Korb Gemeinderat lehnt Hort-Container ab

Das Betreuungsangebot im Kleinheppacher Hort nehmen derzeit 25 Erst- bis Drittklässler wahr. Damit sind schon jetzt alle Plätze belegt. Mindestens 20 der 31 künftigen Erstklässler brauchen laut Rathausmitarbeiter Werner Melzer, zuständig für Kernzeit, Hort, Schulverwaltung und IT, ab September zusätzliche Hort-Plätze; acht Anmeldungen liegen bereits vor. Foto: Pixabay CC0 Creative Commons

Korb-Kleinheppach. Rund zwei Dutzend Erstklässler, die von September an einen Betreuungsplatz im Kleinheppacher Hort bräuchten, können Stand jetzt nicht aufgenommen werden. Wie berichtet, sind für eine neue Gruppe Räume und Personal nötig. Die vom Ortschaftsrat empfohlene Übergangslösung, schnell aufbaubare Holzcontainer, hat der Gemeinderat am Dienstag mehrheitlich abgelehnt. Statt eines Schnellschusses forderte er ein auf Langfristigkeit ausgelegtes Konzept.

Leicht haben sich die Gemeinderäte die Entscheidung nicht gemacht. Lang und intensiv diskutierten sie am Dienstagabend darüber, was wichtiger ist: eine schnelle Lösung oder eine nachhaltige. Mit neun Pro- und drei Contra-Stimmen sowie zwei Enthaltungen wählten sie schließlich die Nachhaltigkeit: Sie beauftragten die Gemeindeverwaltung damit, so zügig wie möglich eine Modulbau-Lösung auf dem östlichen Schulhof umzusetzen.

Umsetzung bis September erscheint unwahrscheinlich

Mindestens 15 Monate dürfte die Planung und Umsetzung dieser Variante dauern. Zumindest einer Schätzung nach, die Joachim Kautz, Leiter des Sachgebiets Hochbau im Korber Bauamt, für die Beratungen vorbereitet hatte. Mit Volldampf und etwas Glück könnten Container innerhalb von neun Monaten stehen, Modulbauten ein halbes Jahr später, ein Massivbau nach 18 Monaten. Alle drei Schätzungen seien zwar „sportlich“, aber zumindest theoretisch möglich. Für Container rechnet Kautz bei drei Jahren mit Kosten in Höhe von einer Viertelmillion Euro, bei dauerhaften Bauten mit rund einer halben Million Euro.

Auf eine schnellere Alternative hatten Eltern gehofft, die die öffentliche Sitzung besuchten. Sie stehen unter Druck, sie brauchen Planungssicherheit. Besonders eindringlich machte das eine zweifache Mutter deutlich: Sie sei alleinerziehend und angewiesen auf eine Fünf-Tages-Betreuung für ihre kleine Tochter, sagte sie in der Bürgerfragestunde. Im September werde die Kleine eingeschult. „Ich möchte wissen: Wie geht’s nach dem Sommer weiter?“ – Gut zweieinhalb Stunden später, noch während Gemeinderäte ihre Hände gegen die Container-Lösung erhoben, packte sie ihre Sachen und verließ den Saal.

Die Lage der Eltern war allen Gemeinderäten bewusst. Vor allem Regina Hauser (SPD) plädierte mehrfach dafür, in den sauren Apfel zu beißen und wie empfohlen für einige Jahre Container aufzustellen. „Da hängt ja was dran“, betonte sie.

Eine "aberwitzige" Idee

Nicola De Vitis (FB) versuchte, einen Mittelweg zu finden. Er warb dafür, kurzzeitig Container mit nur der nötigsten Ausstattung aufzustellen und derweil einen dauerhaften Modulbau zu errichten. Mit diesem Vorschlag überzeugte er jedoch keinen einzigen seiner Ratskollegen. Bei einer Abstimmung votierte De Vitis als einziger für seine Idee, zwei Räte enthielten sich höflich. Jürgen Klotz (SPD) bezeichnete die Idee gar als „aberwitzig“: Viel zu teuer erschien sie ihm. Denn dann müssten sowohl Container als auch ein Modulbau bezahlt werden. Und auch Joachim Kautz zeigte sich skeptisch, wie viel Ausstattung bei einem Container überhaupt gestrichen werden könnte: Für eine Betriebserlaubnis müssten gewisse Voraussetzungen schlicht erfüllt werden.

Mit der reinen Modul- oder Massivbau-Lösung liebäugelten die Räte nicht zuletzt, weil sie eine Nachnutzung erlaubt. Werden die Räume nicht mehr für Betreuung benötigt, könnten sie Korber Vereine oder die Volkshochschule nutzen. Deren Raumnot ist am Ort leidlich bekannt.

Auf lange Sicht sei das Geld der Gemeinde so besser angelegt, betonte Martin Zerrer (CDU/FW): Denn wenn die Container nach drei bis fünf Jahren abgebaut würden, sei alles Geld, das in sie investiert wurde, futsch. „Das würde ich privat in hundert kalten Wintern nicht machen.“

Für Modulbau sprechen allgemeine Raumnot und Wirtschaftlichkeit

Albrecht Ulrich (FB) plädierte ebenfalls dafür, nachhaltig zu bauen. Notfalls müssten Kriterien festgesetzt werden, welche Eltern in der Übergangszeit einen besonderen Anspruch auf Betreuung haben und welche nicht. Das könnte sowieso nötig werden, argumentierte er: Denn die Zeit sei sowieso schon zu knapp, um auch nur Container noch rechtzeitig aufzustellen. Bei (optimistischen) neun Monaten für Planung und Bau wären sie nicht vor November fertig.

Doch die Hoffnung auf eine schnelle Lösung ist noch nicht gestorben. Gerhard Brenner (Bündnis 90 / Die Grünen) zeigte sich überzeugt, dass es schnell umsetzbare Modulbauten auf dem Markt gibt. Er erbot sich mehrfach und nachdrücklich, die Verwaltung bei der Planung zu unterstützen.


Personalfrage

Nicht nur Räumlichkeiten braucht die Gemeinde für die Hortbetreuung. Sie muss auch zwei Vollzeitstellen schaffen und mit pädagogischen Fachkräften besetzen. Kosten würde das jährlich 116 000 Euro.

Doch die Frage ist, ob sich überhaupt auf die Schnelle das nötige Fachpersonal auftreiben lässt. „Ich kann Ihnen nicht garantieren, dass wir das Personal bis September finden“, gab Bürgermeister Jochen Müller im Lauf der Diskussion offen zu.

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