Korb Belästigte Frauen sollen sich melden

Polizeihauptkommissar Norbert Eidher. Foto: Schechinger / ZVW

Korb. Die Polizei hat reagiert. Seit dem WKZ-Artikel vom 11. Juni, der über „derbe sexuelle Aufforderungen“ gegenüber Frauen auf dem Korber Seeplatz berichtete, zeigen Beamte der Bereitschaftspolizei Präsenz. Norbert Eidher, Leiter des Ermittlungsdienstes in Waiblingen, bittet belästigte Frauen, sich sofort zu melden. Denn zwei der angezeigten Fälle liegen so lange zurück, dass Ermittlungen schwierig werden.

„Die Hinweise sind für uns unheimlich wichtig“, betonte Polizeihauptkommissar Eidher gestern bei einem Pressegespräch. „Die drei Fälle ziehen Strafanzeigen nach sich. Aber wenn sie schon fast ein Jahr zurückliegen, ist es schwierig, da zielführende Ermittlungen zu führen. Wir sind dann nicht mehr in der Lage, die Personen zu identifizieren.“ Wie berichtet hatten sich offenbar kleine Gruppen von Schwarzafrikanern auf dem Korber Seeplatz an unterschiedlichen Tagen in drei Fällen Frauen in den Weg gestellt und sie auf Englisch auf derbe Art zu sexuellen Handlungen aufgefordert. Mittlerweile meiden die betroffenen Korberinnen den Platz – jedenfalls zu Fuß.

Sechs Fälle seit 1. Juni 2015

„Von den drei Vorfällen war keiner bei uns gemeldet“, sagte Norbert Eidher gestern. Er habe mittlerweile mit allen Kontakt aufgenommen. Was die belästigte Frau in der Steinstraße betrifft, der Männer bis an ihr Gartentürle folgten und die von der Notrufstelle den absurden Rat erhielt, die Männer hinzuhalten, bis eine Streife eintrifft, geht Eidher vom Straftatbestand der „sexuellen Beleidigung“ aus. „Den werden wir verfolgen, aber das ist schon Ende September 2015 passiert. Da seither einige Zeit vergangenen ist, wird es mit der Ermittlung der Täter schwierig.“

Der Chef des Ermittlungsdienstes in Waiblingen hat wegen der Vorfälle ein Lagebild für Korb rückwirkend bis zum 1. Juni 2015 erstellt. „In dem Zeitraum gab es, abgesehen von den drei Fällen in der Zeitung, noch drei weitere. Wir haben sechs Fälle, die ersten im November 2015, dann im Februar und April 2016.“ Bei einem Fall sexistischer Anmache hat die Polizei einen Tatverdächtigen dingfest gemacht. Dieser Asylbewerber aus Korb, allerdings kein Schwarzafrikaner, sitze wegen einer anderen Geschichte mittlerweile in Haft, sagt der Beamte. Allerdings gebe es trotz dieser Vorfälle nach der aktuellen Lageauswertung für den Seeplatz, die Seestraße, die Waiblinger Straße oder die Brucknerstraße, wo die Korber Asylbewerber in einem Containercamp leben, keinerlei Anzeichen dafür, dass „der Seeplatz der Brennpunkt schlechthin in unserem Revierbereich ist, ausgehend von dem, was gemeldet wird“, so Eidher.

Die polizeiliche Kriminalstatistik für 2015 bestätigt dieses Bild: Hochgerechnet auf 100 000 Einwohner wurden 2015 im Revierbereich 5312 Straftaten erfasst. Im gleichen Zeitraum waren es in Korb 3173. Für den Chef des Ermittlungsdienstes rangiert Korb revierweit im „Mittelfeld, rein gefühlsmäßig“. In realen Zahlen registrierte die Polizei für die Gemeinde, einschließlich Kleinheppach, 2015 genau 327 Delikte, keine herausragende Zahl.

Trotzdem hat die Revierleitung nach dem WKZ-Artikel die Präsenz am Korber Seeplatz sichtbar verstärkt. Unterstützung des Streifendienstes durch Kräfte der Bereitschaftspolizei erlaubte diesen Einsatz, der mehrfach, zu unterschiedlichen Zeiten und über längere Zeiträume hinweg erfolgte. „Wir können das nicht ständig machen, aber wir werden bestimmte Zeiten abdecken“, versichert Norbert Eidher. Wegen der Beanspruchung von Polizeikräften in den Abendstunden durch Demos, Euro-Fußball und andere Großeinsätze stehe die Bereitschaftspolizei über 18 Uhr hinaus jedoch eher selten zur Verfügung.

„Meine Bitte ist, dass sich belästigte Frauen schnell bei uns melden. Wenn nicht sofort, dann wenigstens am nächsten Tag. Denn ich tue mich unheimlich schwer, nach zehn Monaten konkrete Ermittlungsansätze herauszuarbeiten.“ Norbert Eidher unterstreicht, es sei im Interesse der Polizei, dass sich Frauen am Seeplatz sicher fühlten und die Ortsmitte zu Fuß nutzen könnten.

Wie sollen sich Frauen verhalten, wenn sie auf der Straße angesprochen und mit dreisten Aufforderungen belästigt werden? Norbert Eidher findet die Reaktion von Nicola de Vitis' Ehefrau, die sich nicht einschüchtern ließ, sondern ihr Handy zückte und mit der Polizei drohte, ideal. „Die Männer hinzuhalten, davon würde ich eher abraten. Im Zweifelsfall ziehe ich mich zurück.“ Bei Selbstbehauptungsseminaren werde Frauen immer geraten: „Machen Sie laut auf sich aufmerksam, damit sich Passanten einmischen und Sie Hilfe bekommen.“

Auch der WKZ-Artikel vom 11. Juni, der auf die Anmache am Seeplatz hinwies, sollte die Korber dafür sensibilisieren, damit sie Frauen in Not beistehen.

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