Korb Das letzte Schlachtfest: Nach 50 Jahren ist Schluss

Am Sonntag lassen sich viele Korber wieder eine Schlachtplatte schmecken. Foto: ZVW/Gabriel Habermann

Korb.
Es gibt Menschen in Korb, die verschieben ihren Urlaub, um beim Schlachtfest dabei zu sein. Andere, längst weit weggezogen, fahren einmal im Jahr Hunderte Kilometer heim ins Remstal dafür. Warum geht diese Tradition an diesem Sonntag mit dem 50. Schlachtfest zu Ende?

Diakonin Martina Konieczny sagt: „Es wird immer schwieriger, die 100 Ehrenamtlichen zusammenzubringen, die wir brauchen. Wenn jemand ausfällt, habe ich keine 20 in der Reserve.“ Es ist bereits das 30. Mal, dass die 54-Jährige das Schlachtfest federführend organisiert, bei ihrem ersten Mal war sie 25 Jahre alt. Konieczny zählt auf: „Wir brauchen 20 Leute, die Kartoffeln schälen, Menschen, die die Hütte aufbauen, in der die Schnitzel gebraten werden, andere, die Tische und Stühle aufbauen. Wir brauchen den Obst- und Gartenbauverein, der die Schnitzel klopft, würzt und brät, an die 25 Bediener, Menschen, die Getränke ausschenken. Jemand muss Geschirr spülen, jemand muss das Kraut umrühren ...“

1000 Schnitzel, 200 Schlachtplatten

1100 bis 1200 Essen werden am Sonntagmittag ausgegeben, 900 bis 1000 Schnitzel, 150 bis 200 Schlachtplatten. Die 250 Sitzplätze im Gemeindehaus Schaltenberg sind voll ausgelastet, nicht wenige Gäste nehmen ihr Essen aber auch mit nach Hause. Viele Helfer sind seit Jahrzehnten dabei. „Es gestaltet sich schwer, Nachwuchs zu finden“, sagt die Diakonin, vor allem für die zeitintensive Vorbereitung des Fests. „Das ist ein Riesending, die Verantwortung will niemand übernehmen.“

Am Freitagmorgen, zwei Tage, bevor in Korb zum letzten Mal Schlachtfest gefeiert wird, sind fünf Frauen in der Küche des evangelischen Gemeindehauses Schaltenberg am Werkeln. Der Duft von Sauerkraut erfüllt den ganzen Raum. In sechs Töpfen köchelt es vor sich hin, in einigen weiteren dampft das Kraut gerade ab.

Insgesamt 55 Kilogramm Sauerkraut werden hier an diesem Vormittag gekocht. Rund fünf Stunden braucht das eingespielte Küchenteam dafür: Christel Willrett (72) zupft das Kraut klein und bereitet es mit Apfelsaft, Weißwein und Schweinebauch vor. Margarethe Schneck, die bald 95 Jahre alt wird, notiert sich haarklein, wann das Kraut von der Herdplatte muss. Ihre Tochter Rose Schaaf (58) hilft ebenso mit wie Getrud Pönnighaus (86), die das Kraut am Ende kräftig umrührt und in drei große Waschzuber füllt.

Mit einem Kochtopf in der Hand sagt Rose Schaaf: „Es ist besser, aufzuhören, wenn die Leute noch sagen: Das ist aber schade. Ich bin sicher, wenn etwas endet, wird auch etwas Neues entstehen.“

So sieht es auch Diakonin Konieczny: „Ein halbes Jahrhundert, das soll uns erst einmal jemand nachmachen“, sagt sie, „wir hören auf, solange es noch schön ist.“ Und etwas Neues, wie Schaaf es sich wünscht, sei eigentlich schon entstanden: Der Mittagstisch im Gemeindehaus Schaltenberg locke einmal im Monat 50 bis 60 Leute an. „Wir haben eine Plattform geschaffen, wo Menschen sich begegnen können“, sagt die Diakonin. Darum ging es auch beim Schlachtfest immer: Die ehemaligen Landfrauen schälen Kartoffeln, die Obst- und Gartenbauer brutzeln, Kirchenleute kochen Kraut und Schüler der Gewerblichen Schule unter Willi Scheibel bauen die Schnitzelhütte auf. Am Sonntagmittag dann lassen es sich alle Korber gemeinsam schmecken.

Und tun dabei noch etwas Gutes: Zehn Prozent des Erlöses spendet die Kirchengemeinde an „Brot für die Welt“. Das wird auch beim 50. und letzten Schlachtfest in Korb so sein. Der Rest wird laut Ankündigung für den Erhalt der Korber Kirche eingesetzt.

Kritik von Tierschützern

Wobei zur Wahrheit auch gehört, dass nicht alle Menschen das Fest vermissen werden. Vor drei Jahren hatte Diakonin Konieczny eine Kampagne der Tierschutzorganisation Peta auszuhalten. Die Aktivisten boten der Kirchengemeinde eine Spende von 500 veganen Würstchen an, wenn diese das Fest als „Veggie-Fest“ unter dem Motto „Tiere achten statt schlachten“ feiern würde. „Die Leute kommen wegen der Schnitzel“, sagte die Diakonin damals und lehnte ab. Das vegetarische Angebot werde von den Gästen ja kaum wahrgenommen. Das Fest wurde schließlich veranstaltet wie immer – und Konieczny erinnert sich heute noch an einige böse Briefe, aber auch viel Zuspruch.

Das Schlachtfest beginnt an diesem Sonntag, 26. Januar, um 11 Uhr im Gemeindehaus Schaltenberg (Gutenbergstraße 4). Veranstalter ist die evangelische Kirchengemeinde. Ab 14.30 Uhr ist die Kaffeetafel eröffnet. Um 17 Uhr endet die Bewirtung.

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