwa eine gezielte Umlenkung des Schwerlastverkehrs. Der nutze das Wieslauftal als vermeintliche Abkürzung von der B 14 auf die B 29. Eine andere Beschilderung wäre hier eine Möglichkeit. Genauso Nachtfahrverbote oder Tonnenbeschränkungen. Hierzu fände Keller eine Machbarkeitsstudie sinnvoll.

Miteinbeziehen in diese Überlegungen müsse man aber auch immer den öffentlichen Nahverkehr. Diesen zu verbessern (und bessere Parkmöglichkeiten für Rudersberger aus den Teilorten an den Wiesel-Haltestellen zu schaffen), ist eines der Ziele der Freien Wähler.

Durchfahrtsverbot für Lkw mit mehr als 12 Tonnen durchsetzen

Tempo 30 in perspektivisch allen Ortsdurchfahrten, einen Kreisel vor Michelau und Fahrbahnverengungen hält auch Wolfgang Bogusch (Rudersberger Bürger) für sinnvoll. Allerdings sieht er in dem „überdimensionierten Wachstum der Gemeinde“ ein großes Problem. „Neue Baugebiete erzeugen mehr Verkehr“, kritisiert Bogusch. Denn bei einem Großteil der Fahrzeuge handle es sich um Ziel- und Quellverkehr. Nur durch ein behutsames Wachstum ließe sich der Verkehr eindämmen. Für „ganz falsch“ hält er auch nach wie vor die Entscheidung, in der Ortsmitte Zebrastreifen abzuschaffen. Denn den von Ex-Bürgermeister Martin Kaufmann propagierten „Shared Space“ gebe es dort nicht wirklich. Fußgänger und Autofahrer seien rechtlich nämlich nicht gleichberechtigt. Er ist dafür, am Warsteiner Schlössle und bei der Wieslauf-Apotheke wieder Zebrastreifen zu errichten. „Das ist ein ganz wichtiges Element, um den Verkehr zu entlasten.“

Pochen will Bogusch im kommenden Gemeinderat außerdem darauf, dass das von Schorndorf im Zuge der geplanten Umgehungsstraße zugesagte Durchfahrtsverbot für überörtlich verkehrende Lkw mit mehr als zwölf Tonnen (der Gemeinderat hatte damals bereits bei 7,5 Tonnen eine Grenze ziehen wollen) auch für das untere Wieslauftal durchgesetzt wird – und nicht erst ab Miedelsbach, wie von Schorndorfs Oberbürgermeister Matthias Klopfer bevorzugt.

Tempo-30-Zone ausweiten

Ein Durchfahrtsverbot für den überörtlichen Schwerlastverkehr befürwortet auch Fatima Bischoff (CDU). Genauso wie die Ausweitung der Tempo-30-Zone – am besten flächendeckend in der Gemeinde, „das wäre zumindest ein Ziel“. Außerdem strebt Bischoff einen Ausbau der Wieselfahrzeiten auch am Sonntag an – und will auf den Radwegen in Richtung Schorndorf für mehr Barrierefreiheit sorgen. Im Verkehr sieht sie insgesamt die größte Aufgabe für die Gemeinde in den kommenden Jahren.

„Viele offene Baustellen“ im Bereich Verkehr sieht Manfred Pokorny (SPD). Dabei ist er sich in vielem mit den anderen Fraktionen einig. Durchfahrtsverbote für Lkw, Temporeduzierungen und verkehrsberuhigende Maßnahmen in den Ortsdurchfahrten stehen auch auf seiner Agenda. Nur wenn, dann sollten diese auch richtig durchgeführt werden – und nicht wie bei der Verkehrsinsel in Michelau. „Die bringt gar nichts“, weil Fahrzeuge nach wie vor fast ungebremst in den Ort fahren können.


Viel Zufriedenheit

Von den 372 Rudersbergern, die an unserer repräsentativen Umfrage teilgenommen haben, nannten 72 den Verkehr als das wichtigste Problem in Rudersberg, 21 klagten über zu wenig Parkplätze, 16 über die Busverbindungen in die Ortsteile sowie zehn über die Nahversorgung in den Teilorten.

Bemerkenswert im Vergleich zu anderen Kommunen: 18 Teilnehmer berichteten, dass sie (absolut, vollkommen oder mit allem) zufrieden seien.

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